Review

Aus meiner kleinen Reihe fast vergessener, aber meistens irre verdächtig gut besetzter TV-Kracher der 70er Jahre präsentiere ich heute „Snatched“. Der Titel, der in Deutschland mit „Ein kleiner, aber tödlicher Fehler“ mal ausnahmsweise recht gut eingedeutscht wurde, gibt zum Glück auch nicht gleich preis, womit man hier zu rechnen hat.

Wer aber sein Herz schon immer an Hollywoods Altstars, B-Movie-Standards und twistige kleine TV-Reißer im güldenen 74-Minuten-Format verloren hatte, darf hier schon mal das Bier holen gehen.

Am Anfang ist noch alles happy, dann taucht der Finstermann vom Fach auf, wenn Henry Silva gerade mal wieder in Italien drehen wollte und deshalb unabkömmlich war: Anthony Zerbe ist der fiese Entführer, der mit seinem Ganovenpartner drei Ehefrauen von drei sehr solventen Ehemännern abfänt, abtransportiert und dann in einen abgelegenen Leuchtturm schafft, wo sie sich vermeintlich leichter kontrollieren lassen.

Am Verhandlungsruder steht bald der altgediente Robert Reed als behördlicher Vermittler, seine nervösen Ehemänner sind Howard „Dallas“ Duff, John „Nightmare“ Saxon und Leslie „Frank Drebbin“ Nielsen, die jetzt die Milliönchen abzwacken sollen, damit die Holden heile wiederkehren.

An der Sache hängt aber schon bald ein twistiger Haken und das ist nicht der Letzte in diesem Spiel: Duncan Wood (Duff) hat zwar die Penunse hinter dem Schnauzbart parat, will sie aber nicht rausrücken. Weil er annimmt, dass seine Holde (Tisha Sterling) enorm untreu ist, will er keinen roten Heller locker machen, was die zu erwartende Summe von 3 auf 2 Millionen reduziert und nicht eben für eine glückliche Ehe spricht. Während die Herren noch über Verantwortung  und Ehegelöbnisse diskutieren, sind die Damen nicht untätig und starten einen Ausbruchsversuch, der erst gut und dann wieder verdächtig schief geht. Derweil haben Saxon und Nielsen schon ordentlich Dampf in der Bluse, denn Nielsens Frau Kim (Sheree North) benötigt mal ganz flugs eine Tagesration Insulin und Saxon liebt seine Barbara (Barbara Perkins) ausnahmsweise mal wirklich von Herzen.

Aber wie wir alle wissen, sind Lösegeldübergaben nicht wirklich eine sichere Sache und so klappt da so einiges nicht wie es soll und der Film hat noch einen zweiten und dritten Twist in der Tüte…

Das Tempo des Films ist jetzt nicht so rasend und etwas dialoglastig ist er auch geraten, aber für einen TV-Krimi war das hochsolide Kost, in der sich der Wind ein paarmal drehte und der gegen Ende noch zu überraschen weiß – und zwar dergestalt, dass die Auflösung mal ein gepflegter Downer erster Kajüte wird. Hier geht keiner lachend nach Hause. Hübsche Drehorte und ein paar Fights sind auch noch dabei, aber der Fokus lag bei einem runden 9-Leute-Cast natürlich auch ein wenig auf der Charakterentwicklung und man sollte nicht allzu überrascht sein, wenn hier Zerbe dann doch nicht ganz so sehr im Zentrum steht, wie am Anfang noch vermutet.

Weil ich natürlich fies und erfahren bin, verrate ich nicht, was in der Folge noch so alles passiert und auch wenn mir die eine oder andere Wendung als ziemlich an den Haaren herbeigezogen vorkommt, funktioniert das mit der tickenden Uhr doch ganz prima.

In einer Zeit, in der Columbo schon in Hochform ermittelte, war auch dieser hübsche Abendfilm von überaus solider Qualität und Besetzung und ergeht sich nicht in total abgenutzten Wendungen. Mit-Autor Rick Husky schrieb später für jede gute Krimiserie und entwickelte mit „SWAT“ und „T.J.Hooker“ auch gleich noch zwei davon selbst – Fans der 70er und 80er haben es ihm sicher gedankt.

Man kann sich den Film inzwischen online über Youtube in OV holen – für mich ein netter Fang, empfehlenswert. 6,5/10










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