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Immerhin — Jella Haase ist alterstechnisch nicht so gnadenlos fehlbesetzt in diesem Film, wie es später in dem Film „Kokon“ sein würde, aber selbst hier wird schon das Problem der Berufsjugendlichen in Filmen und Serien deutlich: Die Hauptdarstellerinnen sind zu alt für ihre Rollen. Diesmal sind es zwar „nur“ drei bis vier Jahre, aber trotzdem nimmt niemand Haase oder Sarah Horvath optisch ab, dass sie 14 oder 15 sein sollen. 

Und das schmälert leider den Impact der Geschichte, wenn es eine dramatische Coming of Age Story sein soll, es in jeder Einstellung aber deutlich wird, dass wir hier zwei Erwachsenen zuschauen. Akteure, die stimmig sind und denen man die Rolle abnimmt, sind entscheidend für den suspension of disbelief. Fehlt der, wird es schwierig sich auf die Filmwelt einzulassen. Klar kann man bei dem Film verstehen, dass es einfacher und angenehmer ist, es mit Erwachsenen zu drehen (alleine schon vom Jugendarbeitsschutzgesetz her), aber hätte man nicht Schauspielerinnen finden können, die einfach jünger aussehen, als sie es wirklich sind?

Denn das Einlassen auf die Filmwelt ist gerade bei diesem Film nicht nur wegen der Geschichte selbst so wichtig, sondern weil er in jeder Szene auch zeigt, wie artifiziell er inszeniert ist. Setdesign, Kostüm und Requisite suhlen sich im Klischee, in der Übertreibung. Absichtlich, um einen Punkt zu machen. Die bunte 60er/70er Jahre Welt von Ariane (Haase) und die schwarz-weiß Welt der Künstler-Tochter Oona (Horvath). Die — eigentlich überflüssigen — Zwischenanimationen von den Raben im Baum. Die Katzenaugen / Raubtierzähne, die bei manchen Charakteren manchmal erscheinen. Die Story ist gnadenlos überspitzt bis hin zum völlig absurden und unrealistischen Ende. 

Was auffällt ist, dass es eigentlich keine sympathischen Charaktere in dem Film gibt, außer Oona und zu einem gewissen Anteil auch Ariane, weil man bei ihr wenigstens verstehen kann, warum sie sich manchmal wie ein Arsch verhält. Die Männer hingegen sind allesamt komplette Arschlöcher — auch die Väter bleiben da nicht außen vor. Schließlich hängt sich einer vor der Schule seiner Tochter auf und der andere verhindert nicht, dass der Sohn ständig die Mutter und später auch die Schwester schlägt.

Und doch hat der Film was — eine Frechheit und Freshness in der Inszenierung, die man so kaum im deutschen Film sieht. Eine passende und stimmige Einbindung von Musik und Musikvideos. Vielleicht wäre er mit passenderen (und im Falle des Bruders auch besseren) Schauspielern runder und besser geworden. Aber er zeigt trotzdem das Potenzial von Ziska Riemann.

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