„Du bist meine beste Freundin. Du bist meine einzige Freundin.“
Viele, die von diesem Anime im Vorfeld nichts gehört haben, werden hier eine typische „Mahou-Shoujo“ Serie erwarten, wo ein tapferes Mädchen, meistens von einem putzigen Tierchen begleitet, sich gegen die Mächte der Finsternis stellt. Solche Serien gibt es wie Sand am Meer und da ist dieser Anime, den ich jetzt einfach mal nur „Madoka“ nenne, eine herrliche Abwechslung. Die Serie wurde von allen Seiten im höchsten Maße gelobt und räumte sämtliche Anime-Preise ab. Ist das letzten Endes alles gerechtfertigt oder auch nur wieder ein zu hastig ausgelöster Hype? Um jetzt erst mal alle bangenden Madoka Fans zu beruhigen : Ja, der Anime verdient diese hohen Bewertungen und ja, die Preise gehen allesamt in Ordnung. Ich war auch sehr begeistert von dieser ungewöhnlichen Serie, die sich ein alt bekanntes Muster krallt und völlig neue Wege einschlägt, sodass dieser Anime ein wahrer Beweis dafür ist, dass man auch noch einer nostalgischen Story etwas neuartiges heraus locken kann. Dennoch gab es ein paar Kleinigkeiten, mit denen ich persönlich so meine Probleme hatte, weshalb Madoka jetzt nicht, für mich persönlich, zu den besten Animes gehört, die ich jemals gesehen habe.
Story
Die Story klingt eigentlich nach einem typischen Mahou-Shoujo Abenteuer : Schulmädchen können sich in magische Kriegerinnen verwandeln und müssen böse Hexen bekämpfen, die die Welt und die Menschheit bedrohen. Doch wer jetzt glaubt, wir bekommen hier eine völlig episodische Handlung zu sehen und ein total überladendes Recycling-Konzert wie Sailor Moon, der irrt sich gewaltig. Klar, der Kampf gegen die Hexen spielt schon eine enorm wichtige Rolle, aber hier spielen so viele Dinge eine viel wichtigere Rolle. Es geht um den Zusammenhalt in Extremsituationen, es geht um die Hoffnung, es geht um Freundschaft, um Rivalität und um die Frage, was man tun würde, wenn man einen Wunsch frei hätte. Man darf natürlich nicht zu viel verraten, denn jede noch so kleine ereignisreiche Szene würde jegliche Überraschung verderben, wenn man sie im Vorfeld erwähnen würde. Trotzdem so viel sei verraten : An dramatischen Szenen wird hier nicht gespart und immer wenn unsere Mädchen in Aktion treten, ist die Spannung auf dem absoluten Höhepunkt. So unberechenbar wie die ganze Story ist auch das Ende, Welches mich aber leider nicht zu 100% zufrieden stellen konnte, da es auf ein paar kleinere Fragen keine konkrete Antworten gegeben hat, was eigentlich sehr wünschenswert gewesen wäre. Dadurch wirkt das Ende zwar nicht komplett abgerundet, konnte aber durch den hohen Grad an Gefühlen und Emotionen dennoch zum größten Teil überzeugen.
Animation
Einer der vielen Aspekte, warum dieser Anime von den 08/15 Magical-Girl Serien abweicht ist der extravagante Zeichenstil von SHAFT, die uns auch schon optische Leckerbissen wie A Tale of Memories und A Tale of Melodies serviert haben. Gerade wenn die Hexen in Aktion treten bekommen wir eine atemberaubende Optik zu sehen, die sehr stark an den ebenfalls kunstvollen Anime Gankutsuou erinnert. Etwas gewöhnungsbedürftig ist das Charakterdesign, an das man sich aber nach einigen Folgen gewöhnt. Alles ist hier mal wieder auf niedlich, unschuldig und jung gezeichnet, weshalb man diesem Anime anfangs niemals eine solch tiefsinnige Geschichte zutrauen könnte.
Soundtrack
Madoka bietet uns ein fantastisches Opening, Welches den Zuschauer sehr geschickt in die Irre führt. Das Lied ist rockig, versprüht Spannung und Gute Laune zugleich und würde auch hervorragend zu einer herkömmlichen Mahou-Shoujo Serie passen. Das Ending hingegen spiegelt eigentlich die wahre Gestalt dieses Animes wider. Wir bekommen ein sehr düsteres, fast schon unheimliches Lied zu hören, dass einfach jedes mal (wenn es erscheint) eine hochkarätige Gänsehaut erzeugt. Leider taucht dieses Ending viel zu selten auf, was ich nicht ganz nachvollziehen konnte, da man so ein überragendes Lied ruhig in jeder (ok, außer vielleicht in der letzten Folge) Folge hätte mit einbringen können. Auch die Synchronsprecher machen hier einen gewohnt guten Job, auch wenn unsere Hauptfigur eine leicht quietschige Stimme hat, die in wenigen Situationen etwas nerven kann. Besonders überrascht haben mich auch hier die Hexen, die mit einer derart unheimlichen Soundkulisse ausgestattet wurden, dass man sich fast schon wie in einem japanischen Horrorfilm fühlt.
Charaktere
Im Mittelpunkt steht meistens die kleine Madoka, die eigentlich ein zufriedenes Leben führt. Auch wenn sie sicherlich bei den meisten Fans unfassbar beliebt ist, so hatte ich mit ihr die meisten Probleme. Das größte Problem ist einfach ihre unfassbare, viel zu nah am Wasser gebaute, Art, die mich anfangs zwar noch leicht amüsierte, aber später zunehmend aufregte, denn Madoka vergießt hier vielleicht die ein oder andere Träne zu viel, aber vielleicht war das ja auch gewollt und ganz abwegig betrachtet ein kleiner Seitenhieb Richtung Sailor Moon. Der Rest ist irgendwo zwischen sympathisch und einfach nur überragend genial anzusiedeln. Wir haben Sayaka, Madokas beste Freundin, die viel erwachsener und reifer wirkt als Madoka und eine ziemlich interessante Geschichte vorweisen kann, die ruhig ein wenig mehr Intensität verdient hätte. Dann haben wir Mami Tomoe die noch reifer und noch erfahrener als Sayaka wirkt. Sie ist eine Figur, die man eigentlich nur mögen kann, da sie stets offenherzig und gut-launig daher kommt, dabei aber nie ihr klares Ziel aus den Augen verliert. Dann gibt es hier natürlich auch eine wilde Kampfsau, die hier auf den Namen Kyouko hört. Sie wirkt wie eine echte, typisch für rothaarige, Rebellin, die für den nötigen Zündstoff in dieser Serie sorgt. Dann gibt es noch das kleine weiße „Irgendwas“ namens Kyubey, dass den scheinbar typischen tierischen Begleiter der Heldinnen darstellt, wie es bspw. Lunar und Artemis in Sailor Moon waren. Doch in Kyubey steckt so unfassbar viel Mysterium drin, dass ich klar sagen muss, dass dieses komische Ding zu den interessantesten Figuren im ganzen Anime gehört und nur noch von einer Person weit in den Schatten gestellt wird. Und damit sind wir auch schon bei Homura, meiner absoluten Lieblingsfigur im gesamten Anime. Es ist wirklich lange her, dass mich eine Anime-Figur derart aus den Socken gehauen hat, denn wenn es etwas gibt was ich liebe, dann sind es Figuren, die anfangs total unsympathisch wirken und sich später zu den besten Charakteren im gesamten Konzept entwickeln und durch die Entwicklung dieser Figur, wirkt die unsympathische Aura aus der Anfangszeit absolut folgerichtig. Und exakt so eine Figur ist Homura, die anfangs wie eine typische Kuudere wirkt - ruhig, wortkarg, emotionslos und eiskalt. Doch je mehr man über sie und ihre Beweggründe erfährt, umso faszinierter ist man und man ist einfach nur begeistert, wie man so eine clevere Figur überhaupt kreieren kann. Insgesamt ist der Cast von Madoka also bärenstark, da in jedem Charakter viel mehr drin steckt, als man im ersten Moment ahnt, auch wenn unsere Hauptperson eine kleine Belastungsprobe für die Nerven werden kann.
Empfehlung
Meine besondere Empfehlung geht an die Leute, die von dem Anime bisher höchstens das Cover oder allerhöchstens das Opening kennen. Je weniger man im Vorfeld über diesen Anime weiß umso besser, denn umso überraschter wird man hinterher sein. Trotzdem ist dieser Anime auch insgesamt betrachtet eine klare Empfehlung und eine willkommene Abwechslung für das typische und inzwischen langweilig gewordene Mahou-Shoujo-Genre.
Fazit
Bombastische Bilder, toll ausgearbeitete Figuren, viel Dramatik und ein überragender Soundtrack. Madoka ist zurecht so gehyped, auch wenn das Ende für mich persönlich NOCH ausgereifter hätte sein müssen und Madoka mit weniger Heulkrämpfen deutlich angenehmer gewesen wäre.
Madoka bekommt 8,5 von 10 roten Haarbändern.
8,5/10