Endlose Maisfelder, Vogelscheuchen, Krähen - alles schon mal dagewesen im Horrorfilmkanon und das nicht erst, seit Stephen King seine Kurzgeschichtenphase hatte.
Aber die morbiden Flattermannvertreiber hatten ja schon immer ihren Reiz als unheimliche Figur und so ein schön dichtes enges Maisfeld, wo es "hinter den Reihen" raschelt und knistert, das kommt auch immer noch ganz trefflich, während die siffigen Fabrikräume in Bulgarien doch wirklich inzwischen wieder ausgedient haben.
Die Reihe "After Dark Originals" wirbt ja fleißig damit, daß man ein paar frische Filmemacher an der Hand hat, die gängige Themen nicht nur runterkurbeln, wie man es gewohnt ist, sondern diese interessant aufbereiten, so daß es auch Spaß macht. Allerdings wird so viel durch die Videotheken geschleust, daß Mißtrauen praktisch unvermeidlich ist.
Im Falle von "Husk" kann der geneigte Gruselfreund aber mal beruhigt aufatmen, denn Brett Simmons erster Langfilm - und gleichzeitig die spielfilmlange Version seines eigenen halbstündigen Kurzfilms - hat unter der künstlicher Verlängerung nicht sonderlich dramaturgisch gelitten durch zu viel Füllmaterial, sondern geht mit der ruhigen Gewißheit eines soliden Stoffes ohne Hektik, aber auch ohne Pausen durch knackige 74 Minuten, die zu keinem Zeitpunkt langweilen.
Dabei wird weniger auf Gore als vielmehr auf Suspense gesetzt, denn nach dem vermeintlich abgeschmackten Beginn (fünf Leute auf dem Weg zu See haben einen Unfall) gerät man bald in die berühmte "ausweglose Situation", in der man sich in einem halbverfallenen Farmhaus mitten in einem endlosen Maisfeld wiederfindet. Und im Mais da geht etwas um, das ganz viele spitze Nägel an den Händen hat. Und manchmal kommt es ins Haus und näht sich eine Gesichtsmaske....
Wunderdinge muß man natürlich nicht erwarten, aber so in der stillen Stunde ist Simmons Film doch ganz horribel, weil er zwar schon früh nahelegt, daß die Chose was mit den Vogelscheuchen im Feld zu tun haben muß, aber nicht sofort erkennbar macht, was denn nun eigentlich der Auslöser für das nächtliche Treiben ist und was die Regeln in diesem Spiel sind. Die dürfen sich die Figuren zusammen mit den Zuschauern selbst erarbeiten, bis dahin aber hat Simmons erfolgreich etabliert, daß nichts und niemand sicher ist und man sich nicht auf einen sicheren "final character" festlegen sollte. Hier und da eine visionäre Rückblende (übrigens das Einzige, was ohne Erklärung bleibt) lockert das Geschehen auf, sonst wird man selbst durch Mais und Skript getrieben wie nichts Gutes.
Gewisse Abschläge können gemacht werden, weil letzten Endes nichts anderes übrig blieb, als hausgemachte Zusatzschwierigkeiten auf die Figuren losgehen zu lassen, sprich: wenn wir schon eine Chance haben, stehen wir uns selbst im Weg, aber das wäre dann auch der einzige Minuspunkt.
Die Figuren selbst sind endlich mal nicht in ihrem typischen Nerd/Sportlerkontext gefangen, sondern erarbeiten sich weitestgehend eine neutrale Vorgehensweise, die Dialoge sind knapp und zweckmäßig, ohne abgeschmackt zu sein und trotz vieler Vorbeihuschschocks ist es die "creepy atmosphere", die den Film wirklich glänzen läßt.
Das alte Haus, das bizarre Nähzimmer, die unheimliche Glühlampe (ja, das geht wirklich!), ein paar Gruselerscheinungen, kauernde Figuren im Maisfeld, das alles funktioniert ungemein trefflich und sorgt in Kombination für einen erfrischenden kleinen Thriller, der einen problemlos bei der Stange hält, weil niemand strahlt und niemand endlos nervt und man deshalb wirklich wissen will, wie es ausgeht. Das ist dann zwar nicht mehr ganz so originell, aber für ein anerkennendes Lob zur Auswahl dieses Films reicht es dennoch. Um Längen. (7,5/10)