In Ausgangspunkt und Ausgestaltung gar nicht mal uninteressante C - Action im australischen Umfeld, dass als Debüt eines gewissen Gregory McQualter und dessen Willen mit Schlips und Anzug und zugleich großsprecherischer, möglichst internationaler Attitüde funktioniert. Sollte es nach der Ansicht seines Aspiranten nur der Startschuss einer langlebigen und in nächster Zukunft vielzähligen Karriere von gleich ein Dutzend selbiger Werken sein, so kann man dem Beginn zumindest die geeigneten Ideen in hier und da adäquater Ästhetik sowie die übernommene Philosophie aus dem Handbuch ähnlich gelagerter Genrearbeiten statuieren. Zudem ist das doch bescheidene Budget von ca. 2,3 Mio. USD für die richtigen showcase - Zwecke und mit dem (An)Schein nach Mehr, wenn auch hier und da doch deutlich sichtbar preiswerten und entsprechend miserablen Effekteinsatz inszeniert. "The Next Bruce Lee", oder doch eher nicht:
Zhou [ Zheng Liu ] ist im Auftrag des Triadenbosses Steven Ho [ Jimmy Wong ] in aller Herren Länder unterwegs, um die Konkurrenz des Drogengeschäftes möglichst effektiv auszuschalten. Als sich Ho zu Steigerung von Produktivität und Gewinn mit dem Kolumbianischen Kartell um Cabrera [ Alexander Castro ] anlegt, wird prompt sein Bruder Eddie getötet und die Schwester Angie [ Masson Ge ] entführt, was die Spirale der Gewalt bald in ungeahnte Höhen und selbst in die kirchliche Heiligkeit eines Gelehrten Mönches [ Gordon Liu ] treibt.
Die Richtung liegt dabei natürlich und für den speziellen Verfechter auch hilfreich in der Akzeptanz beim vergangenen Hong Kong Kino. Dem Nachtrauern oder gleich -weinen nach der nunmehr verblassten Blüte urbaner Großstadtthriller mit Aufmerksamkeit auf dem vielfältigen und jeweils ruppigen Austausch von Schusswechseln und Kampfeinsätzen; eine Beimischung der späten Siebziger bis in die frühen Neunziger, die ihren Höhepunkt gerade in den Achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, ja des vergangenen Jahrtausend in unzähligen bis unüberschaubaren Vertretern der Gattung ihren Lauf nahm. Debütant McQualter, der in Interviews ausdrücklich diese Brücke der Inspiration von Enter the Dragon als doch noch leicht anders gearteter Vorläufer bis zu Kiss of the Dragon als eher europäischer Nachruf schließt und betont, orientiert sich im Setting und in der Geschichte selber durchaus an diesem einst gegenwärtigen, auch in der Masse langanhaltenden, nunmehr vergangenen Augenblick. Die Mär vom Killer, der sich gegen den Auftraggeber stellt und so als Ein-Mann-Armee in den Gangsterkrieg gerät, stellt hierbei allerdings nur den Ansatz für schon mehr als das nur Übliche dar.
Denn anders als Konsorten, die im angesichts von etwaig unschuldigen Zielpersonen und/oder dem plötzlichen Eintreten von diversen Skrupeln den Weg der späten Reinigung gehen, ist der Namenslose hier so gar kein Sympathisant oder überhaupt die emotionale Kraft im Geschehen. Die eigentliche Herkunft und das Auf- bzw. eher Absteigen in das Geschäft des Tötens werden in sich wiederholenden Rückblenden (einem Familienmassaker, die erste Übertretung der Gewalt noch in der friedlichen Existenz einer Shaolinschule) anskizziert, aber niemals überdeutlich zum Ausdruck gebracht. Den Teil kann man sich denken und als versuchte Charakterisierung und Motivation sicherlich nachvollziehen, wenigstens innerhalb der Regeln des Genres, der Rest ist dann aber schon etwas über den ungeschriebenen Gesetzen von Antagonist und Protagonist hinaus. Zhou macht außer diversen Tötungsaktionen, die ähnlich unfertig auch in die Geschichte integriert und wie als Lust aus der Laune heraus strukturiert sind, eigentlich gar nichts Großartiges an Bewand. Man ernährt sich von Zigaretten und Alkohol, streift durch die Gegend, zumeist die Hinterhöfe und Seitengassen in dunkelster Nacht und sinniert; wenn denn nicht aus Heiterem Himmel in diverse Raubüberfälle, Vergewaltigungen oder Misshandlungen eingegriffen und die High Heels geschundener Damen gerettet wird.
Auch die Actionszenen wirken derlei improvisiert und dadurch schon wieder interessant, selbst durch das unpassend eingesetzte wirework durch HK Export Jack Wong Wai-leung; ist die Kamera mal zu dicht dran, mal zu weit weg, folgt anschließend ein heilloses Durcheinander voll Aussetzer im Schnitt, in der aber die Fähigkeiten der Kontrahenten auf jeden Fall in den Einstellungen selber ersichtlich sind. Keine Montage ähnelt der anderen, befindet man sich mal direkt im Geschehen, um anschließend wieder wie unter der Dunstglocke durch Nacht und Nebel und Halluzination zu mäandern. Eine Identifikation wie sein Geschehen; Krude, rau, und sinnentleert und zudem bunt mit allerlei Insignien und angereichert wie in Vorwegnahme der Sleeping Dogs (VG) Materie. (Final erfolgt gar noch ein "Game over" Zitat.)
Sowieso großteils besetzt mit zwielichtig scheinenden Türstehern und anderen schlecht und veraltet frisierten Anabolika-Stereotypen, die die breite Brust und die angeschwollenen Arme und die Dauer - "fucks" im Schatz der Kommunikation offen präsentieren, macht Erstdarsteller Zheng Liu da zwar noch die (optisch) beste Figur, setzt sich im Gebaren und sonstigen Poser-verhalten aber überhaupt nicht davon ab. Schergen werden mit Vorankündigung aus dem Weg und in dem Müll oder gleich den Hades hinein bugsiert, bereits Wehrlosen die Waffe gezeigt und dann in den Rücken oder das Gesicht weggeschossen und überhaupt keine Gefangenen, selbst keine Mühe zur Rettung der eigentlich gefährdeten Entführten oder eine andere spürbare Regung gemacht.
Ein trockener, und gleichzeitig dreckiger, versiffter, nihilistischer Ton, der durch das angeberischer Protzen von diversen Schauplatzwechseln von Shanghai, nach HK, nach Miami, nach Sydney, und wieder zurück plus allerlei kapitalistischen Prunk- und Ausstellungsstücken wie Yachten, Sportlimousinen, Villen mit Pools den gleichso groben Gegenpol und gleich daneben oder darin die halbnackt Laptänzerinnen oder offenherzig schwingenden Silikonbrüsten präsentiert. Das bisschen versuchte Adelung durch die einzig bekannten Namen von Gordon Liu in einer kurzen Altersrolle und Armando Christian Pérez a.k.a. Pitbull as himself in einem noch kürzeren und noch banalerem Cameo hilft durch sein bemühtes Heischen um Akzeptanz für den Großmarkt da Draußen in diesem Hort aus Gewalt und Poserei und immerhin schick gefilmten Nichtigkeiten bei weitem nicht, tatsächlich Glanz in die Hütte zu bringen.