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BABYCALL beginnt mit einem kurzen Einblick in die Schlussszene und wagt erfolgreich das bekannte Experiment diese vorab zu zeigen ohne die Spannung zu nehmen. Die langsam ansteigende Spannung kommt dem norwegischen Psychothriller nicht abhanden, zu undurchsichtig ist das ganze Geschehen, und zu gut ist die Ein-Frau-Performance von Noomi Rapace, die den ganzen Film alleine trägt und meistert. BABYCALL erfindet das Genre nicht neu und wird die Sehgemeinde gewiss spalten da es auch logische Schwächen gibt. Ich kann jedoch nur von einem nervenzehrenden Psychothriller berichten, der mit dem Zuschauer und seinen Filmerfahrungen und -erwartungen gekonnt spielt und für verstörende rund 90 Minuten sorgt.

Die Story (OHNE SPOILER!) um Anna (Noomi Rapace) die sich mit ihrem kleinen Sohn Anders bedroht fühlt und eines Tages seltsame Geräusche aus dem Babyphone hört und diesen nachgeht (mehr soll nicht verraten werden) schafft jederzeit eine subtil bedrohliche Stimmung durch statische Bilder mit bedrohlicher Musik oder umgekehrt. Der Zuschauer wird oft in Erklärungssackgassen geschickt und völlig darüber im unklaren gelassen, ob es eine reale Bedrohung gibt, kommt diese von außen oder von innen, ist es eine bekannte oder unbekannte Person usw. Wem Sätze ihres kleinen Sohnes Anders zu seinem Freund beim betrachten seiner blauen Flecken wie „Sag nichts, das macht es nur noch schlimmer…“ nicht eiskalt über den Rücken laufen der sollte das Genre wechseln.

BABYCALL beginnt ganz bedächtig und ungeduldige Zeitgenossen werden zugegebenermaßen auf die Probe gestellt. Dazu kommen nordisch unterkühlte Bilder und eine Noomi Rapace die wie kaum eine Schauspielerin ihre Gefühle auf ihre Mimik transportieren kann. Wie sie agiert ist nicht übertrieben und jederzeit glaubhaft und wirkt authentisch. Hätte Ihre Rolle zum Beispiel eine Nicole Kidman mit ihrem Botox-Pfannkuchen-ewig-gleich-Gesicht gespielt wäre es ein ganz anderer eher durchschnittlich-mässiger Thriller geworden den ich von vorneherein gemieden hätte. Ihre relative Unverbrauchtheit und Wandelbarkeit konnte die 33-jährige Schwedin ja schon in der sie bekanntmachenden MILLENNIUM-TRILOGIE und auch zuletzt auch in PROMETHEUS als Ripley 2.0 beweisen.

Das Ende ist ein genretypischer Twist sondergleichen und wirft bei erfahrenen Sehern sofort hier nicht genannte Parallelen zu Klassikern auf. Ein wenig mehr Straffheit in der Handlung und die ein oder andere logische Schwäche verzeihe ich dem Psychothriller der den Namen tatsächlich verdient hat. Blockbuster-only Thrillerfans die bekannte Gesichter, leicht nachzuvollziehende Handlung oder Action brauchen sollten BABYCALL meiden. Eine Enttäuschung wäre vorprogrammiert. Filmfreaks mit Hang zu nordischen und Indiefilm-angehauchten Mindfuck-Filmen die gerne noch lange nach dem Film diskutieren und nach Erklärungen suchen, sowie ihn noch mehrmals zurückspulen um das Ende zu verstehen sind bei BABYCALL genau richtig aufgehoben.

7/10 blauen Flecken....äh,....Punkten

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