Brooke Shields spielt im New Orleans der 1910er Jahre die Tochter einer Prostituierten, gespielt von Susan Sarandon, die mit ihrer Mutter in einem familiär geführten Bordell lebt. Im Alter von zwölf Jahren für 400 Dollar entjungfert, hätte ihr wohl eine Zukunft als Hure bevorgestanden, wäre da nicht ein Fotograf, gespielt von Keith Carradine, der sich in sie verliebt.
Pretty Baby, teilweise von Leben und Werk des Fotografen Ernest J. Bellocq, der tatsächlich Prostituierte in New Orleans ablichtete, inspiriert, sorgte seinerzeit durchaus für einen kleineren Skandal, da es sich um eine zwölfjährige Prostituierte drehte und das Ganze durchaus sehr freizügig in Szene gesetzt war. Aber gerade aufgrund des Mutes und der Konsequenz seiner Macher ist der Film heute noch sehenswert, mitunter schockierend.
Richtig hart ist "Pretty Baby" besonders in der ersten Hälfte und lässt seine Zuschauer durchaus mehrfach schaudern. Der Einblick ins Milieu ist treffend und authentisch, nicht überzogen naturalistisch, macht aber gerade deswegen nachdenklich. Das familiär geführte Bordell, oder Hurenhaus, wie es genannt wird, wirkt harmonischer, als man es sich vorstellt, die Freier sind weitestgehend friedlich, kein brutaler Zuhälter, lediglich eine klassische Puffmutter hat das Kommando, es wird viel getrunken, gefeiert, gelacht, aber natürlich auch miteinander geschlafen. Mittendrin sind jedoch die Kinder der Prostituierten, die von Anfang an das sündige Treiben hautnah erleben, mal eben in Schlafzimmer platzen, in denen die Mütter gerade "arbeiten". Die Verhältnisse, die die Milieustudie offenbart, sind heute im Grunde nicht mehr vorstellbar und gipfeln schließlich in der Entjungferung der gerade einmal zwölfjährigen Protagonistin.
Doch dann baut der Film von Louis Malle, der später unter Anderem "Verhängnis" inszenierte, leider zunehmend ab. Zunächst bleibt das Mitleid für die Hauptfigur, die ein klares Produkt ihres Umfelds ist, sich einen Spaß daraus macht, eine möglichst laszive Art zu entwickeln und ihre Freunde praktisch verspottet, weil sie mir ihren zehn bis zwölf Jahren noch keinen Sex hatten, noch bestehen, doch dann bahnt sich schließlich die unglaubwürdige Liebesgeschichte zum Fotografen an, die zunehmend versandet. Romantisch ist das Ganze zu keinem Zeitpunkt, realistisch wirkt es letztlich ebenfalls nicht mehr, die wahre Begebenheit zündet auch nicht so richtig, da es interessantere Menschen gibt, als zweitklassige Aktfotografen und so baut "Pretty Baby" langsam ab. Besser wäre es gewesen, die Milieustudie weiterzustricken und den Lebenslauf der Protagonistin zu vervollständigen, ein Leben im Bordell aufzuzeigen. Unterhaltsam ist der routiniert inszenierte, langsam aber beständig erzählte Film dennoch. Noch zu erwähnen wäre, dass es Malle gelingt, relativ viel nackte Haut zu zeigen, ohne dabei wirklich erotisch zu wirken, denn das soll er definitiv nicht.
Brooke Shields, zum Zeitpunkt des Drehs gerade einmal dreizehn Jahre alt, spielt die Hauptrolle dabei hervorragend, zeigt ein großes Spektrum, angefangen bei der Nervosität vor ihrem ersten Mal, über ihre kalte, laszive Art, die sie schließlich entwickelt, bis hin zu den kindlichen Facetten, die sie am Anfang des Films zeigt. Während Susan Sarandon eine darstellerisch gewohnt starke Leistung zeigt, wirkt Keith Carradine ein wenig teilnahmslos und findet irgendwie nicht richtig in den Film, obwohl er es für gewöhnlich besser kann.
Fazit:
"Pretty Baby" liefert eine präzise Milieustudie, einen Einblick in das Leben einer minderjährigen Prostituierten, die eigentlich noch mit Puppen spielen sollte, statt sich erwachsenen Männern zu verkaufen und macht durchaus nachdenklich. Doch dann mündet der Film in eine fade, merkwürdige und unglaubwürdige Liebesgeschichte, in der er schließlich versandet. Das Ansehen ist er dennoch wert.
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