Zahlenverdreher & Frauenmissversteher
Es wäre ein Leichtes über "Drowning By Numbers" bzw. Greenaway allgemein wieder mal etwas zu reimen und mit Stichworten und Themen lyrisch vage um sich zu werfen... aber Peter Greenaway hat es mittlerweile verdient, dass ich mich etwas klarer und verständlicher mit ihm befasse. Da sein "Z00" vor einigen Jahren (besonders für meine männliche Filmrunde) nicht der richtige Stoff war und gar nicht allzu gut ankam, sein "Kontrakt des Zeichners" mir vor Kurzem aber herausragend gefallen und sehr imponiert hat. Und so war Greenaway bisher sehr Hit or Miss, ganz wusste ich nicht, ob mir sein sehr eigener, unverwechselbarer Stil liegt. Vor allem da ich seinen bekanntesten und vielleicht besten Film ("Koch, Dieb, Frau, Liebhaber") bisher noch gar nicht sehen konnte. Doch nun war erstmal "Drowning By Numbers" dran - über drei Generationen von Frauen, die jeweils ihre perversen, seltsamen Männer ertränken (wollen)...
Ziegen, die auf (tote) Männer starren
Ästhetisch, visuell, musikalisch - da ist Greenaway schon absolut spitze! Seine Formen und Farben, seine Mode und Architektur, seine Kamera und Bildsprache - alles sehr speziell, perfekt austariert, wunderhübsch, unvergleichlich. Fast näher an Gemälden als an mainstreamigerem Kino. Das macht in dieser Art einfach kein anderer. Und da ist "Drowning By Numbers" eher Beispiel als Ausnahme. Landschaften und Pools, Leichen und nackte Menschen, Schafe und Jägerinnen - alles höchst ansprechend und visuell, intellektuell stimulierend. Da gibt's keine zwei Meinungen zu. Sexuell besonders offen und bizarr. Dazu ein trocken-pervers-düsterer Humor, der ebenfalls Seinesgleichen sucht. Das ergibt dann schon etwas sehr Britisches, aber noch eher etwas Zeitloses und Abseitiges, weit weg von Normen und Normalität. Allein das ist ein dickes Plus in meinem Buch. Aber charakterlich und handlungstechnisch? Da brauche ich immer eine deutliche Zeit, um mit ihm warm zu werden. Doch da "Drowning By Numbers" selbst in dieser Kategorie - mit seinen Frauen und Männern, Mörderinnen und Peinigern, Rächerinnen und Verlierern - langsam aber sicher Sinn ergibt und Fahrt aufnahm, ich durchaus Zugang bekam zum Glück, ist dieser Greenaway für mich ein Erfolg. Weiterhin eher sperrig und sehr... eigen. Aber das muss nichts Schlechtes sein. Wenn man sich reinkniet und auch etwas investiert, ihm eine oder mehrere Chancen gibt, dann lohnt sich's. Enorm sogar. Und ich denke, dieser positive Eindruck wird bei zukünftigen Rewatchs eher noch steigen, sich verfestigen und sich klarer stellen. Denn ein bisschen überrumpelt ist man schon.
Gefallen an Venusfliegenfallen
Fazit: typischer, hochnäsiger, artifizieller, aber auch starker Greenaway... Kunstkino über Zahlen, Geschlechter, Sex und Mord. Anstrengend, anspruchsvoll, analytisch. Anders. Niemand macht und machte (und wird je machen) Filme wie Peter Greenaway!