Der Mensch benutzt nur 30% seines Gehirns. Was wäre wenn es eine Droge gäbe, die die übrigen 70% freischalten würde?
Um genau diese Fragestellung dreht sich "Ohne Limit"
Der Film beginnt damit das Eddie Morra (Bradley Cooper) auf dem Dach eines Wolkenkratzers steht und sich herunterstürzen will, während gleichzeitig einige Männer versuchen in seine Wohnung einzudringen. Wie kam es dazu? Morra ist ein Mann der sein Leben nicht im Griff hat. Er hat einen Vertrag mit einem Verlag, aber leidet unter einer Schreibblockade. In seiner Wohnung siehts chaotisch aus, seine Freundin hat ihn verlassen und er ist mit der Miete im Verzug. Eines Tages trifft er zufällig seinen Ex-Schwager, der ihm eine Pille schenkt, die ihm helfen soll sein Potenzial zu nutzen. Kaum eingenommen, kann Morra sich plötzlich an alles erinnern was er je irgendwo gelesen, gehört oder gesehen hat. Er bekommt eine ganz neue Sicht aufs Leben, und schreibt an nur einem Abend sein Buch zu Ende... nur um am nächsten Tag wieder wie vorher zu sein. Daraufhin sucht er seinen Ex-Schwager auf, um noch mehr von diesen Pillen zu bekommen...
Es stellt sich jedoch schnell heraus das nicht alles so wie es scheint. Sein Ex-Schwager wird bald ermordet, Morra schafft zwar anfangs einen kometenhaften Aufstieg, durch seine neue Intelligenz, muss sich aber bald mit den Nebenwirkungen der Droge auseinandersetzen und stellt schließlich sogar fest das noch viel mehr Leute die Pille eingenommen haben und plötzlic wird er sogar von jemandem verfolgt.
Zunächst aber weidet sich der Film an den neuen Fähigkeiten die die Droge Morra verleiht. Er lernt Fremdsprachen und Klavierspielen nebenbei und kann alles Wissen das er jemals irgendwo aufgenommen hat, jederzeit abrufen. Dies nutzt er um an der Börse Geld zu verdienen. Dabei weckt er schnell die Aufmerksamkeit von den Alteingesessenen und wird schließlich sogar vom Finanzmogul Carl van Loon (Robert de Niro) entdeckt.
Hier ist der Höhepunkt des Aufstiegs. Doch als sich Morra schon kurz vorm Durchbruch steht, setzen Entzugserscheinungen mit drastischen Nebenwirkungen ein. Plötzlich wendet sich der Film ins dramatische. Während der Film vorher noch in warmen Gelbtönen im Glück von Morra schwelgt, werden die Farben zunehmend düsterer. Plötzlich wird die ganze Atmosphäre bedrohlicher und alles was eben noch so geglänzt hat, stellt plötzlich einen Abgrund dar. Morra weiss nicht wie ihm geschieht und dann holt ihn die Vergangenheit ein. Er erlebt einen Rausch, danach fehlen ihm 18 Stunden seiner Erinnerung. Hat er womöglich in der Zeit gar einen Mord begangen? Gibt es noch weitere Nebenwirkungen?
Diese Fragen, die ich hier natürlich nicht beantworten werde, sorgen für reichlich Spannung. Nicht nur Morra, auch der Zuschauer wollen dies ergründen und hier fängt der Film an von einem Feel-Good-Movie zu einem regelrechten Thriller zu werden. Folgt auf den Aufstieg der tiefe Fall? Was steckt hinter der Droge, den Leuten die Morra verfolgen? An Rätseln mangelt es nicht, die Inszenierung ist sehr spannend.
Auch die Charaktere sind bis in die Nebenrollen hinein überzeugend dargestellt. Bradley Cooper spielt seine Figur sehr überzeugend, zwischen den Extremen: Zwischen dem selbstbewussten, überintelligenten Aufsteiger und dem heruntergekommenen, später drogenkranken Verlierer. Dazu fällt vor allem noch Robert de Niro auf, der seine Rolle als Finanzmogul sehr souverän spielt und die nötige Autorität verleiht. Auch in den Nebenrollen gibt es niemand zu kritisieren.
Der Score sorgt für die nötige Atmosphäre, die Kameraführung für genug Elan, ohne jedoch jemals aufdringlich zu wirken.
Der Film hätte ein absoluter Top-Film werden können, wenn dann nicht das Ende wäre. Ich werde hier inhaltlich nichts zu sagen, da das zuviel vorweg nehmen würde. Aber hier hätte es vielleicht ein wenig mehr Mut gebraucht, um die Story konsequent durchzuziehen. Die überraschende Wendung zum Schluss ist leider unlogisch und lässt mehr Fragen aufkommen als nötig gewesen wären. Zum Glück irritiert das Ende bloss ein wenig, ohne das vorher gesehene zu zerstören.
Fazit: Ein absolutes Highlight des Genres. Eine spannende Grundfrage - was wäre wenn es eine Droge gäbe die einen über alle Maße intelligent macht? - aus der sich ein atmosphärischer Thriller entwickelt ohne den Unterhaltungsfaktor je ganz zu vernachlässigen. Der Zuschauer will stets wissen wie es weitergeht, die Inszenierung ist überragend. Das einzige was zur vollen Punktzahl fehlt ist das etwas unlogische Ende. 9/10 Punkte