Jino Kang ist nicht der erste Martial Arts Spezialist, der sich als Autor und Regisseur versucht, doch man merkt seinem Debüt an, dass der Mann nicht gerade der geborene Geschichtenerzähler ist. Entsprechend bildet die Story ein eher sinnfreies Konstrukt, zusammengeklaut aus Streifen wie „Karate Kid“ und „Karate Tiger 3“, welches sich zahlreicher Klischees des Genres hingibt.
Vor vielen Jahren begingen Ken (Jino Kang) und Tokyo Joe (Bill Duff) eine Straftat, als bei einem Überfall ein Paar getötet wurde. Joe wanderte für fünfzehn Jahre in den Knast und kommt auf Bewährung frei. Nun schwört er blutige Rache an dem vermeintlichen Verräter, was nicht nur Ken und seine Frau, sondern auch die Schützlinge in seinem Jugendzentrum betrifft…
Kang hat das Treiben recht gut auf seine Person zugeschnitten und als ein nicht mehr ganz so junger Fighter macht er seine Sache recht ordentlich. Allerdings sind seine darstellerischen Fähigkeiten arg überschaubar, was man in den wenigen ruhigen Szenen deutlich zu spüren bekommt.
Seiner Geschichte mangelt es hingegen an einer ausgefeilten Dramaturgie, denn so manche Einschübe sind für die Story ohne Belang wie der Einstieg, als Ken mit einem Jungen die Angestellten einer Autowerkstatt aufwirbelt. Auch die Sache mit dem Jugendzentrum erscheint eher unglaubwürdig, obgleich sie untermauern soll, dass Ken mittlerweile ein guter Mensch geworden ist und versucht, mit der Vergangenheit abzuschließen.
Aufgrund der Unerfahrenheit Kangs setzt das Drehbuch zuweilen merkwürdige Prioritäten, etwa, als der frisch entlassene Joe mit seinem Adjutanten zu einer Wahrsagerin geht oder die unnötigen Flashbacks, die lediglich wiederholen, was ohnehin bekannt ist.
Im Vordergrund stehen natürlich die verschiedenen Kämpfe, die zwischen Judo, Taekwondo, Ringen, Hapkido und Karate eine bunte Vielfalt verschiedener Stile einbinden.
Die Choreographie ist passabel, allerdings auch nicht gerade atemberaubend, denn die Kamera fängt zwar einige gelungene Zeitlupen ein, doch anderweitig verliert man bei den später stattfindenden Käfigkämpfen zuweilen ein wenig den Überblick.
Allzu hart fallen die Konfrontationen im Gesamtbild nicht aus, nur andeutungsweise werden einige Gelenke gebrochen und es gibt kleinere Blessuren, während außerhalb der Fights ein Kopfschuss zu verzeichnen ist.
So hat Ken Probleme mit der Finanzierung des Jugendzentrums, die Schützlinge werden von Joe zu einem illegalen Turnier aufgefordert, als Druckmittel wird selbstverständlich noch seine Frau entführt und am Ende treffen die Kontrahenten im Ring aufeinander, was ein wenig zu überstürzt über die Bühne geht.
Zwischendurch leistet sich die Synchro noch einige unfreiwillige Kalauer wie „Oh Gott, geht es dir gut? Du bist ja ganz aufgeschlitzt!“, wobei einige Stimmen ohnehin nicht ganz bei der Sache sind.
Das augenscheinlich geringe Budget ist am Ende nicht der Grund, warum „Prison Fighter“ (ein völlig unzutreffender Titel des deutschen Vertriebs) so ziemlich teilnahmslos an einem vorüberzieht. Schwache Figuren, mangelnde Spannung, fantasielose Schauplätze und ein unausgegorenes Drehbuch können kaum verhehlen, dass der Streifen ausschließlich dazu dient, ein wenig Kampfsport in den Vordergrund zu rücken. Die Fights sind insgesamt okay in Szene gesetzt, doch das wenig originelle Drumherum kann demgegenüber kaum Interesse wecken.
3,5 von 10