Als „Ohne Limit“ durch die deutschen Kinos floß, da eignete es sich gut dazu, als Starverhikel für den gerade durch „Hangover“ berühmt gewordenen Bradley Cooper zu dienen. Cooper war schnuckelig, konnte weibliche wie männliche Kinobesucher für sich gewinnen und daß die Rolle eigentlich Shia LaBoeuf bekommen sollte, schien ein adäquater Tausch gewesen zu sein.
Auch wenn man sich von der Verfilmung des Romans von Alan Glynn jetzt keine Sensationen erhoffte, rutschte der Film mit latent satirischem Gegenwartsbezug wie geölt durch die Säle. Die Zuschauer kamen angemessen, die Kritiker waren, wenn auch nicht begeistert, dann doch immerhin milde gestimmt, schließlich fand jeder etwas in diesem Film für sich.
Der Eine begeisterte sich für die Bezüge zu modernen Designerdrogen, der Andere popelte noch ein bißchen in der Weltfinanzkrise rum und irgendwo saß auch ein Redakteur, der daraus eine satirische Fußnote gegen Scientology und ihre Apologeten schnitzte. Die Zuschauer nahmen es wohl hauptsächlich als stargetriebenen Unterhaltungsfilm mit einem Spier Science-Fiction.
Der besagte „Spier“ ist eine Designerdroge namens NZT48, die den Menschen 30 Sekunden nach Einnahme befähigt, plötzlich 100 Prozent seiner Gehirnkapazität auszunutzen. Die Denk-, Lern- und Kombinierfähigkeit steigert sich enorm, man ist kognitiv topfit und eigentlich steht dir aufgrund totaler Klarsicht praktisch die ganze Welt offen.
Coopers Edward Morra, ein unkonzentrierter, leicht versoffener, aber schwer versiffter Hänger und Möchtegernschriftsteller ohne Fortune bei Frauen, kommt mit dem Zeugs durch Zufall in Kontakt, als sein Ex-Schwager es ihm anbietet. Der Trip haut ihn glatt aus den Puschen: er argumentiert die Frau des Vermieters zu seinem Vorteil zu Tode, nagelt sie ordentlich durch, macht aus seinem Drecksloch eine ordentliche Wohnung und produziert in absoluter Kürze gleich mal ein Viertel des langverschobenen Buches, für das er einen Vertrag hat.
Klar, daß man von sowas mehr will, also hin zum Ex-Verwandten, der sehr willig, sehr angeschlagen und kurz darauf sehr tot ist. Den Pillenvorrat läßt man aber, einmal gefunden, mitgehen und hat so alle Möglichkeiten, der neue Alleskönner zu werden.
Natürlich gibt’s da noch negative Seiten: Nebenwirkungen, Langzeitwirkungen, die Illegialität der nicht eingeführten Droge, Konkurrenten und nicht zuletzt ein osteuropäischer Brutalogeldverleiher, den man nicht wieder los wird.
Was jetzt anderswo sich zu einem soliden Moralstück entwickelt hätte, das in Drogenüberwindung und Selbstfindung gemündet hätte oder im Untergang des Protagonisten, gestaltet sich in Burgers Film wie ein zusammengeschmissener Trip, bei dem es manchmal Ausbremsungen gibt, es dann aber immer wieder mit Volldampf weitergeht.
Da es ja nicht eben leicht ist, ein 10fach leistungsfähigeres Gehirn und dessen Wahrnehmung problemlos zu visualisieren, schickt Burger den Zuschauer von da an bildlich auf die Reise, rast in Schüben mit ihm quer durch New York, vervielfältigt Edward bei seinen Handlungen oder hält sich an eine erklärende Schnitttechnik – nichts wirklich Aufregendes, aber dennoch ein brauchbares Schmankerl.
Dazu kommt ein Plot irgendwo zwischen Drogenexzess, Mord und Totschlag, Wirtschaftskriminalität und menschlichem Drama, was für einmaliges Ansehen allemal reicht, um Unterhaltung für 95 Minuten zu generieren.
Wirklich substanziell ist aber nichts von dem, was man hier auf die Schnelle anreißt.
Fragt man sich, was denn nun die Moral von der Geschicht sei (die Droge und damit das SF-Element sind übrigens ein reiner McGuffin, dessen Leere später plottechnisch noch eine Etage weiter entwertet wird), bleibt nicht viel über. Morra, zuvor schon ein peekiger Schluffi war, wandelt sich alsbald zum geölten Dressman und Klugscheisser allerorten, sei es nun beim Business Meeting oder in der Bar nebenan. Eigentlich wird er zum allwissenden Arschloch, auch wenn er nicht ganz so dick aufträgt wie möglich wäre, doch all das Negative, was passiert, gönnt man ihm irgendwie.
Die Chose mit seinem russischstämmigen und äußerst brutalen Geldverleiher, der Morra auf die Schliche und dann selbst auf Droge kommt, sagt eigentlich nur aus, daß es besser ist, wenn man die soziopathischen Schläger dumm hält. Und seine Businessfreundin hoppelt später auch zu ihm zurück, sobald sich der Erfolg einstellt.
Mit der Wirtschaftswelt ist es nicht besser, da wird wie wild fusioniert, aber letztendlich steigt sowieso niemand mehr durch das durch, was zu tun und zu lassen ist und eine Chance hat man eben nur auf Pillchen - dumm also, wenn man nicht der Einzige ist.
Da geht sie auch dahin, die Idee von der Selbstverwirklichung und Lebenserfüllung - zwar schreibt Ed sein geliebtes Buch in vier Tagen, dann ist das Interesse aber auch schon erloschen. Aktionismus als purer Lebenssinn.
Funktionieren tut das Element der Nichtauslastung bei aktiver Droge und dem physisch-psychischen Verfall bei Entzug, aber daraus wird nie wirklich etwas gemacht. Das sind Zwischenschritte, genauso wie das Schicksal von Schwager und Exfrau, die dann mit noch mehr Drogen behoben werden können. Gibt es wirklich mal ein Problem, liegt das nur am Verlust oder Fehlen der Drogen, was wieder behoben werden muß: neue Drogen müssen her.
Damit kaschiert der Film mühsam, wie unsympathisch sein Protagonist mit seinem „vorwärts immer, rückwärts nimmer“ eigentlich ist. Stets müssen Attacken, Kämpfe, Mordanschläge, brutale Nebenfiguren, schließlich ein alberner Mordanschlag in einer Hochhauswohnung herhalten, um wieder per Mitgefühl auf Morra zu schalten. Edward ist ein unverdienter Nutznießer, ein Schmarotzer, der sich den Tod an Anderen zunutze macht, später mitunter sogar selbst einen Mord begeht (auch wenn das nie eindeutig geklärt wird) und so dann doch nur der Fixeste und Niedlichste unter all den Bluthunden und Wirtschaftsmonstren ist, die er natürlich mit seinen und ihren Waffen schlagen muß.
Das kann man satirisch verstehen, man kann das auch zynisch aburteilen.
Für solide Unterhaltung, die nicht immer das liefert, was man menschelnd erwarten würde, ist irgendwie schon gesorgt, aber eine emotionale Bindung an den Protagonisten und sein Voiceover kann kaum hergestellt werden, dazu analysiert sich Morra zu wenig und genießt zu sehr, daß er endlich mal funktioniert.
Daß man ein negatives Ende hier im Film dann zu einem HappyEnd umgestrickt hat, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, daß der Film eigentlich nur Oberflächen touchiert und Schauwerte produziert, aber die menschliche Tiefe eines erweiterten und mglw erleuchteten Bewußtseins nicht mal streift – Geld und Macht sind der einzige Fokus, dann klappt es auch mit der Blondine und das in zehn Fremdsprachen, der reine Hohn.
Logiklücken beseite funktioniert dieser Erfolgsporno aber wohl als High-Tech-Kolportage beim Unterhaltungspublikum – da haben Wunschträume nach Talent, Reichtum und Aufregung nämlich zum Glück keine Nebenwirkungen. Der Film bei mir aber leider auch nicht. (5,5/10)