Warum Brautalarm so dermaßen abgefeiert wurde, kann ich absolut nicht verstehen. Noch weniger kann ich verstehen, dass es als weibliches Hangover gepriesen oder mit Sex and the City verglichen wird. Wir wollten einen lauschigen DVD-Abend machen, und mit einem "Du kannst ruhig mitschauen, der ist sicher auch was für Männer." konnte ich auch meinen Mann überzeugen, sich den Streifen anzutun. Er tat mir nach einer halben Stunde schon beinahe Leid. Aber kommen wir erstmal zum Inhalt:
In Annies Leben geht es nur noch bergab: sie musste ihre Bäckerei schließen, ihr Lover behandelt sie wie das Letzte, ihr Auto ist kaputt und zu guter Letzt wird sie von ihren beiden grenzdebilen Mitbewohnern aus der WG geworfen und muss wieder bei ihrer Mutter einziehen. Zu allem Überfluss soll sie eine der vier Brautjungfern ihrer besten Freundin Lillian sein, die bald heiraten wird. Diese bittet sie auch, die Hochzeitsvorbereitungen zu managen. Eigentlich ein Grund zur Freude, und Annie übernimmt diese Aufgabe auch gern, doch was als Spaß anfängt, wird schnell zur Katastrophe, denn Lillians neue Freundin Helen versucht das Ruder an sich zu reißen, und so endet das ganze Spektakel in einem ausufernden, eifersüchtigen Konkurrenzkampf zwischen den beiden Brautjungfern.
Eine Komödie sollte Humor bieten, und um sich Komödie schimpfen zu dürfen am besten gleich eine Menge davon. Leider bleibt genau der aber in Brautalarm auf der Strecke. Weder die beiden dämlichen Mitbewohner Annies noch ihre überdrehte Mutter sind wirklich witzig, und die meisten Gags ringen einem gerade mal ein müdes Schmunzeln ab. Das Redner-Duell kann man allenfalls als peinlich bezeichnen, ich hab mich fremdgeschämt. Die beste Szene bleibt die viel gerühmte Brautgeschäft-Szene, und auch die spricht einen nur an, wenn man über eine gewisse Art von Fäkalhumor verfügt. Leider gibt es hier Abzug auf der ganzen Linie, und stellenweise artet der Handlungsstrang in ein Drama aus. Apropos Handlungsstrang: der ist weder neu noch originell, aber das ist ein Manko, dass vielen anderen (auch großen) Filmen ebenfalls anzukreiden ist, und in Brautalarm könnte man damit auch durchaus leben, wäre der Rest gelungen. Wenigstens ich als Frau fand die Handlung dann noch halbwegs interessant, kann ich doch Annies Probleme halbwegs nachempfinden. Mein Mann dagegen hat sich tapfer gegen die sich einschleichende Müdigkeit gewehrt. Ich glaube, hätte er den Film allein geschaut, er hätte abgeschaltet oder wäre eingeschlafen.
Aber vielleicht überzeugt ja die darstellerische Leistung? Ja. Kristen Wiig als Annie hat hier solide Arbeit abgeliefert. Die frustrierte Annie kauft man ihr mimisch ohne zu zögern ab. Auch Rose Byrne als Helen verkörpert die perfekte Zicke, aber den Dreh zum Ende bekommt sie dann doch nicht hin. Positiv zu erwähnen ist Chris O'Dowd als Officer Rhodes. Ich finde es immer wieder schön zu sehen, wenn man auf Charakter setzt und auf den typischen Hollywood-Beau verzichtet. Doch, er ist nett anzusehen, aber er hat eben doch mehr den Charme des netten Cops von nebenan. Besonders gefreut habe ich mich auf Melissa McCarthy, aber leider wurde ich ein wenig enttäuscht. Die Rolle ist nicht durchweg schlecht und gehört eigentlich sogar zu den komischeren Elementen des Films, aber an einen Kevin James beispielsweise reicht sie noch lange nicht heran. Da wäre mehr drin gewesen.
Fazit: Wer hofft, hier den Garant für viele Lacher zu finden, wird leider enttäuscht sein. Weder die Storyline und erst recht nicht der Humor können überzeugen, lediglich die Darsteller machen das Beste aus der Misere. Aus großer Vorfreude folgte große Enttäuschung. Schade.