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Peter Kürten, der Vampir von Düsseldorf, zählte zu den ersten deutschen Serienmördern, der zur Zeit der Weimarer Republik sein bestialisches Unwesen trieb. Als er 1930 verhaftet wurde, konnten ihm neun Morde nachgewiesen werden, die Dunkelziffer in Sachen Tierquälerei, Brandstiftung, Diebstahl, Körperverletzung und Vergewaltigung außen vorgelassen. Der tschechische Regisseur Julius Sevcík nähert sich dem Thema ein wenig überambitioniert, da er sich nur selten zwischen Aufklärungsarbeit, einem Psychogramm und surreal anmutendem Arthouse entscheiden kann.

Kürten befindet sich in einer Kirche, als er von einer bewaffneten Einheit festgenommen und inhaftiert wird. Der junge Anwalt Julius Wehner übernimmt seine Verteidigung und will vor Gericht auf Geisteskrankheit plädieren, doch im Zuge einiger Unterredungen mit Kürten verliert Wehner zusehends seine Bodenhaftung...

Der Stoff beschäftigt sich primär mit der Frage, ob Monster geboren werden oder die Gesellschaft sie formt, was sich besonders bei der Entwicklung des Anwaltes herauskristallisiert. Wehner hat bei Antritt des Jobs ein Ziel, umgibt sich bei seinen Ermittlungen und Gesprächen mit Angehörigen der Opfer in düstere Gefilde und verliert alsbald den vagen Halt, welcher lediglich aus Briefkontakten zu seinen Eltern besteht.
Kürten erinnert mit seiner überlegenden Haltung indes eher an Hollywoodvorbilder in Richtung Hannibal Lector und gibt nur sehr wenig über seine Beweggründe preis, was im Zuge eines umfassenden Täterprofils eine verpasste Chance ist.

Vielmehr versucht Sevcík mit latentem Kaltfilter in Dunkelblau, kleinen Chroma-Key-Momenten und ein paar gelungenen Spielchen mit Licht und Schatten eine morbide Atmosphäre zu schaffen, was zwangsläufig zu Style over Substance führt. Besonders gegen Ende driften einige Szenen komplett ins Surreale ab, während der inhaltliche Fokus völlig aus dem Ruder gerät. Ach ja, da gab es ja noch den unerfahrenen Anwalt und den Serienkiller, doch ein paar Flashbacks und nur wenige blutige Details steuern letztlich zum eigentlichen Thema bei.

Experimentell anmutende Bildkompositionen mit immerhin versierter Kamera und einem recht gut abgestimmten Score, halbwegs fähigen Mimen und authentisch wirkender Ausstattung sind nicht das, was die Zielgruppe anhand des reißerischen Titels erwartet.
Einerseits geht der Stoff auf psychologischer Ebene zu wenig in die Tiefe, andererseits vergeigt er die Möglichkeit, die Treffen zwischen Gut und Böse wirklich ambivalent zu gestalten und die jeweiligen Entwicklungen spannend zu inszenieren.

Was bleibt, ist ein zumeist optisch und durchweg akustisch ansprechender Streifen, welcher zu unfokussiert daherkommt und bisweilen wie ein unausgegorener Erstling daherkommt.
Freunde des Mainstreams sollten ihn folgerichtig auslassen, - wer gerne deutelt und viel Zeit hat, zwischen den schwammigen Zeilen zu lesen, könnte einen vorsichtigen Blick riskieren.
5 von 10

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