Review

So eine Unterführung für Fußgänger hat schon etwas Unheimliches: Graffiti an den Wänden, undefinierbares Gekröse in den Ritzen und bei alledem sieht man nicht wirklich, was am Ende des Tunnels auf einen zukommen könnte.
Eine tolle Idee also für einen stimmungsvollen Horrorstreifen, doch der ambitionierte Independentfilmer Mike Flanagan wollte offenbar weitaus mehr als nur einen simplen Spuk von der Stange präsentieren, was bei einigen Zuschauern definitiv nach hinten losgehen dürfte.

Seit sieben Jahren ist Tricias Ehemann Daniel spurlos verschwunden. Nun ist es an der Zeit, ihn offiziell für tot zu erklären, wofür ihre jüngere Schwester Callie anreist, um beim Schreibkram zu helfen. Als Callie joggen geht und dabei in einer nahe gelegenen Unterführung auf einen bleichen blutverschmierten Mann trifft, ist dies erst der Beginn einer Reihe mysteriöser Vorkommnisse…

Flanagan hat sein Debüt mit etwa 70.000 Dollar Spenden auf die Beine gestellt, was man zwar der zuweilen etwas unsicheren Kamera anmerkt, nicht jedoch der Produktion als solcher, die sich recht stilsicher und phasenweise atmosphärisch gibt.
Auch positiv ist die Bemühung um Figurenzeichnungen der beiden Schwestern, doch damit fließen im Umkehrschluss eine Menge Dramenanteile ins Geschehen ein, welche die Erzählung phasenweise wie eine Meditation erscheinen lassen, wobei hier auch inhaltlich meditiert wird.

Seine stärksten Szenen hat der Streifen immer dann, wenn Visionen ins Spiel kommen, in denen der verschwundene Daniel auftaucht oder Callie durch den Tunnel joggt. Beinahe kryptisch wird angedeutet, was es mit dem Verschwinden gleich mehrerer Personen im Laufe der Zeit auf sich haben könnte und inwieweit ein Tauschhandel, eine Legende über ein dämonisches Insekt und verschwundene Haustiere involviert sind.
Doch leider bieten jene stimmungsvollen Elemente nur den Bruchteil der Geschichte, welche dann doch mehr wie ein Drama mit leichtem Grusel anmutet.

Trauerbewältigung ist ja irgendwo nachvollziehbar, doch nach sieben Jahren, zumal Tricia augenscheinlich einen Braten in der Röhre hat, sollte es auch mal genug sein, denn hier wird etwas zuviel gejammert, was im Übrigen nicht unbedingt zu Tricias Überzeugung mit dem Buddhismus passt. Auch verfällt die Erzählung oftmals in Lethargie und gönnt den beiden Schwestern schlicht zu viele Momente, ohne dass überhaupt etwas Relevantes eintritt oder auch nur in der Luft läge, wobei die nebenher ermittelnden Cops an Glaubwürdigkeit kaum zu unterbieten sind.

Hinzu gesellt sich eine auf Dauer tierisch nervige Sounduntermalung, welche lediglich aus tiefen Hüllkurven besteht und fast überhaupt nicht variiert und zudem oft lauter dröhnt, als die Dialoge.
Jene sollte man indes im Originalton verfolgen, denn die Synchro ist unter aller Sau und an falscher Betonung und Asynchronität kaum zu unterbieten, zumal die Übersetzung mit Wortneuschöpfungen wie „Drogenspecht“ mächtig geschlampt hat.

„Absentia“ kommt insgesamt nur schwer in Gang, deutet die Zusammenhänge des Unheimlichen nur vage an und überlässt vieles der Interpretationsfreudigkeit des Zuschauers, was per se ja nicht verkehrt ist.
Doch demgegenüber finden sich zu wenige gruselige Szenen, denn obgleich die Atmosphäre phasenweise ein wenig morbide und beklemmend ist, stellen sich zu keiner Zeit Gänsehautmomente ein.
Man hätte aus der Unterführung und der dort inne wohnenden Macht richtig viel herausholen können, stattdessen betreibt man elendig lange Trauerbewältigung, welche von wenig markanten Mimen gerade so tauglich verkörpert wird.
So bleibt am Ende kein besonders positiver Gesamteindruck.
4 von 10

Details
Ähnliche Filme