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Hagen, Flügger, Wissmann und Thies, - nicht unbedingt Namen, die im Bereich der deutschen Independent-Produktion Begriffe sind, doch mit diesem Episodenfilm könnte sich das rasch ändern. Das Gesamtbild wirkt zwar nicht wie aus einem Guss und auch die Rahmenhandlung bietet nur recht vage Zusammenhänge zu den einzelnen Episoden, doch bei den unterschiedlich ausgelegten Kurzfilmen dürften für jeden Horrorfan etwas dabei sein.

Das erste Kapitel bietet einen spannenden, wenn auch von der Geschichte her recht oberflächlichen Einstieg: Ein Paar hält am Waldesrand zum Fummeln, als sie auf leises Wimmern aufmerksam werden und eine Schwerverletzte entdecken. Kurz darauf treten drei bewaffnete Kerle auf den Plan, die das Paar in Richtung eines verlassenen Bauernhofs treiben.
Ein typischer Slasher im Hinterwäldler-Milieu, mit bewusst schwachen Kontrasten und einigen Film-Material-Fehlern macht er auf Siebziger, bietet jedoch zu wenig Eigenständigkeit, da er eher wie Terror von der Stange anmutet, dabei aber zumindest einiges Blutvergießen einbindet. Das Tempo ist ordentlich, die Kamera geht in Ordnung, nur die Darsteller wirken ein wenig hölzern. Dennoch ein passabler Einstieg.

Die zweite Episode erinnert frappierend an eine Mischung aus „Reservoir Dogs“ und „From Dusk Till Dawn“: Drei Typen überfallen einen Juwelier und treffen sich anschließend in einer abgelegenen Lagerhalle, in der vampirähnliche Kreaturen hausen.
Hier herrschen eine dichte Atmosphäre und eine subtil gesteigerte Spannung, denn geschickt werden böse Vorzeichen aneinandergereiht, bis es mit einem Schlag zu Konfrontationen kommt, die mit einem kleinen Plot Twist enden.
Ordentliche Performances gehen einher mit gutem Timing, einer effizient gefilmten Location und brauchbaren Effekten, lediglich der Blutgehalt ist etwas gering.

Die dritte Geschichte sticht ein wenig heraus, denn dort wird weder gesprochen, noch gibt es eine Rahmenhandlung: In einem wüstenähnlichen Gebiet geht ein Jäger seinem Job nach und killt mit Schusswaffen und Machete einige Mutanten, die scheinbar von einem anderen Planeten stammen, denn plötzlich muss der Namenlose vor einem ballernden Raumschiff flüchten.
Dieser Part ist eindeutig auf Action und Effekte ausgelegt, was ihm größtenteils souverän gelingt. Einige Explosionen können sich ebenso sehen lassen wie zwei Raumschiffe, die unterschiedlichen Masken der Mutanten wurden sauber gestaltet und vor allem sehen die Hiebe mit der Machete in Zeitlupe besonders elegant aus, wenn das Blut fontänenartig am Set verteilt wird und die treffenden Kontraste dazu fast schon künstlerisch anmuten:
Optisch hervorragend zur Geltung gebracht, nur die Basis einer Geschichte ist halt irgendwie nicht vorhanden.

Über die vierte Ausgabe lässt sich inhaltlich nicht allzu viel verraten, außer dass eine Entführung gründlich schief geht und die verschachtelte, nicht chronologische Erzählweise puzzleartig verdeutlicht, wie die Stricke zusammenlaufen.
Ein Mädchen im Kofferraum, ein Überfahrener, ein Kopfschuss und ein Verärgerter sind Zutaten dieses von vier Personen dominierenden Stücks, welches zwar clever ausgedacht ist, in der Umsetzung aber nicht allzu spannend rüberkommt. Dafür ist es überzeugend gespielt und handwerklich sauber umgesetzt, - vielleicht fehlt der Story ein wenig Hintergrund, um sie im Gesamtbild runder erscheinen zu lassen, denn in der Kürze kann man die Charaktere nur schwer einschätzen.
Dennoch ein gelungener Abschluss der einzelnen Episoden.

Etwas schwächer erscheint hingegen die Rahmenhandlung, zumal sie die Episoden etwas willkürlich einleitet, wie mit einem Blick auf ein Comicheft.
Inhaltlich geht es um einen Kleinkriminellen, der gegenüber einem Polizisten bei sich daheim eine Aussage über seinen stadtbekannten Chef machen will.
Erst ganz am Ende wird dieses Szenario ad absurdum geführt, als es zum übergreifenden Treffen eines Elementes der vorherigen Kurzgeschichten kommt.
Eine witzige Szene nach den Credits bestätigt diesen bizarren Einfall mit einem Schmunzeln und rundet das Bild ein wenig ab.

Zwar passen die einzelnen Kurzgeschichten nicht unbedingt zusammen und bilden auch kein schlüssiges Gesamtkonzept, doch für sich stehend sorgen sie mit unterschiedlichen Schwerpunkten für durchweg kurzweilige Unterhaltung.
Insgesamt sauber gespielt, alles andere als amateurhaft ausgestattet, bietet „Entropie“ einen bunten Querschnitt deutscher Regie-Hoffnungen, von denen man in Zukunft bestimmt noch einiges hören und vor allem sehen wird.
7,5 von 10

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