Review

A Better Tomorrow 2K12

Zweifelsohne gehört John Woo's „A Better Tomorrow“ zu den ganz großen Klassikern des modernen Actionkinos, welche in den 80er – 90er Jahren, die ehemalige Kronkolonie Hongkong hervorbrachte. Gleichsam prägend und viele Plagiate nach sich ziehend bleibt das Original bis Heute unerreicht. Lediglich die offizielle Fortsetzung darf sich als gelungenes Remake outen, toppt es doch noch die grafische Wucht des Vorgängers in ihrer Kompromisslosigkeit und darf trotz inhaltlicher Schwächen als gelungen angesehen werden. Verblendete Fans des Herrn John Woo werden sowieso nix anderes bestätigen und diese Produktion unterstreicht dies sehr ansehnlich.

Zugegeben ein reißerisches Cover samt knalligem Text, haben auch mich dazu veranlasst einen Blick auf die deutsche Blu-Ray zu werfen. Der Einstieg vollzieht sich dann auch überaus klassisch, wenn nicht sogar gelungen. Langsam werden die Figuren eingeführt und zumindest nicht überzeichnet, was den Ganzem eine glaubwürdige Note verleiht. Die Protagonisten sind sympathisch und eine relativ klare Trennung zwischen Gut und Böse ist sichtbar. Die Geschichte um Brüder, Freundschaft, Verrat und Loyalität bietet inhaltliche Eckpfeiler und dient als dramatische Basis. Nachtclubs, Waffenhandel, rauchende Kerle fehlen auch nicht, dafür die Frauen. In den ganzen 120 Minuten ist tatsächlich nicht eine einzige Lady zu sehen. Aber das muss wohl so sein im Männerkino. Die Macher konzentrierten sich primär auf das Brüderpaar und die Problematik, welche sie gewissermaßen von einander trennt und doch zusammen hält. Dies und natürlich der Disput mit dem Verräter. Man(n) kann darüber reden, allem aus dem Weg gehen oder einfach die Waffen sprechen lassen. Der geneigte Zuschauer wünscht und hofft auf letzteres, doch der eingangs erwähnte plakative Text entspricht nicht mal ansatzweise dem Gezeigten. Es gibt 3 Shootouts zu sehen, und die ersten beiden überzeugen in ihrer Machart und beim zitieren des Originals. Querverweise und Detailverliebtheit zuhauf machen Lust auf mehr. Doch die letzte Sequenz, der Showdown, wird dem Gesamtwerk nicht gerecht. Nein eigentlich ist er sogar eine Frechheit (vor allem bei dem Covertext). Pompös wird geballert, destruktiv explodiert, aber alles so, sagen wir mal „Woo“los. Keine Choreografie, kein tanzen und keine Zeitlupe. Zwar könnte man dies als Versuch einer eigenen Handschrift auslegen, doch erscheint dies albern und unsinnig, bedenkt man das es sich hier um das Remake eines John Woo-Filmes handelt. Blutig und Temporeich ja, aber stilisiert und wuchtig, ausufernd und übertrieben – nein. Schade eigentlich. Zwar steht Woo drauf (auch als Produzent wird er aufgeführt) aber bekommen tut man allenfalls solide, austauschbare Kost aus Fernost.


Zu gewagt war das Vorhaben solch einen Klassiker neu aufzubereiten und zu verhalten das Vorgehen.

Die Darsteller sind durch die Bank klasse und Charisma will ich gar nicht absprechen, doch Chow-Yun Fat wurde damit einfach zum Inbegriff eines coolen Gangsters und wer das Vorbild kennt weiß auch warum.
Dramatik, Dialoge, Gewalt und Zigaretten, alles ist dabei in dieser farbenfrohen Produktion. Selbst der Trenchcoat und die Pornosonnebrille fehlen nicht. Jedoch will der Funke nicht überspringen und es bleibt nur solide Actionkost, welche ohne Vorkenntnis eventuell sogar gefallen könnte.

Eventuell trägt auch die deutsche Syncro ihren nicht zu unterschätzenden Beitrag dazu bei, denn so wird unter anderem der kleine Bruder mit fortschreitender Laufzeit mehr und mehr zum Jammerlappen. Und das geht ja mal gar nicht. Zumal er, selbst für asiatische Verhältnisse, ein eher ungewöhnliches Happy End beschert, welches ich paradoxer Weise gut fand.

5/10 und doch lieber das Original anschauen!!!

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