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"Du kommst wohl nicht aus der Gegend."

Das Chamäleon Rango fällt bei einer Autofahrt mitten in der Wüste aus seinem Terrarium. Bislang hatte es seine Abenteuer nur mittels einer kopflosen Puppe, einer Plastikpalme und einem aufziehbaren Fisch in seiner Fantasie erlebt. Erstmalig muss sich Rango in einer rauen, lebensbedrohlichen Umgebung abgeben. Er trifft auf die Wüstenleguanin Bohne, die ihn zunächst mit einem Gewehr bedroht, dann aber in die Kleinstadt Dreck mitnimmt. Dort sieht er seine Chance zur Verwirklichung seines Traumes ein Held zu sein und gibt prahlerisch seine erfundenen Abenteuer zum besten. Er erzürnt damit die Echse Bad Bill. Bei einem Duell erscheint ein Habicht, den Rango durch glückliche Umstände unter einem Wasserturm begräbt. Daraufhin ernennt ihn Bürgermeister John zum Sheriff. Eine Dürreperiode plagt die Stadt und auf unerklärliche Weise verschwindet Wasser aus der Bank. Rango soll herausfinden was es mit dem Diebstahl auf sich hat und gerät dabei an ein Komplott des Bürgermeisters.

Regisseur Gore Verbinski ("Fluch der Karibik"-Reihe) ging mangels Erfahrung im Sektor der Animationsfilme einen ungewöhnlichen Weg. Um das Maximum an Emotionen aus den animierten Figuren herauszukitzeln ließ er die Synchronsprecher in einer realen Umgebung mit Requisiten und Kostümen ihre Rollen spielen. Das entstandene Material wurde für die Tricktechniker eine Vorlage zu einem der ungewöhnlichsten und gleichzeitig besten Animationsfilme der letzten Jahre.

Der Western ist wieder Hip. Im Jahre 2011 hat das Genre nach "True Grit" und der Ankündigung von "Cowboys & Aliens" auch auf den Animationsfilm übergegriffen. "Rango" hält sich an sämtliche Konventionen des Western. Ein staubiges Setting, heruntergekommene Charaktere, die plötzliche Stille während ein Fremder den Saloon betritt, das obligatorische Duell zur Mittagszeit und den Ritt in den Sonnenuntergang. Der Animationsfilm macht gar keinen Hehl daraus, sich seiner Elemente frei aus allen möglichen Western-Filmen zu bedienen und zitiert sogar aus "Star Wars", "Mad Max", "Apocalypse Now" und "Der Wüstenplanet" Figuren, ganze Sequenzen, Musik und Dialoge.

"Rango" ist primär ein Film für ein jung gebliebenes, erwachsenes Publikum. Allein durch das eigenwillige Aussehen der Figuren, die Verwendung von Schusswaffen, Explosionen und der Bedrohung der Helden dürfte ein sehr junges Publikum überfordert sein. Die komplexen und anspruchsvollen Dialoge sowie die vielen Verweise zu Filmklassikern sprechen für sich. Ebenso der Mut zur Exzentrik, der "Rango" merklich von den Genrekollegen abhebt.
Ein Großteil des Humors basiert auf hoffnungsloser Übertreibung. Seien es die überspitzten Dialoge, ironisch, zynische Töne oder Slapstick und Situationskomik. Der Animationsfilm punktet fast immer mit treffsicherem Witz, bereitet nebenbei aber auch nachdenkliche Momente vor.

Die Handlung verläuft eher schlicht und ohne große Überraschungen. Dafür enthält "Rango" eine Animation, die mit so bislang noch nicht gesehenen, detaillierten Landschaften und glaubhaft-comichaft animierten Figuren selbst das renommierte Pixar Animation Studio in seine Schranken verweist. Das Tierreich fällt durch Echsen, Mäuse, Kakerlaken, Hasen, Geier, Stachelschweine, Schildkröten, Füchse, Eulen und Habichte enorm variantenreich aus, wobei die wichtigsten Protagonisten zutiefst menschliche Züge an den Tag legen.

"Rango" füllt mit seinem unkonventionellen Stil sowie dem unverbrauchten Setting eine Nische im Animationsgenre. Hat man sich an den ungewöhnlichen Look jenseits der Verniedlichung gewöhnt, erkennt man dahinter die feinen Anspielungen, die auch was den Hintergrund der Geschichte angeht, für einen Animationsfilm erstaunlich komplex geraten sind. Der Animationsfilm ist kreativ und durch seine ideenreiche Übertreibung enorm spaßig. Obwohl Charaktertiefe und Actionszenen weit weniger ausgefeilt sind unterhält "Rango" enorm. Auch durch seine optischen Qualitäten, die in der Animation der Figuren sowie der Umgebungen alle Register zieht.

10 / 10

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