*** SPOILERWARNUNG ***
Milo ist kein Vorzeigesohn, hilft Mutti nicht im Haushalt und sagt ihr auch noch ins Gesicht, dass er ohne sie bestimmt besser dran wäre. Kann er haben, denn die Erzieherin wird kurz darauf gen den Mars entführt. Dort will man ihre Muttigkeit extrahieren, um diese in die für die weibliche Nachkommenschaft zuständigen Robo-Erzieher zu stecken, während ie männlichen Babys auf die Müllhalde landen. Milo will seine namenlose Mutter retten und findet den schon vor langer Zeit gestrandeten Gribble auf dem roten Planeten, man freundet sich mit der einheimischen Ki an und – es wird einfach nicht besser, wenn man darüber nachdenkt.
Es wundert nicht, dass „Mars needs Moms“ im Disney-Universum keine Rolle spielt. Die ganze Geschichte ist hanebüchen konstruiert und vieles ergibt hier wenig Sinn. Der ganze Aufbau und die hier ausformulierte Grundidee inklusive der marsianischen Gesellschaftsform, die ja das die Handlung auslösende Problem darstellt, funktionieren erzählerisch hinten und vorne nicht. Mitunter ungläubig mag man dieses Unglück neunzig Minuten über sich ergehen lassen.
Dazu sieht der Streifen auch noch unfassbar hässlich aus. Das mag jede/r anders empfinden, für mich versagt das Design auf so vielen Ebenen. Die Marsianer und -innen sehen abstoßend aus, da ist nichts Ansprechendes. Diese sowie die menschlichen Figuren wurden per motion-capture erfasst, das Ergebnis sind gruselig animierte Gesichter und verunstaltete Körper, da kotzt nicht nur die Robo-Katze. Das Valley ist verdammt uncanny hier. Auch die Umgebungen, von der Planetenoberfläche vielleicht mal abgesehen, bieten nicht viel. Glatt und leer, was sicherlich im Vergleich zur bunteren „Unterwelt“ den Gegensatz und die Kälte des technokratischen Matriarchats veranschaulichen soll. Für's Auge keine Freude.
Wie die Figuren, denn hier gibt es keine sympathischen Charaktere. Vielleicht Ki, aber die kann man sich kaum schmerzfrei ansehen. Gribble ist ein kompletter Drecksack, baut seinen Namen in Adjektive ein und tut erst einmal alles dafür, dass Milo mit seinem Rettungsversuch scheitert, damit er mit seinem neuen Kumpel abhängen kann. Und Milo selbst lässt sich wieder und wieder von seiner ach so wichtigen Mission ablenken, so wichtig ist das Ganze dann doch nicht. Am Ende zerballert er noch den gerade mitgenommen Müllbeutel auf der Veranda und saut diese ein, statt den Kram in die Tonne zu werfen. Nichts gelernt, der Depp.
Die Elternfiguren sind so in Stereotypen verhaftet, dass ich das zuerst für eine Satire hielt, aber letztlich eines Besseren belehrt wurde. Aber genauso hohl ist die ganze Soziologie auf dem Nachbarplaneten, man ist zu dumm für den Instinkt. Die Figuren denken und handeln bescheuert und bleiben durch die Bank egal bis ärgerlich. Wenn man Ende die Zielgruppe noch mit erstickenden Leuten traumatisieren wollte, hätte man auch gleich noch à la „Total Recall“ (1990) die Augen rausploppen lassen können. Enttäuschung überall.
Immerhin hat man so einiges an Zeit, sich allerlei Fragen zu stellen. Wenn diese Zivilisation so fortschrittlich ist, warum bleibt sie auf einem Planeten, auf dem sie nicht einmal atmen kann? Wie konnten sie sich so dort überhaupt entwickeln? Und warum scheint niemandem die Temperatur draußen etwas auszumachen? Warum zieht Milo im Haus seine Schuhe an, wenn er sich doch nur bei seiner Mutter entschuldigen will? Wie hat Gribble Jahrzehnte dort überlebt? Von was? Warum müssen die Programmierungen der robotischen Erzieher immer wieder mit neuer Muttigkeit versehen werden? Kann man „Software“ nicht kopieren? Wie kommen diese Babys in die Mars-Erde? Und warum gibt es zwei Geschlechter, wenn diese scheinbar gar keine Rolle spielen? Warum nimmt Milos Mutter das alles so locker hin? Was machen die Marsianierinnen den ganzen Tag außer von A nach B zu marschieren? Was ist das da überhaupt für eine Existenz?
„What the heck does that mean?“
Was machen Mütter? Essen kochen, Haus putzen, Klamotten waschen. Zumindest ist das Milos erster Erklärungsversuch gegenüber den Müllkippen-Marsianern, die er zunächst für Zombies hält. Aus welchen Gründen auch immer. Und es wird auch nicht mehr besser. Ein zurecht missachteter Beitrag der Disney-Studios. Blöde Geschichte, sieht furchtbar aus, macht keinen Spaß. Ein Film, wie ihn nicht einmal eine Mutter lieben kann.