Review

Gesamtbesprechung

Als großer Lost-Fan habe ich mich letztendlich daran gewagt, mir alle Folgen von Alias mal anzutun, um mir die Wartezeit auf Lost Staffel 4 zu verkürzen. Außerdem wollte ich sehen, was J.J. Abrams angeblich so auszeichnete, oder ob Lost eine Eintagesfliege ist.Um es vorneweg zu nehmen. Was ich sah, macht mir persönlich keine großen Hoffnungen, dass Lost eine auch nur halbwegs zufrieden stellende Auflösung finden wird. Im Gegenteil.Aber eins nach dem anderen, d.h. Staffel für Staffel. Staffel 1: Meine Güte, das geht gleich ab wie eine Rakete, Spannung pur, Action, Dramatik, überraschende Wendungen und eine Hauptdarstellerin, die wirklich wie geboren für die Rolle scheint.Für eine Serie wirkt das alles sehr souverän in Szene gesetzt und irgendwie immer einen Nummer größer.Sehr vielversprechend und ein grandioser Auftakt für eine Serie, von der man gerne noch mehr sehen möchte.8 Punkte Staffel 2: Und hier geht es gleich genauso weiter wie Staffel 1 endete und setzt dem ganzen noch eine Krone auf, indem mehr emotionaler Ballast hinzugefügt wird (Drama, Drama, Drama) und eine beziehungstechnische Entwicklung dargelegt wird, welche nur allzu menschlich und nett rüberkommt.Überraschend ist hier, dass ein Serienelement, von dem man annahm, dass er eigentlich die ganze Serie in Beschlag nehmen würde, relativ in der Mitte einfach so quasi Nebenbei aufgelöst wird, wodurch ein anderes Serienelement, welches bisher so nebenbei lief, plötzlich in den Fokus rückt. Mehr kann und will ich an dieser Stelle nicht verraten.Aber das wirklich bitterböse Finale mit seiner teilweise unglaublichen Härte ist mehr als nur sehenswert. Insgesamt kann man wirklich nur sagen, dass diese zweite Staffel fast besser als die erste ist, wenn auch mehr in Richtung Mystik und Schatzsuche gerudert wird. Aber man sieht genau, dass dies keine Serie ist, die sich lange mit einem Thema aufhält, sondern wirklich wert auf Entwicklung legt, manchmal sogar schneller als man als Zuschauer fast bereit wäre mitzugehen.9 Punkte Staffel 3: Nach dem überragenden zweiten Akt wird hier sichtlich zurück gerudert und eine neue Richtung eingeschlagen. Am Anfang braucht man seine Zeit für die Neuorientierung – genau wie die Protagonistin – doch nach einer Weile wird das Tempo erneut extrem angezogen. Und obwohl es sich hier um eine Agentenserie zu handeln scheint, nehmen die Schnitzeljagd-Elemente a la Indiana Jones oder Lara Croft immer mehr Platz ein.Auch der vermeintliche Erzbösewicht wird dankbarerweise auf eine völlig neue Ebene erhoben, eine Ebene die ihn abhebt vom klassischen Gut-Böse-Schema.Dennoch fällt diese Staffel im Vergleich zu den ersten beiden extrem ab, weil jetzt plötzlich immer hanebüchenere Wendungen eingeführt werden, die nicht einmal beim zwanzigsten Sehen auch nur irgendwie Sinn machen würden. Und zum anderen wird der von Lena Olin verkörperte Charakter aus dem zweiten Teil, welcher einer der schillerndsten Persönlichkeiten dieses Alias-Universums war, hier im dritten Akt einfach ignoriert.Dafür warten eine Menge von Gaststars auf, wie z.B. David Cronenberg oder Isabella Rosselini, nur um zwei zu nennen. Auch ist das Ende dieser Staffel eher als lasch im Vergleich zu den vorherigen Staffeln zu werten.5 Punkte Staffel 4: Und nun geht es wirklich rapide bergab mit der Serie. Denn urplötzlich sind wir mehr oder weniger in einer ähnlichen Situation verhaftet wie zu Beginn der ersten Staffel. Dieses Retconn schadet der ersten Hälfte dieser Staffel ungemein, auch wenn es eine schöne Irreführung für die Staffel als Ganzes ausgibt, denn die zweite Hälfte hat es dann wieder wirklich in sich. Hier wird alles aufgefahren, was es aufzufahren gibt. Viele lose handlungsstränge werden zusammengeführt und aufgelöst. Und sogar der Handlungsstrang mit dieser ominösen Schatzsuche scheint endlich ein ende gefunden zu haben.Und das Staffelfinale als reminiszenz und Verbeugung vor allerlei Zombiefilmen ist auch fabelhaft. Und wenn man dann die letzte Szene der Staffel sieht und bedenkt, dass in Amerika die Zuschauer ein halbes Jahr auf eine Fortsetzung warten mussten, kann man eigentlich nur verschmitzt grinsen.Dennoch hier sollte die Serie enden, denn die 22 Folgen werden nur notdürftig mit Handlung gefüllt und der Anfang der Staffel ist mehr als nur indiskutabel. 2 Punkte für den Anfang, 8 Punkte für die zweite Hälfte: 5 Punkte Staffel 5: Endlich geht diese Serie zu Ende. Und ich muß gestehen, im TV würde ich mir diese Serie nicht zu Ende schauen, denn der Anfang einer jeden Staffel seit Staffel 3 ist total ätzend und man muß sich erstmal mit Mühe zurecht finden.Auch ist mir schleierhaft, wie man mit diesem DaVinci-Verschnitt als Schnitzeljagd 5 Staffeln füllen konnte.Dennoch, es gab immer wieder Spannung und man hatte gewisse Charaktere auch gern gewonnen.Aber der Abschied fällt definitiv nicht schwer. Für den versöhnlichen Abschluß gibt es trotz einer sichtlich schwanger aufgedunsenen Jennifer Garner 5 Punkte. Gesamtfazit: Der Schurke wirkt sehr häufig deplatziert und wie ein kleiner Schrumpfkopfaffe, hat meistens zu große Klamotten an und ich bin mir nicht sicher, ob das nicht beabsichtigt war, denn die Macher scheinen ja genau zu wissen, was sie machen. Hierfür spricht auch, dass bereits in der ersten Staffel auf Ereignisse in Staffel 5 vorgegriffen wird – ich sage nur Uhrmacher.Auch ist positiv anzumerken, dass die Macher immer wieder Filme zitieren und das auch zelebrieren, so z.B. als die Stirb Langsam-Variante mit einem Van eingeleitet wird von der Firma McTiernan (McTiernan war der Regisseur von Stirb Langsam).Auch gibt es immer mal Verweise zu anderen Serien, so auch zu Mission Impossible (was ja auf der Hand liegt) oder sogar auf Lost (Charlies Lied „You’re all Everybody“ oder Oceanic Flüge…).Auch hat man immer wieder das Gefühl, dass neuere Filme nur schlechte Kopien von dieser Serie sind, so erinnert beispielsweise Angelina Jolies Mordauftrag als Edelnutte in Mr und Mrs Smith nicht von ungefähr an Sydneys Auftrag als Luxusnutte im Flugzeug!! Die Alias-Folge ist älter. Letztendlich bleibt aber eine zwar überdurchschnittliche Serie in Erinnerung, der aber leider das ganze sehr gute Pulver mehr oder weniger zur Hälfte ausgeht und die sich nur mit Mühe ins Ziel rettet. Gut und beinahe kinoreif bleibt die Serie zwar die ganze Zeit über, aber man weiß, dass es schon besser lief. Das alles macht einem daher für Lost nicht großartig Hoffnung, dass es ein überwältigendes Ende finden dürfte, eher dürfte es ernüchternd ausfallen. Rein rechnerisch würde man bei 6 Punkten liegen, aber der Schwangerenbonus sowie die Tatsache, dass die Serie nicht unnötig in die Länge gezogen wurde, sondern mit einem wirklichen Ende seinen Abschluß findet, bringen ihm letztendlich doch die 7 Punkte

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