Neandertaler Ao ist auf der Jagd nach einer Bestie, und findet seine Familie bei seiner Rückkehr ermordet vor. Er macht sich auf die weite Wanderung nach Süden, um zu seinem ursprünglichen Clan und seinem Zwillingsbruder Oa, von dem er als Junge weggetauscht wurde, zurückzukehren. Auf der Wanderung trifft er auf Aki, die ganz anders ausschaut, als er.
Der Neandertaler ist zwar mit uns entfernt verwandt, starb aber vor etwa 40.000 Jahren aus (laut Film vor etwa 30.000 Jahren). Die Ursachen sind umstritten, reichen von Krankheiten über mangelnde Geburtenraten im Vergleich zum Homo Sapiens bis hin zu mangelnder genetischer Vielfalt. Was immer es war, sie hatten Sprache und Feuer und für eine lange Zeit besiedelten sie quasi ganz Europa.
Ein Film über diese Höhlenmenschen könnte ein echt spannendes Projekt sein, so man sich denn für eine klare Marschrichtung entscheiden kann. Regisseur Jacques Malaterre hat das leider nicht hinbekommen, doch vieles an seinem Film passt und ist wirklich gut geworden.
Da wären schonmal die gesamte Optik des Films, die auf ganzer Linie überzeugen kann. In wunderbar breitem Format werden herrlich Landschaften gezeigt, tolle Setpieces und auch sonst eine gute und vor allem stimmig wirkende Ausstattung. Zudem hat man sich wohl eine Kunstsprache ausgedacht, die angemessen roh und einfach klingt und die Neandertaler, wie wir sie uns vorstellen, gut zu Gesicht steht.
Und dann ist da noch die Geschichte um den vermeintlich letzten Neandertaler mit einem Schuss Tragik und Melancholie, erstaunlicher Friedfertigkeit (nur von Seiten Aos), die auch noch recht spannend bebildert und gut gespielt wird.
Was diesen guten Eindruck leider arg zunichte macht und eine völlig andere Marschrichtung einschlägt, ist der Off-Kommentar von Ao und später auch Aki. Der ist erstens relativ unnötig für das Verständnis der Geschichte und bringt uns die Gedanken der beiden Protagonisten näher. Ja, da gibt es Formulierungen wie "ihm wurde der halbe Blick gestohlen" (auf einem Auge blind), aber insgesamt besteht dieser Off-Kommentar aus klarer moderner Sprache, aus komplexen modernen Gedanken und stellt damit einen krassen Stilbruch zu den gezeigten Bildern und der Grunzlaut-Sprache dar, die uns ansonsten hier präsentiert werden.
Gefühlt unpassend erscheint auch die bildschöne Darstellerin der Aki, die zwar hervorragend spielt, aber für die Zeit der Höhlenmenschen einfach viel zu schön ist, gerade, saubere Zähne hat, obwohl sie oft auf irgendwelchen Dingen herumkaut oder Farbe im Mund anmischt. Allgemein sind die Homo Sapiens eher gutaussehend.
Und zu guter letzt setzt das schmalzige Ende mit einer perfekten kleinen Familie dem ganzen die Krone auf. Ein Happy End dieser Art gehört in einen Schmachtfetzen, aber nicht zum letzten Überlebenden seiner Art. Auch das passt einfach irgendwie nicht zu der Geschichte.
Tolle Ansätze eines Höhlenmenschenfilms, die mit einem gelackt-modernen Off-Kommentar und einem schmalzigen Ende zunichte gemacht werden. Optisch ansprechend, aber für die Ohren ist das nix.