- Zwangsläufig leichte Spoiler enthalten -
Es ist nicht verwerflich, als Nachwuchsregisseur auf einen Zug aufzuspringen, der mit Filmen wie „Cube“, „Saw“ oder „Logic Room“ in Bewegung gesetzt wurde. Doch mit nur zwei Darstellern und äußerst kargen Kulissen muss man sich schon gewaltig anstrengen, um das kritische Publikum auch nur in Ansätzen zu überzeugen.
Und da streut das Skript leider eklatante Schwächen ein, die die brauchbare Grundidee im Verlauf nicht mehr auffangen kann.
Mark (Axel Wedekind) erwacht in einem schalldichten Bunker. Keine Fenster, nur eine runde Eisentür mit unbeweglichem Ventil, ein Metallschrank und eine tote Ratte. Dazu kein Handyempfang, kein Wasser und keine Ahnung über die kurz zuvor stattgefundenen Ereignisse. Als Mark die Wand mit Hammer und Meißel bearbeitet und im benachbarten Raum auf die Afrikanerin Deka (Rungano Nyoni) trifft, die nur Swahili spricht, erleichtert das die Situation keineswegs…
Die Ausgangssituation ist hinlänglich bekannt und doch zunächst spannend verpackt. Gut, Wedekind ist jetzt kein allzu nuanciert agierender Mime, doch rein körperlich gibt er alles, was sich im Verlauf mit ziemlicher Ausgezerrtheit und dem Verspeisen von Maden äußert.
Das erste Drittel funktioniert insofern, als dass der Zuschauer genauso ahnungslos ist wie der Protagonist, der für einige Zeit an einen schlechten Scherz glaubt.
Leider gibt es kaum Rätsel zu lösen; das Öffnen des Metallschrankes und der richtige Einsatz eines Brenners gehen mit der Idee einher, den eigenen Urin aus dem Schuh zu trinken, was irgendwo noch nachvollziehbar erscheint.
Als Mark nach rund 30 Minuten Laufzeit auf Deka trifft, geht es mit der Logik allerdings steil bergab.
Zwar mehrt sich Marks Galgenhumor, doch dafür gehen einige Dialogzeilen komplett nach hinten los und viele Passagen wirken überdies stark improvisiert.
Schlimmer wiegt jedoch die Beliebigkeit des Drehbuchs. Warum sich plötzlich Ventile drehen, sobald die beiden einige Zeit nicht auf die Tür blicken, bleibt ebenso im Dunkeln wie man in völlig hanebüchener Situation Sex haben will.
Auch fraglich ist der Ort des Geschehens, der wohl eher auf eine Zwischenwelt hindeutet, denn Deka wähnt sich noch in Afrika und wollte zu einer Hochzeit, während Mark meint, eigentlich auf dem Weg zur Arbeit gewesen zu sein.
Der entscheidende Genickbruch ist allerdings der Abschluss, denn da hat das Skript offensichtlich keinen anderen Ausweg gesehen als eben jene Radikallösung.
Kein Ende mit Schrecken, aber eines das im Kontext eher verärgert.
So singt Mark ein symbolträchtiges „Die Gedanken sind frei“, Deka muss untertitelt werden, weil einige Aussagen relevant erscheinen, während andere nicht übersetzt werden, ein Grab, ein Sarg und ein Sauerstoffbehälter sind beinahe ohne Bedeutung und insgesamt ist die Nachvertonung nicht allzu sauber ausgefallen, während man der Maske und der Sounduntermalung nichts Negatives ankreiden kann.
Schade, dass Regisseur Stephen Manuel merkwürdige Schwerpunkte setzt, auf Gewalteinlagen fast gänzlich verzichtet und sich am Ende dermaßen verzettelt, dass man die Geschichte kaum mehr ernst nehmen kann.
Irrationale Handlungsweisen der Figuren sind eine Sache, doch zu vage Erklärungsansätze für eine recht merkwürdig verlaufende Geschichte zu wählen, ist das andere.
Handwerklich passabel, darstellerisch noch okay, doch wer eine schlüssige Erzählung mit spannenden Einlagen sucht, wird hier nur schwer fündig werden.
Knapp
4 von 10