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Steve Carell greift nicht immer zu den besten Rollen und hat uns schon furchtbare Komödien wie "Dinner für Spinner", "Evan Allmächtig" oder "Date Night" präsentiert. Das ist wirklich schade, denn er ist ein wirklich guter und vor allem sauwitziger Schauspieler, was er schon u.a. im überragenden "Little Miss Sunshine" bewiesen hat. Als ich das Cover von "Crazy, Stupid, Love" gesehen habe, erwartete ich mal wieder eine typische Komödie nach Schema F. Doch als ich noch kurzfristig vorher erfahren habe, dass Ryan Gosling und die wunderbare Emma Stone auch mitspielen, steigerte das meine Vorfreude ein wenig, obwohl ich auch angst hatte, diese Beiden in einer möglichen schlechten Komödie zu sehen. Doch diese Ängste waren schon nach 10 Minuten wie weggewischt, denn eigentlich ist "Crazy, Stupid, Love" gar keine richtige Komödie, sondern eher ein Liebesdrama mit witzigen Momenten. Steve Carell läuft auch hier zwar nicht ganz zur "Little Miss Sunshine" Form auf, dafür sind die Nebendarsteller die größte Stärke im gesamten Film. Witzige Filme mit ernsten Hintertönen laufen oft Gefahr, ein Schleudertrauma zu erleben und man bekommt bei vielen Vertretern dieser Art oft das ungute Gefühl, dass der Film dann nicht weiß, was er nun mehr sein möchte : Komödie oder Drama? "Crazy, Stupid, Love" schafft diesen Spagat und überzeugt sowohl als Komödie, als auch als gefühlvolles Dramas um das giftigste Gift der Welt : Liebe.

Cal und Emily sind seit fast 25 Jahren verheiratet und lieben sich bereits seit der High School. Plötzlich möchte Emily aus heiterem Himmel die Scheidung und beichtet Cal zudem noch, dass sie mit einem anderen Mann fremd gegangen ist. Für Cal bricht eine Welt zusammen, denn auch sein einstig guter Freund Bernie bricht den Kontakt zu ihm ab, da er und seine Frau eher nur den Kontakt zu Emily aufrecht erhalten wollen. So versickert Cal in einer Bar und versinkt in Selbstmitleid, denn für ihn ist klar, dass es nie eine andere Frau geben wird als Emily. Doch dann lernt er den gut aussehenden Jacob Palmer in der Bar kennen, der sich eine Tussi nach der anderen schnappt und sie verführt. Er möchte aus Cal wieder einen richtigen Mann machen und lehrt ihm das sogenannte "Tussi aufreißen". Doch vorher braucht er eine optische Rundumerneuerung, denn Cal hatte bisher nie etwas mit einer anderen Frau, da Emily stets seine einzige Nummer 1 war. Aber nicht nur Cal hat mit Problemen zu kämpfen. Auch in Jacob schlummert eine interessante Seele, denn er lebt nicht ohne Grund in diesem Stil. Dann gibt es da noch Hannah, angehende Anwältin und eine der wenigen Frauen, die Jacob hat abblitzen lassen. Doch als sie mit ihrer momentanen Lebenssituation nicht mehr zufrieden ist, begibt sie sich auf die Suche nach Jacob.

Der Film ist kein Meisterwerk. Er ergreift auch keine wahnsinnige Eigeninitiative wie "Punch-Drunk Love" oder glänzt durch eine One-Man-Show wie "Reign Over Me". Es ist einfach von Allem ein bisschen was dabei. Die Story wechselt immer in der passendsten Situation den Schauplatz und zeigt uns nicht nur eine einseitige Sicht der Dinge. Wir bekommen nicht nur Cals Problem mit der Scheidung zu sehen, sondern auch, was so eine Scheidung mit allen Beteiligten der Familie macht. Sogar mit dem Kindermädchen. Natürlich braucht man hier nicht auf den typischen Steve Carell Humor zu verzichten, denn besonders in der Anfangsphase (Auto-Stunt z.B.) bekommen wir viele Lacher geboten. Erst später, wenn der Film hinten raus zu lang gezogen wirkt, kommen ein paar zu platte Schenkelklopfer, die sich aber wirklich lange gut versteckt gehalten haben. Wenn dann Ryan Gosling und Emma Stone ins Geschehen eingreifen, gibt es eigentlich kaum noch ein Halten und der Film durchfährt eine atemberaubende Gefühlsstrecke der Sonderklasse. Es gibt besonders eine unglaubliche Wendung im Film, die man überhaupt nicht voraus ahnt und solche überraschenden Twists sind in Dramödien ja eher selten. Zumal dieser Twist nicht unglaubwürdig wirkt und nach paar Minuten Nachdenken sogar großen Sinn ergibt. Schade nur, dass das Ende dann zu so einem 08/15 Quark verkommt, wo das Ganze noch mit einer unglaublich lahmen Rede von Steve Carell völlig bodenlos zu Ende geführt wird, quasi so als hätte der Film die Pflicht gehabt, solch ein schmieriges Ende zu produzieren. Es gab in dem Film eine wunderbare Stelle, wo ich mir schon fast gewünscht hätte, dass die End-Credits nun erscheinen, denn das hätte den Film wirklich einzigartig gemacht und eventuell sogar den nötigen Freiraum für eine Fortsetzung gelassen.

Steve Carell spielt den verbitterten Cal wirklich sehr überzeugend und vor allem mit dem von ihm bekannten Charme. Sein handeln ist in den meisten Fällen sehr nachvollziehbar und besonders die Dialoge mit Ryan Gosling (Stichwort Sauna) sind zum brüllen komisch. Ryan Gosling hingegen ist nicht nur optisch ein traumhafter Hingucker, sondern auch schauspielerisch ein absoluter Oberkracher. Der erfolgreiche Arthouse-Darsteller ist ja längst schon in der oberen Liga angekommen und stellt das hier, in der Rolle als Macho Jacob, vollkommen unter Beweis. Wenn dann noch die grandiose Emma Stone als Hannah hinzu stößt, erreichen die Beiden die absolute Perfektion im Film und weder Steve Carell, noch die etwas zu überdrehte Julianne Moore können da mithalten. Auch ein kleines Lob geht an die junge Analeigh Tipton als Kindermädchen Jessica, die unsterblich in Cal verliebt ist, dessen Sohn allerdings wiederum Jessica vergöttert. Diese Konstellationen sorgen auch für viele witzige Momente, was natürlich auch an den tollen Jungschauspielern liegt, die allesamt eine beachtliche Leistung abgeben. Schade nur, dass sich Cals Sohn am Ende durch so eine abgedroschene Art "bekehren" lässt. Genau das Gegenteil des eigentlichen Ausgangs wäre hier die deutlich bessere Wahl gewesen. Einzige richtige Enttäuschung war Kevin Bacon, der hier gar nichts von seinem Können unter Beweis stellen kann und keinerlei fiese Aktionen in den Raum werfen kann, wofür er ja eigentlich bekannt ist. Wirklich bedauerlich, denn eigentlich deutete sich mit Kevin Bacon einiges an und man hoffte schon auf die ein oder andere fiese Auseinandersetzung mit ihm. Stattdessen taucht er nur ab und zu mal kurz auf, lässt paar Sätze da und verschwindet genauso schnell wieder.

Wer ein Fan von Steve Carell, Ryan Gosling oder Emma Stone ist wird bei diesem Film bestens bedient, auch wenn Gosling und Stone den armen Carell leider keinerlei Chance lassen und absolut hochkarätig schauspielern. "Crazy, Stupid, Love" hätte mit einem kleinen Feinschliff und einem anderen Ende etwas ganz Großes werden können. Richtig gut bleibt der Film aber trotzdem und sollte von keinem Genre-Fan verpasst werden.



Fazit : Nach "Little Miss Sunshine" der beste Film mit Steve Carell. Witzig, spritzig, gefühlvoll und grandiose Darsteller. Es fehlt nicht mehr viel, dann ist Emma Stone wahrscheinlich meine neue Lieblingsschauspielerin. Das verdaddelte Ende ist ärgerlich, aber verschmerzbar.


8/10

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