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Es ist ein erschreckendes und gleichermaßen nicht ganz unrealistisches Gedankenspiel, wenn ein Virus mit höchster Ansteckungsgefahr und minimaler Inkubationszeit bei einer großen Menschenansammlung ausbrechen würde.
Dieses Szenario setzt Regisseur und Co-Produzent Tony Tilse für seinen TV-Film phasenweise recht dramatisch um, auch wenn er sich nicht sonderlich müht, die Klischees des Katastrophenfilms zu umgehen.

Rock Island, nahe Sydney: Ein großes Musikfestival soll Tausende von jungen Besuchern anlocken, doch Zed und Ari schleichen sich heimlich durch einen Tunnel auf das Gelände, wo sie einen blutüberströmten Mann vorfinden. Nachdem der Unbekannte im Hospital verstirbt, entdeckt man bei der Obduktion ein unbekanntes Virus, während Zed mitten auf dem Festivalgelände die ersten Symptome der überaus ansteckenden Krankheit aufweist…

Viele Zutaten sind scheinbar obligatorische Inhaltsstoffe des gängigen Katastrophenfilms, vor allem skrupellose Politiker dürfen auf keinen Fall fehlen.
Hinzu kommen einige parallel ablaufende Handlungsstränge, um möglichst viele Figuren einzubinden, wobei die Welt trotzdem erstaunlich klein ist, da sämtliche Familienmitglieder des Helden Jim involviert sind.
Jener muss gemeinsam mit dem Militär-Agenten Hirsch versuchen, die Quelle des Virus ausfindig zu machen und gleichzeitig wird natürlich nach einem Gegenmittel gesucht, während auf der Insel so langsam Unruhe aufkommt, nachdem bereits über ein Dutzend Personen infiziert sind.

Selten hat man in einem TV-Film so viele Leute erbrechen sehen, denn beinahe im Minutentakt spucken Leute Blut, es wird direkt auf die Kamera gekotzt oder, im fortgeschrittenen Stadium, schwarze Suppe hoch gewürgt.
Drastisch sieht das schon aus, etwas ekelig ist es auf Dauer jedoch auch.
Demgegenüber arbeitet die Maske ausgezeichnet, denn die Infizierten sehen wahrlich bemitleidenswert aus, wenn Adern unter der Haut reißen, die Pupillen glasig werden und die Motorik irgendwann völlig versagt.

Als die komplette Insel unter Quarantäne gestellt wird und das Militär zur Überwachung anrückt, kommt es zu einigen effektiv inszenierten Momenten, etwa, als einem Jungen kurzfristig die Flucht durchs Wasser gelingt, die Ärzte im Zelt kollektiv verzweifeln oder sich Unruhe in der ahnungslosen Menge breit macht.
Zwar ist der Score zuweilen etwas dick aufgetragen und möchte einem mit seinen schwülstigen Streichern ein paar Tränchen des Mitgefühls entlocken, doch dafür mangelt es den Figuren letztlich doch an Tiefe.

Im Endeffekt bringt der Streifen alles mit, was ein Katastrophenfilm mit einem tödlichen Virus ausmachen sollte: Beispielhaft handelnde Helden, verzweifelte Angehörige von Betroffenen, ein vehement auftretender Militärtyp, ein Reporterteam vor Ort und die Option einer Hoffnung, auch wenn es sich die Erzählung an dieser Stelle etwas zu leicht macht.
Bietet dem Genrefreund zwar nichts Neues, aber kurzweiligen Stoff auf solidem Niveau, einschließlich der üblichen Logiklücken und hanebüchenen Zufälle.
6 von 10

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