Desert Storm, der zweite Golfkrieg. Zwei Geschichten. Die erste beginnt mit zwei Kindern, die tot in einem dreckigen Fluss treiben. New Mexico, 1990. Fernanda Hussein, die vom Polizeibeamten argwöhnisch angesehen wird, als sie bei der Vermisstenanzeige ihren Namen nennt. Arabs Go Home! Stand noch kurz zuvor an der Tür ihres randalierten Hauses. Parallell dazu eine Highschool, ebenfalls in New Mexico, 1991. Ein junger Aktivist versucht Flugblätter gegen den Irakkrieg zu verteilen. Sein Vater schnauzt den Lehrer an, der sich auch an den Protestaktionen beteiligt. Er befürchte, diese politischen Gedanken unterminieren seine Autorität. „Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass jede Autorität unterminiert werden sollte." meint darauf der Lehrer.
Gianvitos Ambition, ein Bild der Zeit zu geben, verlässt sich nicht auf den repräsentativen Charakter seiner intimen Geschichten. Ein kleiner Ausschnitt, ein Wetterleuchten im Verblendungszusammenhang der Kriegspropaganda, die besonders illustrativ in einer Sequenz wird, in der ein Feuerwerk, das euphemistisch das bunte Treiben der amerikanischen Jungs gegen Saddam in effigie simulieren will, geschnitten gegen die Actionfiguren in einem Spielzeuggeschäft, GI Joe Puppen mit unsäglichen martialischen Slogans, die die ganze Selbstverständlichkeit der Kampfhandlungen und ihren zwangsläufig positiven Ausgang in großen bunten Buchstaben proklamieren. Die Zeiten von unschuldiger Cowboy-und Indianer Geschichtsaufarbeitung scheint damit vorbei. Als die Kinder Fernanda verlassen, die, wie ein Zeitungsartikel andeutet, aufgrund ihres Nachnamens sterben mussten, (der Film enthält sich dabei jeder weiteren Auflösung), verlässt auch die Erzählung ihre namensgebende Figur, lässt sie allein durch die Steppenlandschaft New Mexicos laufen und konzentriert die Erzählung auf den jungen Despoten, der bald von zu Hause wegläuft und mit post-Hippies, gitarrespielend ein Bohème des US-Kleinbürgertums wird. Wie bei manch anderen Protestlern scheint auch hier eine Subsitution die Teenagerrebellion in politisch grobschlächtig-reflektierte Kanäle laufen zu lassen; der Schock über die vielen unschuldigen Toten, die von der kleinen Gruppe besorgter Lehrer und Schüler mit einem symbolischen Akt begangen werden muss, denn irgend eine Flagge oder Meinung muss man ja haben, wie später eine selbstbekennende lebenslange Friedensaktivistin erzählt.
Die dritte Hauptfigur, ein aus dem Krieg zurückgekehrter Soldat weiß auch um die zivilen Opfer, schließlich räumte er die Straßen nach den mehrtägigen Bombenangriffen, die als reale Fotoaufnahmen seine Ausführungen ergänzen, dabei aber schon auf einen Kontext treffen, der sie nicht zur plakativen Überspitzung geraten lässt. Gianvito hat kein Interesse an großen Botschaften, seine Porträts laufen nicht zu einem bestimmten Punkt zusammen, der den Film retrospektiv wie ein abgekartertes Spiel aussehen lassen würde. In den drei Stunden Filmlaufzeit werden eine kleine Reihe Erfahrungsebenen abgesteckt, die zwar verdeutlichen, wie grausam verbohrt das Klima in den frühen Neunzigern in der USA war, in welchen hermetisch versiegelten Räumen die führenden Kräfte den Konsens der ganzen Welt für ihre Agenda reklamierte; dabei wird die positive Kritik aber immer an den einzelnen Protagonisten entwickelt. Wenn dann zum Schluss beim Volksfest eine fünf Meter große Puppe, deren symbolische Bedeutung unklar bleibt, unter fremdartiger Klangkulisse vor einem hysterisch geifernden Publikum verbrannt wird, dann sind das mad songs, die nicht Fernanda Hussein zugehören, sondern dem beunruhigenden kulturellen Milieu in dessen Mitte sie verständnislos gefangen ist.