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Früher hießen solche Filme „Das Ding aus dem Sumpf“, noch früher „Der Schrecken vom Amazonas“, doch es gibt immer wieder Filmemacher, die mit Hybriden aus dem Sumpf ein Zielpublikum finden. Und immerhin: Das Aussehen des Monsters verströmt eine Aura zwischen Trash, Nostalgie und charmanter Schlichtheit.

Das Ungetüm in den Sümpfen Louisianas wird der Legende nach Lockjaw genannt und soll einst ein Inzestbruder gewesen sein, der ein Albino-Krokodil tötete und es mitsamt den Überresten seiner getöteten Schwester aufaß, woraufhin er zu einem halben Alligator mutierte. Dieser Legende wollen sechs Jugendliche um Niles nachgehen, doch in den Sümpfen scheint tatsächlich Unheimliches vor sich zu gehen…

Bei seinem Debüt setzt Regisseur und Autor Fred Andrews auf Klischeefiguren und ungewöhnlich viel nackte Haut, denn die erste Entblößte ist bereits nach 40 Sekunden im Bild und soll das erste Opfer der Kreatur werden, welche wiederum erst nach fast einer Stunde erstmals vollständig zu sehen ist.
Bis dahin werden die Figuren in lockerer Runde beim obligatorischen Zwischenstopp an der Hillbilly-Tanke vorgestellt und dabei scheinen die dubiosen Hinterwäldler um Sid Haig einiges im Schilde zu führen.

Die Kulisse des Sumpfgebietes bringt zwar ein wenig Atmosphäre ins Spiel, doch das deutlich zu lang geratene Vorspiel lässt schließlich merklich die Aufmerksamkeit weichen, zumal für geraume Zeit keine Bedrohung auszumachen ist. Ein wenig Kuscheln, Saufen und Kiffen am Lagerfeuer, debattierende Einheimische und ein latentes Grummeln im Hintergrund lassen kaum Spannung aufkommen und so ist erst im letzten Drittel ein wenig Leben in der Bude, als das Monster endlich zur Tat schreitet und die Hinterwäldler ihre wahren Interessen durchschimmern lassen.

Allzu blutig fällt das Schlachtfest letztlich nicht aus, obgleich sich die handgemachten Effekte sehen lassen können. Abgebissene Beine, ein paar recht harte Schläge und eine abgetrennte Hand sind so ziemlich alles was der Gorehound erwarten kann.
Darüber hinaus kaschiert das ordentliche Tempo im finalen Akt jedoch ein wenig vom schwachen Vorlauf, auch wenn am Ende ein paar recht ominöse Gegebenheiten ins Spiel kommen. Die finale Einstellung birgt einen erwartungsgemäß makaberen Beigeschmack und versöhnt hingegen Zuschauer, die etwas gegen ein rosarotes Happy End haben.

Darstellerisch wird ebenfalls erst im finalen Akt ordentliches Niveau geboten, denn in prekären Situationen performen die meisten Mimen recht überzeugend, nur „Bloodsport“ – Fighter Daniel Bernhardt ist als mit Latex ummanteltes Monster reichlich verschenkt, während Sid Haig immerhin in seiner Paraderolle als schmieriger Bösewicht aufgeht.
Überhaupt sind die Inzuchtler recht treffend besetzt, aber wer weiß schon, wo der Regisseur casten ließ…

Für ein Debüt geht der Streifen durchaus in Ordnung, handwerklich ist kaum etwas auszusetzen, der Score ist passabel, die Sounduntermalung sogar gut und auch die Synchro fällt zu keiner Zeit negativ auf. Handlungstechnisch sticht vor allem ein etwas längerer Flashback positiv hervor, während das Geschehen um die Teens einige Zeit vor sich hin dümpelt, um erst im letzten Drittel Fahrt aufzunehmen.
Ein im Gesamtbild brauchbarer Monsterstreifen, dem jedoch der letzte Schliff fehlt, um sich deutlich positiv von der breiten Masse abzuheben, eingefleischte Genrefans werden hingegen halbwegs solide unterhalten.
5,5 von 10

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