Kennt noch jemand die "grüne Hornisse"?
Kennt überhaupt jemand das unbewohnt gefärbte Insekt?
In Deutschland hat der Superheld aus dem Radio mit Sicherheit keine große Lobby, was nicht zuletzt daran liegt, daß die TV-Show, die in den Spät-60ern aus der Taufe gehoben wurde, allerhöchstens noch Bruce-Lee-Freaks im Gedächtnis geblieben ist, der zu seiner Zeit den "Kato", den kampferprobten Chauffeur und Helfer gab, um so seinen Bekanntheitsgrad in Richtung "Star" zu fördern.
Kein Wunder bei all den "Marvel"- und "DC"-Helden, daß dieser "Held" für lange Zeit auf Halde lag, selbst als sich schon diverse Interessenten an Drehbüchern für eine Filmfassung versuchten, nicht zuletzt der lange als Regisseur gehandelte Kevin Smith.
Wir wissen nicht, was die "Clerks"-Connection aus dem Stoff gemacht hätte, schlußendlich durfte sich jedenfalls der cineastische Extremträumer Michel Gondry an dem Stoff versuchen, der die Kinowelt mit Werken wie "Eternal Sunshine of the Spotless Mind" verzauberte. Wer jetzt aber eine semisurreale Heldenshow der abgefahrenen Art erwartet, der wird von dem fertigen Film wohl eher ernüchtert werden, denn im Wesentlichen, abgesehen von modernisierten Gadgets, atmet die Story immer noch den Geist der 40er- bis 60er Jahre, also Heldentum mit Gimmicks, aber ohne Superkräfte, sieht man einmal von dem übermenschlichen Reaktionsvermögen Katos, diesmal dargestellt von Kampfikone Jay Chou in seinem US-Debüt, ab.
Denn Gondry ließ die Finger vom Drehbuch, arbeitete stattdessen mit einem Werk von zwei anderen "Hotshots", die auch schon große Erfolge feierten: Evan Goldberg und Seth Rogen.
Allein: beide hatten mit dem Genre bisher so gut wie nichts zu tun. Und das merkt man. Schmerzlich.
Rogen und Goldberg haben sich in den letzten Jahren diverse gekonnt komische Filme abgerungen, "Ananas Express" und "Superbad" etwa, die mit dem Humor des modernen Twen durchaus harmonisierten. Darin geht es zumeist albern, etwas grobschlächtig und reichlich sex- und drogenmotiviert zu, aber ihre Underdogs und Antihelden beißen sich nun mal mit dem, was Comic- und Superheldenfans selbst in Form von Antihelden akzeptieren und konsumieren.
Dabei gibt sich ihr Plot für "The Green Hornet" überraschend straight: Partylöwe und Lebesohn Britt Reid ist solange nicht eben der Sohn seines unabhängigen Zeitungsverlegerpapas, bis dieser nach einem Bienenstich ins Gras beißt. Von da an ist Britt reich an Geld und Schuldgefühlen, aus seinem Leben nichts gemacht zu haben, bis er den Chauffeur seines Vaters, Kato trifft. Der ist James Bond und dessen Waffenmeister "Q" in einer Perosn gebündelt und hat ein ganzes Arsenal von speziell ausgestatteten und bewaffneten Autos hergestellt und kann darüber hinaus enorm guten Kaffee machen. Also verfällt der Playboy aus wirrem Enthusiasmus auf die Idee, mit Kato ein Superheldengespann zu bilden, das aber als Superschurken auftritt, medial schön breitgewalzt eben von der eigenen Zeitung. Daß man Gegner wie Gangsterbosse mit Profilneurose jedoch nicht endlos reizen kann, ohne daß mal Unschuldige dran glauben müssen, ist allerdings eine Folgeerscheinung.
Ganz ehrlich: die hier so sachlich zusammengefaßte Idee hat Potential. Das ist verdammt nah am Schicksal "Batmans", der ja auch verfolgt wird, obwohl er für das Gute kämpft, aber Bruce Wayne ist nun mal als "Hero" eine enorm gut getarnte Lederfledermaus und wird nicht mittels eines Mantels und einer metallenen Augenmaske, mittels derer man ihn sofort erkennen müßte, zu einem nichtskönnenden, egoverspritzenden Arschlochgroßmaul, das seinen Chauffeur die ganze Arbeit machen läßt.
Womit das Problem auch schon definiert wäre, denn Seth Rogen kann zumeist nur eins spielen: Seth Rogen. Also einen albernen, bärigen, stetig labernden Wirrkopf, dem von seinem Kumpanen mal ordentlich die Fresse poliert gehören würde.
Und so kommt das Skript dann auch nicht als ernster Stoff mit einem Spritzer Humor daher, sondern als unzusammenhängende Chaotenparade mit letztendlich unpassend wirkenden ernsten Einschüben.
Da ist dann also die Läuterung des viel zu egozentrischen Vorgehens, der übliche Streit um den Ruhm und die Arbeitsanteile mit Kato und nicht zuletzt eine enorm aufgesetzte Möchtegern-Eifersüchtelei über die neue Sekretärin, der Cameron Diaz in ihrer Standardrolle nicht das mindeste Profil abgewinnen kann, nicht zuletzt, weil sie letztendlich in dieser asexuellen, fast pubertären Männerfreundschaft keine Funktion hat.
Wie ein bizarrer Gegenentwurf wirkt dazu der frisch gebackene Oscargewinner Christoph Waltz, der den russischstämmigen Obergangster Chudnofsky darstellen muß, der sich stetig darüber wundert, daß ihn niemand fürchtet und nur wenige kennen, obwohl er sich doch so viel Mühe macht.
Waltz, ein Mann mit stillen Charisma, boykottiert zum Glück die Chaoten, die sonst noch um ihn wimmeln und würzt seine Performance mit dahingenuscheltem Witz, guckt hündchenhaft den Kopf schräg legend in die Welt und rätselt über die seltsamen Typen, die seine Männer und sich selbst in Schutt und Asche legen.
Waltz' Rolle ist wenig mehr als eine Comicgestalt aus einem TV-Serien-Pilotfilm - und so wirkt dann auch gleich die ganze Kinoproduktion. Rogen und Goldberg haben zwar jede Menge Zutaten bei der Hand und gehen recht freigiebig damit um, deswegen funktioniert der Film jedoch noch lange nicht als Blockbuster oder auch nur als engagierte Großproduktion. Der zwangsläufige Schluß: alles ist drin, aber nichts paßt zusammen.
Da ist zunächst Rogen, der sich über zwei Drittel der Laufzeit skriptgemäß wie der Elefant im Porzelanladen gebärden muß und den man mit jeder Filmminute als "Held" mehr haßt. Die eigentliche Heldenrolle übernimmt nämlich mit feiner Ironie, wenn auch mit Sprachproblemen Chou, der den Komödianten in jeder Szene zeigt, wie die Asiaten dem Affen Zucker geben.
Dazu kommt dann - überfüssigerweise - zur Filmhalbzeit auch noch Miss Diaz für eine Handvoll Szenen als studierte Schreibtante, die den beiden Kämpfern erstmal Vorgehensweise und Motivation vorkaut, weil der Eine nur ein Handwerker und der andere ein Idiot ist. Zwischen blendet man dann auf Waltz um, den zu sehen allein schon Freude genug ist, der sich aber mit seinen Handlangern eigentlich in einem ganz anderen Film befindet, während der Erzschurke (weithin früh erkennbar) dann doch ein Anderer ist. Chudnofskys bemühte Versuche, sich als "Baddie" ein grimmiges Image zu verpassen, sind dann sowohl unpassend für das Konzept, wie dennoch humoristisch gelungener als die Gags, die sich Rogen selbst spendiert.
Für die Fans, die gern an der Oberfläche bleiben, hat der Film aber immer noch genug zu bieten, ein paar ordentlich Fights (teilweise in Zeitlupe), diverse Autojagden, einige bissige Gags (die allerdings fast alle im Trailer zu sehen sind) und jede Menge Gadgets und Gimmicks, die sich aus Kotflügeln zaubern lassen. Die Balance zwischen Spaß und Ernst trifft der Film dabei dennoch zu keiner Zeit und wenn ein Großmime wie Edward James Olmos in dem Zeitungsredakteurspart mit ersatzväterlichen Tendenzen links liegen gelassen wird, dann tut das schon ziemlich weh.
Wie wenig ausbalanciert das Buch ist, zeigt sich ausgerechnet in den Sequenzen, in denen dann tatsächlich Gewalt ausgeübt wird, mal comichaft, wenn Waltz seine unfähigen Schergen erschießt, mal geradezu gallig brutal, wenn die Oberbösewichte dann wirklich aus dem Rennen genommen werden müssen, dazu Rogens fröhliches Gelagegelalle, das kann kein Meisterwerk werden.
Die 3D-Gimmicks, die man notgedrungen auch diesem Film an den Kragen heftete, sind übrigens mal nicht "artsy" mit viel Tiefenschärfe, sondern eher die guten alten "es fliegt was auf den Zuschauer zu"-Einfälle, nett gemacht, doch wie meistens nicht wirklich bedeutend.
So kurios uns die "grüne Hornisse" also von vornherein erscheinen mag, so seltsam uneinheitlich ist auch der ganze Film, der am Ende den status quo erst etabliert hat und auf Größeres für die Zukunft hoffen mag, ob dies nach den durchschnittlichen Einspielergebnissen jedoch überhaupt möglich ist, bleibt zu bezweifeln.
Zu Schmunzeln werden viele noch genug haben, schwungvoll gemacht ist die Sache auch, nur hängen bleibt da leider nicht viel, da hätte Gondry ein bißchen mehr den Zauberstaub schwingen müssen. Superheldenfingerfood, da sollte sich bald ein US-Network mit der Serienversion melden... (5/10)