Sydney, Australien: die erfolgreiche Edelprostituierte Holly (Viva Bianca) will, nachdem sie viel Geld gespart hat, aus ihrem Job aussteigen und nimmt einen letzten Auftrag für einen wohlhabenden Kunden an. Dieser will einen Dreier und nachdem die eigentlich Vorgesehene in der Dusche stürzt, sucht sie Ersatz. Parallelhandlung: die 17-jährige Shay (Hanna Mangan-Lawrence) kommt mit dem Bus in der Stadt an und will sich als Prostituierte versuchen. Doch schon ihr erster Job (sie holt einem Freier während dieser fährt einen runter und dieser verursacht vor Aufregung prompt einen Auffahrunfall) endet nicht schön und auch ihr zweiter Job verschafft ihr Ärger mit einer anderen Nutte und deren "Beschützern". In dieser Situation läuft sie Holly in ihrem Taxi vor die Motorhaube und Holly "engagiert" Shay für 300 $ als zweite Frau für den Dreier. Ängstlich, aber verlockt durch das Geld, steigt Shay zu ihr ins Auto. Der Auftrag an sich ist harmlos, allerdings wird der Freier im Hotelzimmer erschossen und die beiden Ladys wurden Zeugen. So beginnt eine nervenaufreibende Hetzjagd quer durchs nächtliche Sydney.
Jon Hewitts "Exit - a Night from Hell" wurde 2010 on location gedreht und erschien vor kurzem hier auf DVD. Von Jon Hewitt kannte ich nur "Die Erpresser" von 2008, der mir sehr gefiel. Und so musste ich nicht lange überlegen, mir seinen neuesten Film zu holen! Und erneut wurde ich nicht enttäuscht - "Exit" entpuppte sich als spannender, düsterer, sehr gut gespielter Thriller, der mit minimalen Mitteln maximale Effekte erzielt.
Klar, die Story ist grundsätzlich nicht so originell und die meisten männlichen Figuren (bis auf den Taxifahrer und Hollys anfänglichen Sexpartner) sind entweder gewalttätig, heruntergekommen oder abstoßend (oder alles gleichzeitig), aber die beiden Hauptfiguren, v. a. Shay, die in das ganze Geschehen mehr zufällig hineinstolpert, sind einfach Charaktere, mit denen man mitfiebert und denen man etwas Gutes wünscht. Zudem schafft es Hewitt trotz der Budgetrestriktionen, stilvolle Bilder zu schaffen und mit einfachen Mitteln (wie Splitscreen) Spannungen und Stimmungen einzufangen.
Und das dies kein typischer Hollywood-Film ist, merkt man nicht nur an der Nacktheit, der Rauheit der Story, sondern auch am nicht so behaglichen Ende.
Getragen wird dieser kleine, schmutzige und doch stylische Thriller von den zwei Darstellerinnen: Viva Bianca als starke, attraktive Holly, die ein neues Leben in Paris anfangen möchte und sich, nach 15 Jahren in diesem Job, zu wehren weiß und Hanna Mangan-Lawrence, die geradezu beunruhigend hübsch ist und so fragil und überwältigt wirkt, dass Holly sie gewissermaßen im Laufe dieser einen Nacht "adoptiert" - sie nimmt sie am Ende des Films immer bei der Hand und lässt sie nicht mehr los. Beide Frauen verbindet, dass sie ihr Leben verändern wollen und müssen: Holly hat genug nach langen Jahren als Nutte, Shay hat ihre drogenabhängige Mutter verloren und wollte nicht beim Stiefvater bleiben.
Und zum Glück brauchen diese Frauenfiguren auch nicht Männer, um sich zu behaupten - lediglich der Taxifahrer, der Shay so mag, bietet Hilfe - sonst sind sie allein.
Trotz einiger Mängel bei der Charakterzeichnung der Nebenfiguren und der etwas standardmäßigen Ausgangssituation (gibts einen Film, in dem der "letzte Job" mal glimpflich abläuft?), ist Jon Hewitt ein spannender, fieser und bewegender kleiner Thriller gelungen. Schon wieder ein guter Film aus Down Under! 8 von 10.