Review

Von wegen Van Damme-Debüt... 


Immer als „Van Damme-Erstling“ im Kopf gehabt - und in diesem Sinne doppelt und dreifach falsch. Klar war das vielleicht seine erste etwas größere Rolle, aber erstens kommt er auch hier als russischer Bösewicht (!) erstaunlich wenig, nur kurz zu Beginn und dann in der finalen Mattenschlacht vor, und zweitens hatte er ja schon die Jahre zuvor ein paar witzige Komparsenmoves aufs Parkett gelegt (s. „Breakin'“ + „Monaco Forever“). Ganz abgesehen davon, dass „No Retreat No Surrender“ alles andere als ein „Van Damme-Film“ ist. Auch kein wirklicher Karate-Film. Und vom Veröffentlichungs-/Reihen-/Titelchaos will ich gar nicht erst anfangen. Was aber all das null ändert: „No Retreat No Surrender“ ist einer der käsigsten und positiv „schlechtesten“ Filme seines Jahrzehntes, all seiner Beteiligten, seines Subgenres. Das geht zum Teil fast in „Miami Connection“-Untiefen - und ich liebe jede Sekunde davon! 

Erzählt wird von einem jungen Kampfsportler und Hardcore-Bruce Lee-Fan, der sich in einer Welt voller Dauerwellen, Skateboards, Neonfarben und Schulterpolstern mit Hilfe einer Erscheinung seines großen Idols (!) zu neuen kampftechnischen Höhen aufschwingt und einem schleimigen Gangster entgegenstellt... Was für ein lustiges Brett ist das denn bitte schön... „No Retreat No Surrender“ ist ein Genusshappen des schlechten Geschmacks. Pures Entertainment. In jeder Sekunde, in jeder Faser. Egal ob mit deutscher Synchro oder ohne, fast egal ob mit Alkohol oder ohne, ob mit Buddies oder ohne, ob mit Kampfsporthintergrund oder ohne, ob als Kind der 80er oder nicht. Das Ding ist heiss wie Frittenfett! Noch immer und für immer. Ein weiteres ideales Beispiel dafür, dass ein Film nicht unbedingt klassisch „gut“ und „hochwertig“ sein muss, in vielen Belangen sogar maßlos daneben liegen darf, um dennoch besser und fabelhafter zu unterhalten, als es manches cineastisches Meisterwerk von Godard oder Tarkovsky je könnte. Are You Not Entertained?!? Hell Yeah! Für Fans von Canon und Bruce Lee, der 80er und von schlechtem Geschmack, von Van Damme und von bierseligen Runden, von Föhnfrisuren, Zungenküssen und Handkantenklatschereien. Ein Kultfilm und Immergeher! Hong Kong-Martial Arts meets volle Dröhnung 80er-USA-Kitsch. Ich springe auf, ich liege am Boden, ich jubel mit. Immer und immer und immer wieder. Großartig! Hold On To The Vision!!! Vielleicht sogar der „Rocky IV“ des kleinen Mannes in seiner Garage. Bam! Bam! BAM!!!

Fazit: total 80er, völlig bescheuert, wenig Van Damme, schlechter Geschmack done right, Bruce Lee-Huldigung, tolle Trainingsmontagen, geile Songs, feinster Schmelzkäse, Breakdance, Schulterpolster, Diet Coke, Boombox, Titelwirrwarr, Dauerwelle, Zwei-Finger-Liegestütze - und das ist erst der Beginn der Aufzählung. „No Retreat No Surrender“ ist (spätestens nach drei Bier) Boss! 

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