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Frei nach dem Motto „Was du anderen antust, fällt doppelt auf dich zurück“, hat sich Amateurfilmer Sebastian Zeglarski mal so richtig ausgetobt und eine Splatterorgie veranstaltet, die einer überaus makaberen Geisterbahnfahrt gleicht.
Leider bietet das Ganze nicht mehr als eine Aneinanderreihung mehr oder minder passabler Gewalteinlagen ohne nennenswerte Handlung oder gar Tiefgang, - der ist eher in den Körpern der Malträtierten zu entdecken.

Ein Mann durchlebt einen merkwürdigen Traum: Er erkundet ein Labyrinth aus Plastikfolien und wird dabei Zeuge, wie Menschen auf verschiedene Art und Weise gefoltert oder getötet werden. Doch dann schlagen die Opfer blutig zurück…

Das Problem bei der Konzeption ist, dass pure Gewalt nach einiger Zeit abstumpfen lässt, sofern keine Figur mit minimaler Persönlichkeit leidet, jemand, zu dem man zumindest noch vage einen Bezug aufbauen kann, etwa wie im Fall „Guinea Pig“.
Doch hier spricht niemand ein Wort, der Mann mit weißer Plastik-Schutzkleidung grummelt und brummt lediglich, während einige Schreie im Hintergrund vom Tonband kommen.
Die austauschbaren Opfer müssen schlichtweg anwesend sein, um für die breite Palette an Sudeleien herzuhalten.

Zugegeben, da gibt es im Independentbereich schwächere Qualitäten, doch einige Blutfontänen weniger hätten für mehr Glaubwürdigkeit gesorgt und auch die verschiedenen Imitate an männlichen Gliedmaßen möge man beim nächsten mal doch bitte ein wenig anatomisch korrekter modellieren und nicht wie einen Sandkuchenturm mit Loch in der Mitte oder eine geriffelte Bockwurst mit schwarzem Kopf.
Und wenn schon Tabus gebrochen werden müssen, indem ein Baby mit dem Hammer erschlagen wird, sollte der Dummy nicht unbedingt wie eine gebrauchte Puppe vom Trödelmarkt aussehen.

Ansonsten wird hier pausenlos gehämmert, zerstückelt, gesägt, zugeschlagen und gestochen, bis das Kunstblut spritzenderweise auf dem Objektiv landet. Wenn Nägel in einen Rücken geschlagen werden, ein Hackebeil in Beinen und Schulter landet oder die Bohrmaschine mehrfach im Oberschenkel angesetzt wird, lässt sich an dieser Stelle von überzeugenden Effekten sprechen, die mit etwas mehr Sorgfalt in Szene gesetzt sind.
Anders verhält es sich mit einem gebrochenen Arm, dessen Knochen grün schimmern oder dem Kopf welcher von zwei großen Steinen zertrümmert wird und der aufgrund der leicht verrutschten Kameraperspektive zu deutlich als Gummiattrappe auszumachen ist.
Insgesamt können sich die Gewalteffekte jedoch sehen lassen, zumindest für eine Produktion mit minimalem Budget.

Da keine wirklichen Figuren vorhanden sind, niemand einen Namen erhält und auch keiner spricht, könnte man die darstellerischen Leistungen glatt außen vor lassen, doch auch diese tragen dazu bei, inwieweit Splattereinlagen glaubhaft erscheinen.
Denn wenn sich jemand beim kräftigen Hieb mit einer schweren Eisenkette nur dahingehend ein wenig verärgert äußert, ist das nicht so authentisch, als würde selbige Person vor Schmerz laut aufschreien und um Gnade winseln. Soll heißen: Hätten die Amateurdarsteller mit mehr Inbrunst gelitten, wäre die Chose tatsächlich überzeugender ausgefallen.

Dazu trägt der eindimensionale Score mit seinen drei Themen natürlich auch bei, der mit veralteten Synthesizern eingespielt wurde, zumindest was die Drums betrifft.
Etwas mehr Engagement und Abwechslung, vielleicht auch mal eine Fläche oder ein Lead-Sound hätten an dieser Stelle ebenfalls Verbesserungen des Gesamtergebnisses herbeigeführt.

Aber das ist nur ein minimaler Aspekt eines rundum nicht zufrieden stellenden Gesamtwerkes. Gut, Zeglarski hat gezeigt, dass er Effekte verschiedener Art basteln kann, was als Bewerbungsvideo an einen Independentfilmer unterster Kajüte durchaus Wirkung zeigen könnte, doch als Film zum Mitfiebern, Ekeln oder gar Aufregen ist das Werk wahrlich nicht geeignet. Im Gegenteil, nach zwanzig Minuten hat man eigentlich schon alles Wesentliche gesehen, die schlichte Pointe ist nur notwendiges Übel und aufgrund nicht vorhandener Dramaturgie verfolgt man die zweite Hälfte des Geschehens eher im Dämmerzustand des einseitigen Blutrausches…
3,5 von 10

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