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Dem Exorzismus neue Facetten abzugewinnen dürfte so gut wie unmöglich sein, denn zahlreiche Filme allen voran "Der Exorzist" haben sich diesem Thema schon angenommen, teilweise auch basierend auf wahren Begebenheiten. Damit prahlt auch "The Rite", denn er basiert auf dem Buch "Die Schule der Exorzisten", kein Roman sondern eine Reportage. Aber dennoch ist diese Regiearbeit des Schweden Mikael Hafström (Zimmer 1408, Entgleist) eine Sichtung wert, denn allein schon die Optik sorgt von Anfang an für die nötige düstere Atmosphäre. Selbst das sonnige Italien verwandelt sich hier in einen dunklen Ort mit Dauerregen und vielen Menschen, die von einem Dämon besessen sind.
Und mit dem angehenden Priester Michael Kovak (Colin O´Donoghue) haben wir einen echten Zweifler, dem nicht nur der Glauben an Gott schwerfällt, sondern auch der Glauben an die Besessenheit durch Dämonen. So kann "The Rite" nicht gerade mit Kritik an der Kirche punkten, aber Michael hinterfragt jegliche Methode. Dies geschieht leider etwas oberflächlich, aber da er sich Gott immer mehr abwendet, erlaubt er dem bösartigen Dämon Baal in sein Leben einzudringen.
Interessant dürfte dabei auch Michaels traurige Kindheit sein, die man in Rückblenden zu sehen bekommt. Seine Mutter starb recht früh und nur um seiner Berufung in der Leichenhalle seines Vaters Istvan (Rutger Hauer) zu entfliehen, nahm Michael die 4-jährige Ausbildung als Priester an.

Trotz interessanter Hintergründe und Figuren, braucht "The Rite" seine Zeit zur Entfaltung, denn der mit Abstand wichtigste Charakter ist Pater Lucas Trevant (Anthony Hopkins), bis zu dessen Einführung man sich etwas gedulden muss. An ihn wird Michael in Rom verwiesen, weil ihm der nötige Glauben an die Arbeit eines Exorzisten fehlt. Daneben spielt noch die Reporterin Angeline (Alice Brage) eine Rolle, welche sich durch Michael Informationen über den Exorzismus erhofft.
Doch die Austreibungen in "The Rite" sind ein wenig gewöhnungsbedürftig, gerade da sie bodenständiger und manchmal etwas skurril ablaufen. Wenn Lucas mitten im Exorzimus ein Gespräch entgegen nimmt, sich mit einem Kissen unterhält, oder ein Maultier mit glühenden Augen auftaucht, ist das nicht jedermanns Sache. Dafür sind die Toneffekte erste Sahne, besonders wenn die Besessenen mit zahlreichen verschiedenen Stimmen reden und üblicherweise wieder Beschimpfungen gegen die Priester ausstoßen. Dabei will Hafström kein richtiger Spannungsbogen gelingen, aber einige Gruselspitzen können für Gänsehaut sorgen, besonders wenn es für eine schwangere Frau kein Happy End gibt. Denn manche Austreibungen dauern Monate und es gibt auch Fälle, wo es gar nicht funktioniert.

Und gerade in diesem Punkt ist Lucas Trevant sehr überzeugend, wenn er aufgrund einer fehlgeschlagenen Austreibung seinen Glauben verliert und bald selbst zum Wirt für Baal wird. So wird das Grauen erst im letzten Drittel richtig präsent und stellt Michael auf eine harte Probe. Denn Baal scheint alles über ihn zu wissen, schleicht sich sogar in Michaels Alpträume und auch der plötzliche Tod seines Vaters hilft Michael nicht gerade an Gott zu glauben. Dennoch hätte man sich vom finale Exorzismus etwas mehr erhofft, denn anstatt einer Spannungspitze folgt eine gewöhnliche Austreibung, obwohl das Make up wirklich klasse ist.
Aber die Hauptattraktion ist natürlich Anthony Hopkins (Das Schweigen der Lämmer, Wolfman), der besonders als Besessener herrlich dämonisch agiert. Doch Neuling Colin O´Donoghue (Die Tudors) kann erstaunlich gut mithalten und verkörpert die Hauptfigur Michael Kovak sehr überzeugend. In Nebenrollen sind Alice Braga (I Am Legend, Predators) und Schauspiel-Urgestein Rutger Hauer (Blinde Wut, Wedlock) vertreten.

"The Rite" ist sehr düsteres Schauerkino, jedoch mit einem gewissen Vorlauf bis das Grauen spürbar ist. Aber wirklich Neues kann er nicht bieten, punktet aber mit starken Darstellern und eindrucksvollen Bildern, die extrem düster gehalten sind. Gruselig ist diese Variante allemal, aber eben nicht mehr.

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