Review

Autor, Regisseur und Darsteller Kim Sønderholm scheint sich so langsam auf die leidenden Typen mit tiefem Trauma einzuschießen, deren Figur er selbst spielt.
Bei „Craig“ von 2008 hat das nicht sonderlich gut funktioniert und auch hier fehlt ihm das Gefühl für Charaktertiefe und spannende Momente.

Cop Frank (Sønderholm) ist maßlos überarbeitet, als er heimkommt, die ungesicherte Dienstwaffe auf dem Tisch liegen lässt, mit der sich kurz darauf sein kleiner Sohn erschießt.
Daraufhin rutscht Frank ab und landet im Sumpf des Verbrechens, wo er für einen gewissen Holger arbeitet und Auftragsmorde erledigt. Doch irgendwann denkt Frank ans Aussteigen, während die Helfer des Bosses ein prüfendes Auge auf ihn geworfen haben…

Das schwere Schicksal mit dem Unfalltod des Sohnes, der abgehauenen Frau, dem Alkoholproblem und dem Abstieg ins Killer-Milieu ist eigentlich eine aus gute Voraussetzung, um einen knallharten Rächer zu zeichnen, der außer sich selbst nichts mehr hat.
Doch leider besteht der Typ hauptsächlich aus Lethargie und den Besuchen einer Prostituierten, zu der er wahre Gefühle hegt. Nichts mit unbarmherzigen Vorgehen oder gar makaberen Sprüchen, - hier und da ein paar kurz gehaltene Hinrichtungen und weiter zur nächsten, meist in grauen Tönen gehaltenen Lokalität.

Dabei springt der Funke zu keiner Zeit über, die Handlung treibt ohne Ziel und Höhepunkt vor sich hin, zudem mangelt es an Tempo, Action und Atmosphäre.
Mal ein wenig entblößte Oberweite, dann ein Besuch bei den Cops, eine merkwürdige Kamera nah an den Gesichtern und dann mal wieder eine Besprechung beim Gangsterboss, der sich klischeebedingt stets mit halbnackten jungen Damen umgibt.
Als Frank endlich den Plan fasst, sich an der Meute von Holger zu rächen, beschreiten wir bereits die letzten zehn Minuten der Geschichte, die zumindest zum Finale noch ein wenig Tempo aufkommen lässt.

Zuweilen hat man den Eindruck, dass Sønderholm reichlich selbstverliebt zur Tat schreitet, denn er selbst zeichnet fast schon ein Portrait seiner Hauptfigur, jedoch ohne ihr allzu nahe zu kommen. Dazu gesellen sich die vielen ruhigen Momente, bei denen stille Musik erklingt und kaum gesprochen wird, - und wenn es auch nur ein zusammengefasster Abend unter hartem Alkohol ist.
Zwar ist man größtenteils von den Beweggründen Franks überzeugt, doch bis der erst einmal in die Gänge kommt, hat man das Interesse an seiner Figur schon fast verloren.

Problematisch ist bei diesem Streifen primär seine Ereignislosigkeit, die Unentschlossenheit und die Bewegungsarmut.
Das Ganze ist nicht übel gespielt, handwerklich weitestgehend solide eingefangen, doch die Geschichte des gebrochenen Mannes, der zur falschen Seite gewechselt ist, impliziert zu wenig Spannung und noch weniger Action, denn die beschränkt sich auf wenige Schusswechsel und zwei kleine Prügeleien.
Da fällt der Zugang von vornherein schwer und diese Distanz zeichnet sich rasch an der Teilnahmslosigkeit des Betrachters ab, dessen Erwartungen allenfalls während der finalen Minuten, inklusive kleinem Twist erfüllt werden, - definitiv zu wenig, um als brauchbare Mischung aus Drama und Thriller durchzugehen.
3,5 von 10

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