Review

Die Zutaten von „The Holding“ dürften dem Genrefreund reichlich bekannt vorkommen und wenn urplötzlich ein Fremder bei einer allein erziehenden Mutter auftaucht, wird klar, dass sich dieser mindestens als Psychopath entpuppen dürfte.
Und tatsächlich: Wer „Die Hand an der Wiege“, „Eine verhängnisvolle Affäre“ und vor allem „Stepfather“ gesehen hat, weiß bereits nach zwanzig Minuten, worauf vorliegender Streifen hinauslaufen wird, auch wenn er mit einigen interessanten Elementen angereichert wurde.

Cassie (Kierston Wareing) bewirtschaftet eine abgelegene Farm auf dem Land und kämpft mit finanziellen Problemen, welche der dubiose Nachbar Karsten (Terry Stone) nicht ganz uneigennützig aus dem Weg schaffen möchte. Als die Geburt des Kälbchens zum Debakel zu werden droht, schreitet der Fremde Aden (Vincent Regan) hilfreich ein und darf fortan in der Scheune übernachten. Noch ahnen Cassie und ihre Töchter nichts von der finsteren Seite in Aden…

Die Kulisse der abgelegenen Farm fördert die bedrückende Stimmung enorm, zumal die isolierte Lebenssituation hervorragend auf den Punkt gebracht wird. Die pubertierende und rebellische Tochter Hanna flüchtet sich zu ihren wenigen Freunden, während Kind Amy Zuflucht in der Welt der Bibel findet, was zuweilen etwas dick aufgetragen wird.
Cassie hingegen versucht den einstigen Familienbetrieb am Leben zu halten, nachdem ihr Mann Dean vor acht Monaten verschwand.
Allerdings weiß der Betrachter seit der ersten Szene, dass verschwunden bedeutet: Cassie und ihr langjähriger Hilfsarbeiter Cooper brachten Dean um die Ecke, aus halbwegs nachvollziehbaren Gründen, wie man später erfahren wird.

Mit dem Erscheinen Adens wird sogleich klar, dass hier ein Wolf im Schafspelz etwas im Schilde führt, wie er da zunächst einsam an der Zufahrt steht, an seinem Feuerzeug herumspielt und die Farm beobachtet.
Er gibt sich als einstiger Freund Deans aus und wird zunächst misstrauisch begutachtet, doch mit der Zeit gewinnt er das Vertrauen von Cassie und Amy, während Hanna Zweifel bleiben.
Als Aden sein wahres Gesicht zeigt, was zunächst nicht im Beisein von Cassie und ihren Töchtern geschieht, steht die Härte und Konsequenz im totalen Kontrast zur ansonsten eher ruhigen Erzählweise.

Das kommt insofern der Unberechenbarkeit Adens zugute, denn lange Zeit kennt niemand seine Absichten oder Motive und somit ist man seinem scheinbar willkürlichen und oftmals impulsiven Handeln ausgeliefert.
Ein kleiner finaler Twist bringt letztlich Licht ins Dunkel, wobei die Beweggründe ein wenig an den Haaren herbeigezogen sind und auch einige Logiklöcher mit sich bringen.

Auf handwerklicher Ebene vermag das Langzeit-Debüt von Susan Jacobson durchaus zu überzeugen, denn sie zeigt ein Gespür für treffende Kameraeinstellungen und schafft es vor allem, die Figuren effektiv in Szene zu setzen, was natürlich primär Aden gilt.
Aber auch Cassie und ihre ältere Tochter Hanna werden als starke Persönlichkeiten dargestellt, was der Konstellation spätestens zum Finale zugute kommt, welches folgerichtig eine deutliche Temposteigerung aufzuweisen hat.

Schlussendlich gelingt es der Geschichte jedoch nicht, sich von der breiten Masse derer abzuheben, bei der sich ein Fremder auf heuchlerische Art Zutritt und Vertrauen einer Familie verschafft. Reichlich erahnbar erscheinen die groben Verlaufsmerkmale und trotz teilweise sehr guter Performances (Vincent Regan als Aden, Terry Stone als Karsten) und handwerklich solider Arbeit ist eine Empfehlung nur bedingt auszusprechen, denn Genrefans dürften insgesamt kaum überrascht, aber zumindest halbwegs passabel unterhalten werden.
6 von 10

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