Review

Wie üblich unter MGM und damit auch United Artists gehalten, Ausgang der Siebziger Jahre, Credits weiße Schrift auf schwarzem Untergrund, Kostümdesigner Joel Schumacher, Kamera Gordon Willis. Interiors im Original, Innenansichten, eine Wohnung, großteils leer scheinend, dunkel gehalten trotz größerer Fenster mit Ausblick, still gestaltet, eine Person spiegelt sich in einem der Gläser, sie geht umher, der Boden knarrt unter ihren Füßen, die Schuhe poltern, das einzige Geräusch neben dem Rauschen vom Meer. Am Strand spielen auch welche, es ist weit entfernt, ein Trio, junge Mädchen vielleicht oder auch gemischt gehalten, zu weit entfernt:

Arthur [ EG Marshall ], ein Wirtschaftsanwalt, und Eve [ Geraldine Page ], eine Innenarchitektin, sind die Eltern von drei erwachsenen Töchtern. Renata [ Diane Keaton ], die älteste Tochter, ist eine Dichterin, deren Ehemann Frederick [ Richard Jordan ], ein erfolgloser Schriftsteller, sich von ihrem Erfolg in den Schatten gestellt fühlt. Flyn [ Kristin Griffith ], die jüngste Tochter, ist eine Schauspielerin, die die meiste Zeit bei Dreharbeiten unterwegs ist; die schlechte Qualität ihrer Filme wird hinter ihrem Rücken lächerlich gemacht. Die mittlere Tochter, Joey [ Mary Beth Hurt ], die mit Mike [ Sam Waterston ] liiert ist, kann sich nicht für eine Karriere entscheiden und ärgert sich über die Bevorzugung von Renata durch ihre Mutter, während Renata sich über die Besorgnis ihres Vaters über Joeys Orientierungslosigkeit ärgert. Eines Morgens verkündet Arthur unerwartet, dass er sich von seiner Frau trennen und allein leben möchte.

"Ich hatte mein Jurastudium abgebrochen, als ich Eve kennnenlernte.", um damals und rückblickend geht es, es wird von früher, von Würde und wie in einem Eispalast erzählt. Ein riesiger Abgrund muss sich aufgetan haben, so wird es hier erzählt, es geht um Beispiele, um Exempel, um Maos Thesen, um Marxismus und Leninismus, es geht um Kunst und Kultur, es geht um Menschen, es geht um Eve hier, sie wird vorgestellt durch ihren Mann, sie ist in der Ansicht anders als es sich anhört, älter, redefreudiger, schenkender, es geht um Veränderungen, um matte Töne, um mattes Holz hier, es wird plötzlich diskutiert. "Manchmal muss man es erst sehen. Dann weiß man, wie es wirkt", Harmonie ist hier wichtig, für Eve zumindest, für die Anderen weniger, Eve ist enervierend, sie sagt das Wort selber, die Dialogszenen trocken bis knarzend, in einer langen Einstellung. Ein Pärchen wird gezeigt, jünger als Eve, sie streitet wohl öfters, es fällt das Wort "wieder" hier. Auch diese Wohnung ist blass, beige und Erdtöne, als kranke Frau wird sie bezeichnet, es wird nach dem Wohlbefinden gefragt, die Frau ist müde, erschöpft, viel gelaufen den ganzen Tag, die Avenue hoch und runter, das Schlimmste überstanden, die Krankheit nicht erwähnt. Die Stimmung ist gut, so wird es behauptet, Rückschläge werden angedeutet, der Vater, der Ehemann erwähnt, er ist außerhalb des Landes, er ist auch weit entfernt.

Eve wird angeschaut von ihrer Tochter, sie ist zurückhaltend, es geht um Optimismus und Realismus, "es ist bloß ein Ziel, sonst nichts", es fallen Anklagen und Anschuldigungen, es wird lauter im Ton, es wird durch die Wohnung geschrien fast, ein Zwiegespräch erreicht und beendet, den Besuch abgebrochen, wieder eine Wohnung, nun die der scheinbaren Hauptdarstellerin erreicht. Weitere Töchter kommen ins Blickfeld, es wird vorgestellt und analysiert, eine Schlaflosigkeit angedeutet, mehrere Krankenhausaufenthalte erwähnt, eine Elektroschockbehandlung, eine Veränderung der Haarfarbe von dunkel zu grau. Die Frau war mal erfolgreich, früher, vor der Krankheit, von ihrer Beziehung zum damaligen Mann berichtet, es waren die drei Kinder, die am Strand gespielt haben, die Gespräche steif und konsterniert, konserviert, wie eingefroren, die Stimmung ist gedrückt, es wird viel nachgedacht, erforscht und geschwiegen, das Thema will man ablenken, zu etwas anderem übergehen. Ein Auszug wurde als Entschluss gefasst, die Handlung wird fern einer Chronologie dargereicht, die arten einzeln und nicht in Reihenfolge auf den Tisch gelegt, es werden Fragen beantwortet, Lücken gefüllt, eine zeitweilige Trennung steht im Raum, ein harter emotionaler Schlag, eine geistige Impotenz erörtert, eine Lähmung, eine Schreibblockade, Allen als Autor hat hier noch keine, es schafft verschiedene Individuen mit eigenen Sorgen und Problemen, mit Hoffnungen und Ausflüchten, mit dem Streben nach etwas anderem, nach einer Kompensierung, nach einer Erfüllung, nach dem Füllen von Lücken. Gedanken ans Sterben werden geteilt, von jüngeren Leuten, "Die Allgegenwart des Todes ist beunruhigend für mich.", die Dialoge wichtig, jeder einzelne, alle Szenen, wenn auch bar einer Reihenfolge, es geht um das Interesse hier.

Man hat Angst vor vielem, vor dem Leben, man hat das Interesse und den Ausdruck verloren, man bekommt Alternativen angeboten, auch die passen nicht, früher war alles besser, heute nicht. Viele verschiedene Individuen und Paare kommen in das Bild, wie tiefsinnig, und das ohne einen Tropfen Alkohol, auch das wird im Buch erwähnt, ein Geburtstag 'gefeiert', eher eine Totenmesse, es geht um Einrichtungen und das Innenleben der Personen, eine Mutter, ein Vater, die Töchter und ihre Partner, es wird viel getröstet, gut zugeredet, die Schwestern sind ungefähr gleichen Alters. Politik bleibt später weg, Kunst und Kultur kommt wieder zum Thema, präzise, bedeutend, packend, asketisch, viele schreiben hier, viel wird gelesen, viel beredet, Vorstellungen geteilt, Erwähnungen gemacht, plötzliche Besuche, Geschenke aus heiterem Himmel, die Zeichen gedeutet, die Kamera nah an den Personen, "Wir haben alles gesagt." Man wird in Watte gepackt, man zeigt Missgunst und Neid, ein Selbstvertrauen und den Erwartungen gemäß gefilmt, es geht um das Dasein und die Existenz, um das Abbrechen von Konversationen, Neurosen und Symbolismus und Imagination treten hervor, es wird wieder gestritten, es wird auf den Fehlern herumgehackt, das Ich kommt zum Vorschein, der Egoismus aller Beteiligten, die Kompromisssucht, es wird gedrängt und gezwungen, Psychosen aufgezeigt, über die Wohnungen und andere Leute geredet, meist hinter ihrem Rücken, selten frontal, selten von Angesicht zu Angesicht, es wird viel nachgefragt, nach dem Gefallen und dem Zustand, nach einer Kritik, einer Meinung, einer Symbiose mit sich selbst.

Einmal stehen Hausarbeiten an, handwerkliche Tätigkeiten, es werden alle Luken abgedeckt, abgelebt, doppelt und dreifach, mit verschiedenen Arten von Pflastern, dann der Gasherd aufgedreht. Es wird sich noch bewegt in der Wohnung, sich hingelegt, das nächste ist ein Krankenwagen, der durch die nächtlichen Straßen rast, alle wieder versammelt, am Krankenbett, eine Aufnahme in das Sanatorium steht erneut an, eine Wiederholung des Lebens hier. Es geht um Unnahbarkeit, um Gereiztheit, es wird nicht auf den anderen gehört, nie zugehört, nie abgeblockt, wenn es nötig dafür ist, die Zeichen nicht verstanden, es geht vom Herbst in den Winter, es wird noch frostiger als vorher schon, die Gespräche zurückstoßend, ablehnend, ein wenig wie Hannah und ihre Schwestern (1986), ein Frauentrio mit gleichen Genen und dennoch völlig unterschiedlich. Darstellerisch präzise, viel Text, viel Emotionen, viel im Gesicht zu lesen, an den Handlungen, dem Bewegen der Finger, ihre Platzierung. Dunkel sind und bleiben die Räume, Schnee mittlerweile auf den Straßen, weiß die Landschaft, weiß die Bäume. Die Männer in der Geschichte sind nicht gänzlich unwichtig, sie sind aber oft nur Anhängsel, Bindeglieder, ohne Erleuchtung, weniger Stütze und weniger Fundament, eher eigene Problemkinder. Albträume werden gezeigt bzw. davon berichtet, eine Isolation, eine falsche Reaktion, nicht dass, was man eigentlich gebraucht hätte, es wird gemalt und fotografiert und geschrieben und analysiert, eine Konkurrenz unter den Geschwistern, man möchte gerne ehrliche Worte, man misstraut dem Gesagten der Anderen, es spiegelt nicht das eigene Gefühl wider.

"Geistige Impotenz" ist eingangs mal gefallen, daran leiden hier mehrere Personen, eine ständige Unzufriedenheit, selbst eine Schwangerschaft ist eine schlechte Nachricht, man ist sauer auf sich selber. Geld ist nicht das Problem, alles andere sind die Probleme, erwachsene Personen werden hier gezeigt, beim Missverständnis, beim Streiten, innerlich unruhig sind die Gestalten, es wird sich über das Kinderkriegen und das Nicht-Kinderkriegen unterhalten, es ist die obere Mittelschicht hier, die porträtiert und geschildert wird, es geht nicht um die Finanzen, es geht um alles andere. Einmal wird das Gefühl der Zuneigung gezeigt, nur kurz angedeutet, abends im Bett, man sieht die Personen kaum, man ahnt sie nur, man weiß nicht genau, welches der Paare es hier ist. Das Innenleben des Vaters ist gut aufgestellt, er hat sich seine Freiheit genommen, er hat sie genossen, sein Interieur besteht aus einer gut gefüllten Bibliothek, links ein praller Bücherschrank und rechts. Eine neue Person an seiner Seite wird eingeführt, er hat sie aus Griechenland mitgebracht, sie passt besser zu ihm, sie wird den Angehörigen, allen außer Eve natürlich vorgestellt, er ist mit ihr aufgeblüht, sie ist exaltiert, es wird philosophiert, über Sokrates und Schopenhauer gesprochen, ein Theaterstück in seiner Komplexität auseinandergenommen, es geht ums Wissen und ums Fühlen, die fremde Frau ist für das Fühlen und Empfinden, sie passt den Töchtern nicht, aber deren Männern, sie ist offenherziger, einfacher als die Stiefmutter, sie interessieren sich gegenseitig, es wird eine Offenbarung gemacht, ein schwieriges Gespräch folgt, ein Seelendrama angedacht.

Mal wird eine Lampe angemacht, ein Schummerlicht, ein Dämmerlicht, ein kurzer Schein mitten in der Zimmerecke, es wird Partei ergriffen, eine Zustimmung aller Töchter gesucht und gebraucht, die Vater ist Mitte 60, er hat noch viel vor sich, er hat schon viel hinter sich, im Gegensatz zu seinen Kindern sieht er einen Ausweg, das passt den Töchtern nicht. Das nächste Gespräch ist nicht einfacher, es ist noch schwerer als das vorhergehende, aus einer zeitweiligen Trennung eine formvollendete gemacht, eine neue Frau gefunden, die Hoffnung der früheren Frau genommen, ein Ausbruch von Gewalt, eine Eskalation; Empfindungen und Abneigungen. Einmal sind die Töchter allein im früheren Elternhaus, das Meer wird für einen Moment deutlicher gezeigt, eine Idylle scheinbar gewesen, auch am Strand entlang gegangen, vorher dort gespielt, nun über die Depressionen gesprochen, über das Älterwerden, eine Sterilität in der Wohnung, in dem Haus angenommen. Einmal ist die Kamera weit entfernt von den Personen, von den Gesprächen, eine Kamerafahrt oben auf den Dünen, während die Frauen durch den Sand wandern und hinaus auf die See blicken; "Es kommt mir vor, als wären wir beide Gestalten eines Traums." Ein kurzes Entrücken, ein kurzes Schweben.

Nur auf der Hochzeit ist es etwas heller, die Trauung abgehalten in dem Haus, "Ich hab mir immer erwachsene Söhne gewünscht", es wird getanzt, den schönen Tag zelebriert, alle sind anwesend, außer Eve, mal ist das Glück, mal ist es nur gespielt, mal wird gezeigt, dass man nicht einverstanden ist damit, die Blicke hin und her, die Stimmung beschwingt und gleichzeitig traurig, es wird viel getrunken, es sind neue Umstände eingetreten, alles verändert inzwischen, ein neues Paar, ein neues Leben, der Alkohol trübt die Gedanken, wieder eine Eskalation, nicht die erste, wahrlich nicht die Letzte, das Meer rauscht, es tobt, es wird Leben genommen und sich welches zurückgeholt.

Details
Ähnliche Filme