Review

"Almanya - Willkommen in Deutschland" ist authentisch, witzig, locker, im Detail originell und nimmt sich selbst nicht zu ernst. Manchmal wirkt der Film auch etwas bemüht, neigt zu Sentimentalitäten, bedient Klischees und nimmt einen vorhersehbaren Verlauf - kurz, eine unterhaltende, schnell erzählte, gut gespielte deutsche Komödie.

Viel mehr Worte wären über die Geschichte des türkischen Gastarbeiters Hüseyin (Vedat Erincin) gar nicht nötig, der nach kurzer Zeit, Mitte der 60er Jahre, schon seine Familie mit Frau Fatma (Lilay Huser) und seinen drei kleinen Kindern nachkommen ließ, bevor das vierte Kind Ali (Dennis Moschitto) schon in Deutschland geboren wurde. Wirklich Aufregendes ist seitdem nicht passiert - die Kinder sind inzwischen erwachsen, teilweise verheiratet, teilweise geschieden, mal mit, mal ohne Kinder. Hüseyin und Fatma sind ein typisches Seniorenpaar mit den üblichen eingeschliffenen Verhaltensmustern, aber gleichzeitig sehr sympathische Großeltern, die gerne ihre Kinder und Enkelkinder um sich versammeln. Das die große Enkeltochter Canan (Aylin Tezel) von ihrem englischen Freund schwanger ist, traut sie sich zwar nicht zu sagen, aber das käme bei einer unverheirateten Studentin auch in anderen Familien vor.

Dynamik kommt in das Geschehen, weil der Großvater überraschend ein Haus in seiner türkischen Heimat, genauer in Anatolien, gekauft hat, und seine Familie ihn dorthin begleiten soll. Natürlich passt das nicht jedem Familienmitglied, aber letztlich verstehen sie sich alle so gut miteinander, dass dem Ausflug nichts mehr im Wege steht. Nicht ohne Grund bildet diese Gegenwartssituation nur den Rahmen, denn die eigentliche Story erzählt Studentin Canan ihrem 8jährigen Cousin - die Geschichte von Opas Weg aus der Türkei in ein Deutschland, das damals händeringend um Gastarbeiter warb.

Durch den Kniff, diese Story in der Story zu erzählen, dazu noch von einer jungen, in Deutschland geborenen Frau gegenüber einem Kind, schafft es "Almanya" dem Geschehen trotz aller Realitätsbezüge die Schärfe zu nehmen. Besonders originell ist der Trick, die Einwanderer hochdeutsch reden zu lassen, während ihre Umgebung ein unverständliches Kauderwelsch spricht. Dadurch bleibt der Betrachter immer auf der Ebene der jungen Familie und kann deren schwierigen Weg in die Fremde bestens nachvollziehen. Der Film spart auch nicht diverse Gemeinheiten aus, wird dabei aber nie verurteilend, sondern schafft es mit einem Augenzwinkern bekannte Verhaltensmuster kritisch zu beleuchten.

So lässig sich "Almanya" einerseits gibt, so spürt man doch, dass er sich auf gefährlichem Terrain vermutet. Wirklich weh tun möchte der Film Niemand. Sowohl die neue deutsche Heimat, die man längst verinnerlicht hat, als auch die Wurzeln in der Türkei kommen nicht zu kurz, das Lustige wechselt mit dem Ernsthaften, und eine allgemeine Toleranz durchzieht den gesamten Film. Eben doch eine typische Komödie, über die man gar nicht viele Worte machen müsste - ansehen und sich gut unterhalten lassen! (8/10).

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