Review

Ein Serien-Fernsehformat in einen Kinofilm umzusetzen, birgt schon grundsätzlich diverse Gefahren in sich, wenn dieser nicht einfach wie die Aneinanderreihung mehrerer Folgen wirken soll. Vielleicht haben sich die Macher von "Löwenzahn - Das Kinoabenteuer" deshalb von Beginn an dazu entschieden, einen Film zu drehen, der - bis auf die Darsteller und ihre Figuren - möglichst wenig mit der Fernsehserie zu tun hat. Zwar hatte sich der Charakter der Serie, seitdem Guido Hammersfahr alias Fritz Fuchs die Moderation von Peter Lustig übernommen hatte, verändert, war schneller und moderner geworden, aber die Grundlage war immer eine seriöse, möglichst lehrreiche Basis, auf der das Gezeigte stattfand.

Im Kinofilm dagegen wird eine aufgedrehte Räuberpistole mit klischeehaften Figuren erzählt, die mit möglichst vielen Schauwerten glänzen will - beginnend mit Hannibals Elefanten, die über die Alpen getrieben werden, über einen versteckten Goldschatz und süße Hundebabys, bis zur gewagten Rettung mit einer originellen Flugmaschine. Das erinnert an klassische Kinder-Abenteuerfilme à la "Pippi Langstrumpf", die auch über fantasievolle Elemente verfügten, eine geradelinige, spannende Geschichte erzählten und mit dümmlichen Bösewichten glänzen durften, die am Ende eins ausgewicht bekamen. Doch gute Filme dieses Genres verfügen auch über stimmige Charakterisierungen, einen schlüssigen Storyaufbau und - besonders wichtig - einer, trotz aller Fantasie, bleibenden Authentizität.

In dieser Hinsicht begeht "Löwenzahn - Das Kinoabenteuer, schon den Fehler, davon auszugehen, dass nur Kenner der Fernsehserie den Film ansehen werden. Anders ist der Beginn des Films nicht zu interpretieren, in dem die etwa zwölfjährige Laila (Ruby O.Fee) von einem Taxi vor der Tür ihrer Tante Yasemin (Sanam Afrashteh) im kleinen Kaff "Bärstadt" abgeliefert wird. Kaum ist sie da und hat festgestellt, das ihre Tante nicht zu Hause ist, läuft ihr ein Hund über den Weg. Bei dem Versuch, diesen zu füttern, wird sie auf der einsamen Dorfstraße beinahe von einem rücksichtslosen Raser überfahren, was Fritz Fuchs verhindert, weil er aus der Luft, in seiner Flugmaschine sitzend, Laila gewarnt hatte. Für den Hund kam die Hilfe zu spät, weshalb Fritz Fuchs, inzwischen gelandet, gemeinsam mit Laila und seinem Hund Keks, diesen nur noch tödlich verletzt bei seinen drei Welpen auffindet. Gemeinsam mit den drei süßen Hundebabys machen sie sich auf den Weg zu Fritz Fuchs' Bauwagen, nicht ahnend, dass die Raser gerade auch dorthin unterwegs sind, um die Pläne für seine Flugmaschine zu stehlen.

In dieser, nur wenige Minuten andauernden Anfangssequenz, werden eine Vielzahl entscheidender Elemente des Films deutlich. Obwohl Laila nicht in der Fernsehserie vorkommt, wird sie nicht näher charakterisiert - es genügt, dass sie ein toughes, intelligentes Mädchen ist. Warum ihre Tante nicht da war, obwohl sie wissen musste, dass ihre Nichte zu diesem Zeitpunkt anreiste, und warum sie gleich mit einem fremden Mann (der immerhin seinen Namen nennt) mitgeht, ohne irgendwelche Ängste auszudrücken, lässt sich nur auf eine Weise erklären. Der Zuschauer kennt Fritz Fuchs und den kleinen Ort und das genügt auch. Nur fragt man sich dann, warum mit der tussigen Cora (Petra Schmidt-Schaller), die am Lenkrad des rasenden Autos sass, und ihren zwei männlichen Helfershelfern, gleich drei Klischee-Kriminelle an diesem so Vertrauen erweckenden Ort auftauchen?

Das Problem des Films liegt darin, dass er zwar auf der einen Seite die beschauliche, ländliche und durch das Fernsehen vertraute Welt beschwört, auf der anderen aber einen auf Dicke-Block-Buster-Hose machen will. Da werden erst in einer kurzen Szene ganz zu Beginn ein paar Elefanten in der schneebedeckten Bergen gezeigt, bevor zwei Jungen (Fritz Fuchs und sein damaliger Freund Roman) dort ein paar tausend Jahre später den Goldschatz des Hannibal finden. Schon allein die Vorstellung, das in den verschneiten Gipfeln der Alpen zwei Heranwachsende allein nach einem Schatz graben, Einer von ihnen verschüttet wird, während der Andere ihn im Stich lässt und wenigstens die Stoßzähne der Elefanten mitnimmt, ist unwahrscheinlicher als Pippi Langstrumpfs Riesenkräfte. Nur das sich der Film dieser Absurdität gar nicht hingibt oder sie als bewusste Übertreibung einbaut, sondern sie als Grundlage für die Gesamtstory nimmt, die letztlich alle Beteiligten 30 Jahre später wieder in die Alpen führt.

Nun könnte man positiv anmerken, dass es hier um die Unterhaltung von Kindern geht, denen es egal ist, wenn die Protagonisten von dem kleinen Ort Bärstadt über die Burg in Thüringen, bei der es sich um die Residenz des inzwischen natürlich zum Verbrecher gewordenen Roman (Dominique Horwitz) handelt, bis in die tiefen Alpen quasi an einem Tag gelangen, denn Ruhephasen oder die Dunkelheit der Nacht gibt es während der gesamten Laufzeit nicht.

Abgesehen davon, wie sich dieses Action-Schwergewicht mit dem Charakter einer Fernsehserie verträgt, die sich immer auch dadurch auszeichnete, Dinge zu erklären und den Kintopp nicht als Mittelpunkt der Welt zu begreifen, sollte man Kinder nicht für dumm verkaufen. Damit sind weniger die Figuren-Klischees gemeint, die sich treudoof in "Die Guten" und "Die Bösen" unterteilen lassen (bis auf einen nicht wirklich Bösen, da dieser Hundebabys mag), sondern die vielen sonstigen Unwahrscheinlichkeiten, wenn ein Mädchen eine ihr unbekannte, sehr kompliziert wirkende Flugmaschine ohne Übung fliegen kann, und Fritz Fuchs nicht nur mehrfach aus mehreren Metern herunter fallen kann, ohne sich eine Beule zu holen, sondern minutenlang, sich nur an einer Stange festhaltend, seine Flugmaschine steuern kann, nachdem er - in der Luft hängend - ein Seil hochklettern konnte. Auch die unrühmliche Vorstellung der Polizei hat wenig damit zu tun, sich darüber lustig zu machen, sondern ist schlicht unrealistisch blöd.

Die Intention der Macher, bekannte Fernsehfiguren in einen Kinder-Actionfilm einzubetten, wird deutlich, aber die Umsetzung ist misslungen. Auch die Tatsache, dass viele Kinder Spaß an dem Film haben werden, kann die Mängel im Storyaufbau, in den Charakterisierung und dem uneinheitlichen Mix aus scheinbarer Realität und nicht deutlich gemachten Übertreibungen nicht entschuldigen (3/10).

Details
Ähnliche Filme