Review

Filme zum Mitraten sind super, denn gerade wenn es um die Beiträge im so genannten Mindfuck Bereich geht, sind alle erdenklichen Lösungen möglich, auch die, welche im Grunde wenig Sinn ergeben. Schade ist in dem Kontext nur, wenn der Twist frühzeitig nahe liegend ist und der Weg dorthin etwas umständlich eingeschlagen wird.

Anna (Noomi Rapace) zieht mit ihrem achtjährigen Sohn in die Wohngegend eines anonymen Plattenbaus, nachdem ihr Ex versuchte, den Jungen aus dem Fenster zu katapultieren. Aus Angst vor Kontrollverlust legt sie sich ein Babyphon zu, auf dem sie eines Tages Störfrequenzen eines anderen Babyphons wahrnimmt. Wird irgendwo in ihrer Nähe ein Kind gequält oder sind dies nur Wahnvorstellungen infolge eines Traumas?...

2005 machte Autor und Regisseur Pål Sletaune mit dem überraschend guten „Next Door“ von sich reden, seither ist es jedoch still um ihn geworden. Sein als Psychothriller angekündigter Streifen schlägt zwar eine thematisch ähnliche Richtung ein, gleicht jedoch eher einem beklemmenden Drama, welches sich viel Zeit für seine ambivalenten Figuren nimmt.

Anna wirkt von vornherein wie ein psychisches Wrack, mit leicht psychotischem Verhalten, vielen Unsicherheiten, übertriebener Mutterliebe und mangelnder sozialer Integrität. Als sie den Elektrofachverkäufer Helge (Kristoffer Joner) kennen lernt, ist eine Beziehung von vornherein zum Scheitern verurteilt, zumal auch Helge Zeit seines Lebens unter dem Druck seiner Mutter stand, welche nun im Hospital künstlich beatmet werden muss. Sohn Anders ist hingegen zwar aufgeschlossen, jedoch auch launisch, er wirkt leicht isoliert von der Außenwelt, obgleich er die Angst gegenüber seinem Vater nicht mit Anna teilt.

Über die Vorgeschichte erfährt man lediglich Andeutungen, erst zum Ende werden durch den Twist Details offenbart. Leider ist eben jener Kniff frühzeitig abzusehen, da die eine oder andere Szene aus der Sicht eines Dritten widergespiegelt wird und schon allein deshalb überdeutliche Hinweise setzt. Demgegenüber versucht man im Mittelteil zu viele falsche Fährten zu setzen, was eine Weile unnötig Verwirrung stiftet, zumal einige Aspekte unlogisch erscheinen und auch bis zum Ende nicht sinnvoll ins Gesamtbild integriert werden können.

Noomi Rapace reißt mit ihrer grandiosen Performance so einiges raus und auch Kristoffer Joner agiert sehr überzeugend, doch über diverse Schwachstellen der zuweilen lahmen Erzählweise können auch sie nicht ankämpfen. Es mangelt an spannenden Höhepunkten, atmosphärisch mitreißenden Passagen und auch an Abwechslung. Denn obgleich die bedrückende Stimmung und die Isolation der jeweiligen Figuren gut transportiert wird, so tritt man inhaltlich zu lange auf der Stelle.

Sletaune verlässt sich zu sehr auf den finalen Twist und vermag die Spannung bis dorthin kaum zu steigern, während der finale Akt zwar kurzfristig das Tempo anzieht, danach jedoch fast schon zu viele Erklärungen liefert, die der geübte Genrefan schon längst nicht mehr benötigt.
„Babycall“ ist kein uninteressanter Streifen, doch einer, der bis zum Finale etwas mehr Intensität und Bewegung benötigt hätte, um vollends zu überzeugen.
5,5 von 10

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