Ein kinospirituelles Erweckungserlebnis
Ein später und selbst für seine Maßstäbe sehr schwer zugänglicher Meisterstreich von Tarkovsky. Über einen russischen Intellektuellen in Italien, der bei Nachforschungen über eine russische Komponistenlegende des 19. Jahrhunderts mit italienischen Lebensstationen in tiefe künstlerische wie menschliche Melancholie und Traurigkeit fällt…
Marmorstein & Glaube bricht
Sehr persönlich, sehr spirituell, sehr unterkühlt und sehr atmosphärisch, fast (alp-)traumgleich. Ein Film, den man fühlen kann und muss anstatt zu hartnäckig zu versuchen ihn zu verstehen. Kalt, katholisch, karg. Viele Grautöne, bildlich wie emotional. Ein Meister bei der Arbeit, da gibt’s keine zwei Meinungen zu. Tarkovsky ist und bleibt eine der ultimativen Messlatten des Kinos. Höchst anstrengend und zäh, könnten manche meinen. Ich war gebannt und wurde von diesem lethargischen Launenspiel förmlich eingesogen. Jedes Bild (passend zum Subjekt) ein Gemälde. Jeder Kameraschwenk präzise wie ein Skalpellschnitt. Jeder Blick durchdringend. Jedes Thema mehrdeutig. Jeder Satz weise. Jede Beziehung in sich rund und doch mysteriös genug. Menschlich, meta, metaphorisch. Makellos in seiner Form. Mutig in seiner Sperrigkeit. Depressiv und kraftziehend weit über die Leinwand hinaus. Aber in der richtigen Stimmung kann das passen, funktionieren und einen enormen, zeitlosen Eindruck dalassen. Und das hat „Nostalghia“ gestern Nacht bei mir. Es läuft mir immer noch eiskalt den Rücken herunter. Manchmal wagte ich es kaum Luft zu holen, so dermaßen einnehmend bis einschüchternd waren Bilder, Stimmungen, Stilgemälde. Das höhlt dich aus. Das zieht dich mit. Das macht sich nackt. Und das zerfleischt sich köstlich. Ein Erlebnis. Einzigartig gut. Das konnte so nur Tarkovsky. In der kompletten Geschichte des Films. Riesengroß. Vollkommen. Bedingungslos. Kompromisslos. Beinhart.
Fazit: einer der strengsten und klarsten Tarkovskys… erdrückend gut. Legendär kalt. Majestätisch. Komplex. Massiv. Schnürt einem die Seele zu.