Im dritten Teil des norwegischen Horror-Thrillers Cold Prey geht es nun zurück zum Anfang, wie alles begann. Als ob der geneigte Zuschauer nach den ersten beiden Teilen nicht schon ahnte, daß in des Killers Kindheit etwas schiefgelaufen ist, wird nun noch einmal kurz zurückgeblendet. Danach dürfen wieder einige Jugendliche, die sich unvorsichtigerweise in jene Gegend wagen, daran glauben.
Die - übrigens sehr kurze - Rückblende sieht so aus: Im Gesicht leicht entstellter Junge am Rollator wird von Vater "Missgeburt" genannt und in den Keller gesperrt, die Mutter traut sich nicht einzugreifen. Kurz danach wird der Junge als "vom draußen spielen nicht zurückgekehrt" und somit als vermisst gemeldet. Eines Morgens steht er dann aber doch im Badezimmer und ersticht kurzerhand seine Mutter, wenig später auch den Vater. Das wars. Texteinblendung: 12 Jahre später - wie schon in den ersten beiden Teilen sehen wir dann eine Gruppe junger Erwachsener bei einem Ausflug in die Berge, die zunächst in ebenjenem Hotel übernachten wollen, es dann aber vorziehen, doch draußen zu übernachten. Da man aber weiß daß sie erstens nicht weit kommen werden und zweitens der Metzelfreak sein Handwerk schon früh gelernt hat, bleibt die Spannungskurve weit unten. Stattdessen dauert es eine gute halbe Stunde, bevor Cold Prey III zur Sache kommt.
Um den vorhersehbaren Plot wenigstens ein bißchen abwechslungsreicher zu gestalten, wurde ein bärtiger Einsiedler vom Typ Alm-Öhi eingeführt, der den Killer kennt und ihm als eine Art Vertrauter ins Gewissen redet und ihn sogar schimpfen darf - was Letzteren jedoch ziemlich kalt läßt. Aber kaum konzentriert man sich auf den Einsiedler und welche Rolle er für den Killer spielt, schlagen schon wieder gnadenlos diverse Logiklöcher zu Buche: Das Mädchen, das sich nachts mit dem Freund zu einem Schäferstündchen zurückgezogen hat und dabei in einer Fallgrube gelandet ist - aus der es sogar wieder herauskommt, während der Freund aufgespießt unten bleibt - legt sich erschöpft ausgerechnet auf eine Strasse bzw. einen Waldweg. Nicht etwa an den Rand, sondern quer drüber. Als sie dann der Einsiedler aufgabelt und mit zu seiner Hütte mitnimmt, sagt er ihr, sie solle im Auto warten. Aber was macht sie? Geht schnurstracks in einen Schuppen, dessen Tür im Wind scheppert. Sehr logisch. Und dort findet sie - wer hätte das gedacht? - ihren Freund aus der Grube, inzwischen ganz tot. Ja, das ist eine Überraschung, ganz etwas Neues, wie im Haus der 1.000 Leichen und diversen anderen Slashern schon x-mal gesehen. Und in dieser Tonart geht es dann auch weiter.
Keine der handelnden Figuren kann Empathie erzeugen, im Gegenteil, man gönnt es schon fast den mehr oder weniger dämlich quatschenden Zelt- und Jagdfreunden (besonders dem Kasper mit dem Gewehr) wenn sie vom Kapuzenmann massakriert werden. Das Drehbuch verabsäumt leider auch, Alternativen darzustellen, wie der Killer sich entwickelt hat und daß es vielleicht doch noch Möglichkeiten gegeben hätte, daß er in ein normales Leben zurückfindet - solche hätte zumindest ich mir gewünscht. Aber auch der Ist-Zustand (ein wortloser Killer, der Menschen wie Tiere tötet und ausnimmt) bedürfte weiterer Erklärungen, die Regisseur Mikkel Sandemose zu keiner Zeit liefert. Der erwähnte elterliche Liebesentzug scheint Motiv genug, für mich jedoch zu wenig.
Zu den wenigen positiven Aspekten von Cold Prey III gehört zweifelsohne die solide Kameraführung, die den Slasher routiniert ins Bild setzt und auch auf kleine Details achtet (beispielsweise gleich zu Beginn der Schnee auf dem Hausflur unter Mutters Socken). Das Metzeln selbst wird nicht besonders explizit gezeigt, einiges geschieht im Umschnitt, manches im Dunklen - das was zu sehen ist, wird jedoch solide dargeboten. Grandios sind wieder einmal die Kulissen - statt Schnee diesmal ein Wald im Sommer. Das reicht jedoch nicht, fehlende Spannung oder Plot-Twists auszugleichen. So bleibt Cold Prey III ein bestenfalls mittelmäßiger Slasher, wie man ihn schon dutzendfach gesehen hat. Die Erwartungshaltung nach den beiden deutlich besseren ersten Teilen wird hier leider arg enttäuscht. 4 Punkte.