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Mit ihrem erst zweiten Film kann Ami Canaan Mann, Tochter von Regisseur Michael Mann „(Collateral“) noch nicht so wirklich Akzente setzen, denn trotz Mitarbeit ihres Dads im Hintergrund fehlt dem Krimi-Drama eine markante Note mit Überraschungseffekt.
Dabei böten die sozialkritischen Ansätze durchaus eine brauchbare Grundlage für mitreißenden Stoff.

Rund um Texas City ermitteln die Cops Mike (Sam Worthington) und Brian (Jeffrey Dean Morgan) in einem Mordfall an einer jungen Frau, als ein weiteres Mädchen als vermisst gemeldet wird. Rasch entdeckt man Zusammenhänge zwischen einigen Vorfällen und observiert dabei das Umfeld der jungen Ausreißerin Anne (Chloe Grace Moretz), welche schon bald im Visier der Kriminellen landet…

Bereits die ersten Bilder der insgesamt ruhig erzählten Geschichte verdeutlichen, dass Mann beileibe keine Anfängerin ist, denn die Kamera wirkt von Beginn an äußerst durchdacht und vermag binnen weniger Einstellungen eine leicht bedrohliche Atmosphäre erzeugen, die durch die Kulissen des White Trash noch verstärkt wird. Insofern punkten primär die düsteren Schauplätze, die finsteren Sumpflandschaften und die einsamen Straßen, auf denen man jederzeit mit dem Übelsten rechnen kann.

Leider ist es um die Figuren der ermittelnden Cops nicht so gut bestellt. Während beide in bestimmten Situationen zu impulsiven Gewaltausbrüchen neigen, ist Brian dennoch eher der einfühlsame und besonnen agierende Part, der allerdings häufig abseits seines Zuständigkeitsbereiches handelt. Mike hingegen stichelt gegen seinen ursprünglich aus New York stammenden Kollegen wegen seines Glaubens an Gott und dem damit verbundenen Gedanken an das Gute im Menschen.
Beiden Figuren mangelt es jedoch an Background und so wirken die Gesetzeshüter in vielen Situationen austauschbar und zu stereotyp.

Gleiches gilt in Ansätzen auch für die potentiellen Verdächtigen, welche zwar treffend besetzt sind, jedoch zu eindeutig auf finstere Pläne hinweisen, indem Klischees sozialer Brennpunktfamilien unreflektiert aneinandergereiht werden und insbesondere die Kerle als potentielle Freier dargestellt werden, während sämtliche Frauen entweder voll auf Drogen sind, in jeder Hinsicht schlechte Mütter repräsentieren und nur selten überhaupt so etwas wie Emotionalität an den Tag legen. Infolgedessen ist der Täterkreis recht überschaubar, während die einzig wirklich spannende Figur der jungen Anne fast schon zur Randerscheinung verkommt.

Aufgrund der durchweg überzeugenden und recht präsenten Mimen im Zusammenspiel mit der recht soliden Inszenierung sind trotz einiger Längen keine eklatanten Schwachpunkte auszumachen. Das Südstaaten-Milieu wird fast durchweg atmosphärisch in stilvolle Bilder verpackt, der zurückhaltende Score transportiert die Stimmung adäquat, die wenigen Actionszenen überzeugen durch Drive und gutem Timing, nur fesselt der Stoff eben nicht, weil er einerseits zu ruhig erzählt wird und andererseits die Geschichte zu austauschbar und überraschungsarm daherkommt, um über die volle Laufzeit zu unterhalten.
Er hat zwar seine spannenden Momente, doch für ein Drama geht der Stoff zu wenig in die Tiefe, für Ratefüchse bieten die Mordfälle hingegen einen zu überschaubaren Täterkreis mit erahnbaren Motiven.
5,5 von 10

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