Review

kurz angerissen*

Wenn Lucky McKee vor allem die Drastik einer typischen Jack-Ketchum-Erzählung einfangen sollte, so ist ihm das mit „The Woman“ zweifellos gelungen. Über „The Lost“ (2006) und „Red“ (2008) hat er bereits Erfahrungen mit der Adaption vom Material des Autoren machen können und lässt diese nun einfließen, um das Fleisch bis auf die Organe abzuschälen und hartes Terrorkino daraus zu gewinnen, mit dem vor allem der dunkle Kern der menschlichen Natur freigelegt werden soll.

Schon in Ketchums Romanen schwingt angesichts der geschilderten Brutalität oft so etwas wie resignierender Humor durch; im Film führt erst recht kein Weg an einer zynischen Abstrahierung dessen vorbei, wozu der Mensch als solcher offenbar in der Lage sein kann. Was schon wie ein ironisches Zerrbild des Perfect American Life beginnt, endet folgerichtig im viehischen Exzess und demzufolge mit einem Bein in der Pulp-Unterhaltung aus der B-Sparte. Ob man nun patriarchale Strukturen betrachten möchte oder den Blick geschlechtsneutral auf die Dynamik von Aggression und Passivität legt, „The Woman“ entpuppt sich als zutiefst expressives Kammerspiel, bei dem es der Intensität keinen Abbruch tut, ob man nun Sean Bridgers beim Machtmissbrauch, Zach Rand bei der Imitation, Angela Bettis beim Nichthandeln oder Pollyanna McIntosh beim Abwarten zusieht.

Die Aussage des Filmes ist in vielerlei Hinsicht von Härte und Gerechtigkeit beseelt und sucht nach einem kosmischen Ausgleich, der ihn weniger als realistisches Psychodrama dastehen lässt als vielmehr wie eine blutige Fabel mit moralischer Essenz. So ist es nicht unbedingt wie bei einem typischen Home-Invasioner die Situation, die den Zuschauer zermürbt auf der Couch zurücklässt, sondern die generelle Vorstellung davon, wie bestialisch das vermeintlich Normale sein kann.

*weitere Informationen: siehe Profil

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