Chile ist nicht gerade als Land herausragender Horrorfilme bekannt, was sich durch dieses Debüt wohl kaum ändern dürfte. Regisseur Pablo Illanes drischt mit einigen Klischees des gängigen Slashers um sich, packt eine kleine Verschwörungsgeschichte mit rein und baut vor allem auf selbstzweckmäßige Gewalteinlagen.
Schriftstellerin Angela hat sich weitab von der Zivilisation in ein Anwesen nahe eines Waldes zurückgezogen und erwartet in einer Woche die Geburt ihrer Zwillinge.
Als sie vier gute Freundinnen besuchen, ahnen diese noch nicht, welche zwielichtigen Gestalten in ihrer Nähe lauern…
Es ist immer wieder ärgerlich, wenn die Exposition mit dem einsetzt, was uns eigentlich während des Showdowns erwartet, denn meistens wird damit zuviel vorweggenommen, wie auch in diesem Fall. Immerhin begrenzen sich diese Vorab-Bilder lediglich auf eine Person.
Der Vorlauf schafft es demgegenüber, den Schauplatz und die wesentlichen Figuren zu etablieren und ein Geheimnis um Hauptfigur Angela langsam zu enthüllen, denn zunächst weiß man weder, wer diese merkwürdige Heilerin ist, die auch bei der Geburt zugegen sein soll, noch, was es mit den Mutmaßungen auf sich hat, dass eine der Freundinnen etwas mit dem Erzeuger der Zwillinge angefangen haben soll.
Beides klärt sich im Laufe der Zeit, wobei Genrefans von vornherein klar ist, dass dubiose Heiler (und dazugehörige Sekten) in einem Horrorfilm niemals ehrenwerte Absichten pflegen.
Dennoch hätte die erste halbe Stunde etwas mehr Biss vertragen können, denn gegenseitige Anschuldigungen, Koksen, ein Quickie in der Küche und ein kleiner Waldgang schüren nicht gerade eine bedrückende Atmosphäre.
Erst als jemand Blut spuckt und eine andere überwältigt und in eine Art Käfig abgelegt wird, nimmt die Sache ein wenig Tempo auf.
Splatterfans dürften zumindest innerhalb der ungeschnittenen Fassung mit einigen passablen Gewalteinlagen zufrieden sein, die sich vom Messer in Bauch und Rachen über einen abgetrennten Fuß, bis zu einem Metallhaken im Hals und einigen Messerstichen in Nahaufnahme erstrecken. Auch wenn die FX mit Standbildern, veränderten Perspektiven und Latex (im Fall eines männlichen Geschlechtsteils) recht durchschaubar ausfallen, kann sich die Qualität insgesamt sehen lassen.
Die Story hinkt hingegen gewaltig hinterher und bedient sich einiger wohlbekannter Verlaufsmuster, während etwaige Überraschungen zu konstruiert wirken und manche Unwahrscheinlichkeit beinhalten.
Dazu passen auch die letzten Einstellungen, die zwar nett gemeint sind und einen makaberen Zynismus als Quintessenz widerspiegeln wollen, doch die damit verbundenen Logiklücken sind eklatant.
Darstellerisch kann man den hierzulande unbekannten Mimen nichts ankreiden, zumindest sind keine Totalausfälle zu verzeichnen. Auch die Kamera liefert ein paar effektive Einstellungen, nur hätte man bei längeren Szenen auf ein Stativ zurückgreifen sollen, da einige Bilder etwas verwackelt sind. Ansonsten ist die Ausstattung für ein Debüt mit sichtlich geringem Budget in Ordnung, das Haus böte sogar ein erstrebenswertes Ziel als luxuriöse Ferienwohnung in der Pampa.
Dennoch ist diesem chilenischen Beitrag kein sonderlich beeindruckender Wurf gelungen, was vor allem an der überraschungsfreien Geschichte und den mangelnden Wendungen liegt.
Der Splattergehalt geht in Ordnung, auch handwerklich erhält man brauchbare Kost, doch als das Morden losgeht, hält sich das Mitfiebern arg in Grenzen, zumal niemand als Sympathieträger heraus sticht.
Taugliche Massenware für den Genrefreund, mehr leider nicht.
5 von 10