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Der Pontifex Maximus als Mensch mit einem Zuwendungsdefizit?

"Habemus Papam" ist die lateinische Kurzform (in etwa: "Wir haben einen Papst") der im Original etwas längeren Verkündung eines neuen Stellvertreters Christi auf Erden. Wäre dieser Film ca. 18 Monate später erschienen wäre es das beste Timing der Welt und man hätte tatsächlich "göttliche Fügung" in Betracht ziehen sollen. Aber auch so unterhält die Tragikkomödie aufgrund ihres ruhigen und aus neutraler Sicht respektvollen Umgangs mit den katholischen Würdeträgern.

Ich hoffe ihren Anhängern geht es auch so. Ich habe mich gut unterhalten, auch wenn ich nicht Unterstützer der Kirche bin. Wer einen überwiegend komödiantischen Zugang zu dem interessanten Thema sucht, sollte Vorsicht walten lassen. Der deutsche Untertitel “Ein Papst büxt aus” suggeriert nämlich wie so oft irreführend einen primär humoristischen Schwerpunkt den der Film gar nicht hat. Zum Glück nicht, den ein einfaches Lustigmachen über die Religion und ihre Funktionäre wäre viel zu einfach.

HABEMUS PAPAM kommentiert auch grundsätzlich nicht ein pro oder contra Religion, sondern möchte die Menschen hinter dem Amt und ihre Gefühle näher bringen. Dies tut der Film natürlich ohne Anspruch auf irgendeinen historischen oder persönlichen Bezug in einer fiktionalen Geschichte. Natürlich gibt es auch humoristische Szenen und gerade in den ersten Minuten erleben wir eine schöne Szene der Kardinäle bei einem Stromausfall, und ich glaube mich zu erinnern, dass ausrechnet der deutsche Kardinal Brummer sich hingelegt hat.

Nie ist der Blick aber verächtlich oder zynisch auf die Würdenträger, sicherlich gibt es einige Spitzen, aber diese sollten auszuhalten sein. Auch wenn die italienische Bischofskonferenz zum Boykott des Films aufgerufen hat. Eine bessere Werbung gibt es wohl nicht. Dies ist verpackt und kombiniert mit einigen authentischen Bildern vor und nach Papstwahlen. Vor allem erleben wir aber eine grandiose Altersvorstellung des Ende achtzigjährigen Michel Piccoli, der dem Papst wirklich in grandioser Weise ein menschliches Antlitz gibt.

Oft erwischt man sich mit breitem Schmunzeln aufgrund der wendereichen Handlung, aber es gibt wie gesagt zum Glück kaum Schenkelklopfer oder Humor mit dem Dampfhammer. Der Grundton ist angenehm melancholisch und auch das Ende lässt den Zuschauer eher nachdenklich als im absoluten Feelgood-Movie Modus zurück. HABEMUS PAPAM hat ganz bewusst keinen inhaltlichen Konfrontationskurs in irgendeiner Weise eingeschlagen, damit hätte sich der italienische Regisseur auch viel einfach einer bewährten Hetzjagd ausgesetzt.

Wer also auf eine Abrechnung mit der Kirche setzt ist hier auch fehl am Platz. Man mag den Film gerne als "schal", "langweilig", "bieder" oder "brav" bezeichnen. Aber ich finde bei aller notwendigen systemischen Kritik das Thema des Films angemessen umgesetzt. Es sei noch erwähnt, dass der im Film auftretende Psychotherapeut Nanni Moretti auch der Regisseur des Films ist. Für Freunde ruhiger und nachdenklicher Dramen und erst Recht für Fans von Michel Piccoli möchte ich eine klare Empfehlung für HABEMUS PAPAM aussprechen.

6,5/10 Papas....äh,....Punkten

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