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Zugegeben. Der Film scheut nicht vor Klischees zurück — in manchen badet er förmlich. Die Überfliegerin in der Werbeagentur ist kettenrauchend und ohne derart ohne freie Zeit, dass ihre Wohnung wie ein absoluter Saustall aussieht und sie sich irgendwann nach einer Reinigungskraft umschaut. Woher diese aberwitzigen Mengen an Geschirr kommen, wenn sie doch eh nur Raviolis aus der Dose isst, bleibt das Geheimnis der Filmermacherinnen. Aber ganz ehrlich? Das ist auch völlig egal.


Natürlich könnte man einiges an dem Film bekritteln - wenn man denn wollen würde. Oder man konzentriert sich auf die wesentlichen Dinge: Abgesehen von der Tatsache, dass er hervorragend unterhält und kurzweilig ist, haben wir es hier mit einem der seltenen deutschen Fernsehfilme zu tun, die ein wunderbares Szenenbild, tolle Beleuchtung, frische Kameraführung und vor allem ein in den aller größten Teilen absolut natürlich wirkendes, glänzend aufgelegtes Schauspielerensemble haben, die ihre Dialoge nicht gestelzt, sondern glaubhaft und natürlich sprechen - und das mit pointiertem Wortwitz. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellerinnen stimmt, ihre Blicke, ihr Spiel - alles passt. Dass die Nebenrollen teilweise etwas schwächer im Spiel sind - geschenkt.


Was noch mehr überrascht: Die thematische Mischung (lesbische Liebe, drei Hauptdarsteller:innen of Color, Alltagsrassismus) würde heute in einem öffentlich-rechtlichen Fernsehfilm wahrscheinlich gar nicht angepackt oder fürchterlich in die Hose gehen. 1998 konnte damit anscheinend noch unverkrampft aber nicht weniger deutlich oder eindrücklich umgegangen werden. 


Schade nur, dass der Film nur noch auf einer mäßig ausgestatteten DVD gebraucht zu bekommen ist, dazu noch völlig ohne Untertitel. Es zeigt wieder mal perfekt, wie schlecht deutsche Labels mit deutschem Filmgut umgehen. UT für Hörgeschädigte wären das Mindeste gewesen, ideal auch noch englische Untertitel — immerhin ist der Film auch international auf Filmfesten ausgezeichnet worden.

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