Review

Ohne einen einzigen Berührungspunkt zum Vorgänger kommt „American Kickboxer 2“ daher, was aber nicht so tragisch ist, denn jener war eh eine Schlaftablette.
Realismus wird auch hier eher klein geschrieben, das zeigt bereits die Auftaktszene, in der ein paar Gangster die Tochter von Lilian (Kathy Shower) und Howard (David Graf) kidnappen. Sie fliegen mir nichts dir nichts mit einem Hubschrauber über den Pool, pflücken das Kind raus, während die Eltern in der Küche den Lärm wegen eines eingeschalteten Mixers erst zu spät hören. Da ist das Gör aber schon weg, postwendend folgt die dicke Lösegeldforderung.
Anschließend kann man davon ausgehen, dass die Macher wohl die französische Komödie „Zwei irre Spaßvögel“ kannten, denn Lilian reagiert wie die Frau dort: Sie ruft ihren Ex-Mann Mike (Dale ’Apollo’ Cook) und ihren früheren Lover David (Evan Lurie) an und behauptet beiden gegenüber, dass Kind sei von ihm. Mike ist ein cholerischer Cop, David ein Playboy und Kampfsportlehrer. Wie im Franzosen-Original rauschen nun beide Männer an, um ihr vermeintliches Kind retten zu wollen.

Da Lilian allerdings eine Affäre mit David hatte, als sie noch mit Mike verheiratet war, letzterer dafür aber ein Choleriker ist, können sich die beiden Männer nicht riechen. Dennoch suchen beide nach dem Kind und arbeiten bald gezwungenermaßen zusammen...
Der B-Actionfilm der 90er lies so einige Duos von der Leine, die zum Erreichen von Gerechtigkeit das öffentliche Recht sowie diverse Gegnerhorden mit Füßen traten; gerade das Gespann Billy Blanks/Roddy Piper lieferte mit „Tough and Deadly“ und „Back in Action“ zwei ausgesprochen gelungene Vertreter dieser Spielart ab. An diese Filme „American Kickboxer 2“ dann leider nicht heran, auch wenn sich der Fan hier direkt heimisch fühlen darf. Doch leider ist alles hier noch eine Spur simpler als in den Vorzeigewerken, gerade zu schematisch laufen die beiden durch die Stadt, verprügeln an jeder Location die Verdächtigen und sammeln dann brav den Hinweis auf den nächsten Prügelort auf. Das hat man definitiv schon mal spannender und intelligenter gesehen.
An den Orten des Geschehens wird sich dann auch emsig und ansehnlich gehauen, wenngleich die Choreographien nur zum guten B-Mittelmaß gehören und keine Referenzklasse besitzen. Immerhin zeigen diverse Fighter großes Talent, gerade die beiden Helden haben ein schickes Repertoire an Moves drauf und zeigen es auch. Dazu gibt es noch ein paar ordentlich, aber wenig herausragend inszenierte Shoot-Outs und den einen oder anderen Stunt (Fall aus dem Hubschrauber usw.) zu sehen zu bestaunen.

Was das formelhafte Gerenne und Gehaue dann zwischendurch immer wieder auflockert ist der Buddyhumor, den „American Kickboxer 2“ mitbringt. Der raue Working Class Bulle und der schöngeistige Trainer streiten sich ausgiebig, mal mit ganz putzigen Wortgefechten, mal gibt man sich gegenseitig auf die Moppe und mal witzelt man auch über dritte. Sonderlich komplexe psychologische Figuren erwartet man dann besser nicht, auch die Hintergrundgeschichte der Entführung interessiert nur wenig, aber dafür gibt es alle paar Minuten Fressegeballertes oder zumindest amüsante Sprüche.
Kloppen kann Dale ’Apollo’ Cook ja, mit dem Schauspieltalent sieht es da eher schlecht aus. Immerhin funktioniert als Choleriker auf Autopilot ganz gut, der mit augenzwinkerndem Charme spielende Evan Lurie macht aber durchweg die bessere Figur. Der Rest vom Fest interessiert kaum, selbst der aus „Police Academy“ bekannte David Graf hinterlässt kaum Eindruck. Regisseur Jenö Hodi hat eine Nebenrolle als Privatdetektiv Attila.

„American Kickboxer 2“ ist gepflegt-mittelmäßige Genreware, deren Geschichte relativ flach und wenig wendungsreich ist, dafür bekommt man das Ganze immerhin mit Humor und netten Kampfszenen serviert. Letztere könnten qualitativ etwas besser sein, aber dafür gibt es dann reichlich davon, was den Genrefan schon versöhnlicher stimmt.

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