Der deutsche Independent Regisseur Marian Dora ist nicht gerade für seine gutgelaunten Partyfilme bekannt, denn seine Gewaltorgien lassen so manch hartgesottenen Betrachter mit mulmigen Gefühlen zurück. Zwar spaltete sein „Cannibal“ die Gemüter, doch die „Melancholie der Engel“ kam beim Publikum weitaus positiver weg. Etwas schlichter fällt da seine Reise mit nur drei Protagonisten auf einem Boot aus, die jedoch mit einem kleinen Paukenschlag endet.
Rafael und Isabell befinden sich im Urlaub am Mittelmeer und die Stimmung ist bereits getrübt. Als Rafael die junge Lisa für sich und die Reise gewinnen kann, verschlechtert sich Isabells Gemütszustand, während die beiden anderen hemmungslos flirten. Auf einem Boot unterwegs kippt die Stimmung jedoch vollends, als Rafael seine erniedrigende Ader offenbart…
Dora geht etwas merkwürdig an den Stoff heran, denn die Dialoge beschränken sich bereits im Vorfeld auf ein Minimum, so dass man zu keiner Zeit mit den drei Protagonisten warm wird. Rafael entpuppt sich binnen weniger Momente als Kotzbrocken, bei dem man sich fragen muss, warum eine nicht unattraktive Frau wie Isabell mit so einem überhaupt unterwegs ist, doch die Dame scheint ohnehin unter argen Stimmungsschwankungen zu leiden. Lisa ist indes schlicht naiv, auch wenn sie zwischenzeitlich vorgibt, einen starken Willen zu haben, - von Beginn an ist klar, wer hier die Opferrolle einnehmen dürfte.
Leider nutzt Dora die malerische Umgebung Kroatiens nur bedingt aus, da die Handlung fast komplett auf dem Boot spielt und nur wenig von den Inseln zu sehen ist. Umso auswegloser präsentiert er die Protagonisten nahezu ausschließlich in Nahaufnahme, was auf Dauer ein wenig anstrengend zu verfolgen ist, zumal die Kamera nicht immer ganz stabil arbeitet.
Immerhin performen die drei Mimen durch die Bank passabel, indes die Damen phasenweise komplett nackt unterwegs sind und die eine oder andere explizite Einstellung unkaschiert im Bild erscheint.
Die Dramaturgie funktioniert immerhin einigermaßen, langsam steigert sich die Spannung, die Erniedrigungen nehmen zu, die Hemmschwellen sinken und am Ende kommt es auf einer kleinen Insel zum tödlichen Akt. In den letzten zehn Minuten geht es nicht nur physisch, sondern auch bluttechnisch ordentlich zur Sache, da mit einem scharfen Messer allerlei anzustellen ist. Klar ist auf jeden Fall, dass final mindestens ein, vielleicht auch mehrere Todesopfer zu verzeichnen sein werden.
Der ordentlich arrangierte und in seinem Hauptthema variabel eingesetzte Score, primär bestehend aus Piano und Streichern, steht scheinbar kontraproduktiv zum eigentlichen Geschehen, denn da schwingt eine Menge Verträumtheit und Romantik mit und auch ein paar poetische Ausführungen im nihilistischen Bereich fügen dem Ganzen eine leicht surreale Note hinzu.
Doch auch wenn das Geschehen nicht uninteressant zu verfolgen ist, so ist das größte Manko die Halbherzigkeit der Charakterzeichnungen. Sympathisch erscheint niemand, zum Mitfiebern kann ebenfalls keiner animieren, so dass einem das Treiben selbst während des Showdowns relativ kalt lässt. Die minimalen Dialoge und der geringe Handlungsspielraum führen ebenfalls dazu, dass sich rasch ein Gefühl des nicht ausgeschöpften Potentials einschleicht.
In drei Tagen mit rund 10.000 Euro Budget verwirklicht, ist das Gesamtergebnis wahrlich nicht schlecht, doch zum Mitzittern reicht es am Ende nur selten. Zu austauschbar sind die Figuren, zu wahllos ihre Handlungen und zu undurchsichtig die wahren Absichten eines jeden Handels. Definitiv gute Ansätze, aber kein Psycho-Terror, der dauerhaft nachhallt.
5,5 von 10