Seitdem H.G.Wells das Szenario eines Angriffs aus dem Weltall in "Krieg der Welten" erstmals durchgespielt hatte, haben sich in diversen Verfilmungen einige Details manifestiert, die zur Grundlage jeder ordentlichen Alien-Invasion zu gehören scheinen - technische Überlegenheit des Angreifers, schonungsloses Ausrotten der Erdbevölkerung und die Einrichtung einer Alien - Zentrale, von der aus die Angriffe koordiniert werden. Angesichts dieser logischen Voraussetzungen, sind die Möglichkeiten der Drehbuchautoren in der Darstellung des Kampfes gegen einen übermächtigen Feind, naturgemäß eingeschränkt, weshalb sich auch in dieser Hinsicht erzählerische Standards entwickelten.
Zuerst gehört dazu eine charakterlich vielfältige Zusammenstellung einer Gruppe mit einer möglichst überschaubaren Anzahl von Menschen. Aus deren subjektiver Sicht wird die Story erzählt, da sich dadurch zum Einen beweist, dass die Aliens die Kommunikationswege zerstört haben, zum Anderen sich beim Vordringen der Gruppe immer wieder Überraschungsmomente einstellen, wenn diese erst bemerkt, welche Konsequenzen der Angriff tatsächlich hatte. In dieser Hinsicht bietet auch "Battle: Los Angeles" keine Ausnahme, aber der Film versucht, dem Ganzen einen möglichst realistischen Hintergrund zu geben.
Der kurze Lagebericht eines Armeegenerals im US-Fernsehen zu Beginn, vermittelt einen Überblick über eine Situation, der nur noch wenig Optimismus anhaftet, obwohl der Alien-Angriff erst vor wenigen Stunden begonnen hatte. Weltweit ist es zu großen Zerstörungen gekommen und auch in den USA gibt es nur noch an der Westküste funktionierende Armee-Einheiten, deren Einsatz der Verteidigung der letzten Großstadt, Los Angeles, gilt. Der Beginn eines Films, während die Alien-Angriffe schon stattfinden, ist ungewöhnlich für das Genre, da normalerweise erst einmal die Protagonisten in ihrem Alltagsleben vorgestellt werden, bevor es zur Sache geht. "Battle: Los Angeles" hält sich darin wohltuend zurück, kann aber auch nicht ganz darauf verzichten, weshalb der Film 24 Stunden zurückblendet und mit dem Strandlauf des Sgt. Nantz (Aaron Eckhart) beginnt, der von den Soldaten seiner Einheit überholt wird.
Während "Skyline" zuletzt eine Gruppe von Party-Gängern in den Mittelpunkt stellte, setzt "Battle: Los Angeles" auf eine Truppe durchtrainierter Marines. Wer sich davon amüsantes Alien-Bashing, gewürzt mit coolen Sprüchen, verspricht, wird enttäuscht werden, denn bei dem Protagonisten Sgt. Nantz handelt es sich um einen sehr ernsten Mann, der bei früheren Kriegseinsätzen seine besten Männer verloren hatte, weshalb er den Dienst quittierte und an diesem Tag seine Papiere abholt. Morgen soll sein letzter als Soldat sein, was bekanntlich schiefgeht. Sehr viel mehr geht der Film nicht in die Tiefe, streift auch nur mit wenigen Details das Privatleben der anderen Soldaten, bevor diese am nächsten Morgen überraschend zur Mobilmachung antreten müssen.
Seit dem Eintritt in die Erdatmosphäre war den Beobachtern aufgefallen, dass der Meteoritenschwarm, der sich auf die Erde zu bewegte, ein paar unnatürliche Details aufwies, aber was es damit auf sich hat, wird den Menschen erst klar, als diese in Küstennähe an verschiedenen Orten der Welt einschlagen. Wieder ist es eine Fernsehübertragung, die Nantz und seine Kumpane informiert. In diesem Fall eine Live-Übertragung vom Strand, von wo aus die Reporterin den Meteoriten-Einschlag kommentiert - und mit ansehen muss, wie erst ein Kriegsschiff zerstört wird und dann eine Horde wild schießender Aliens auf den Strand zu marschieren, bis die Übertragung plötzlich endet. Geschockt verfolgen die Marines diese Ereignisse, bis sie unter der Leitung des unerfahrenen Leutnants Martinez (Ramon Rodriguez) selbst dorthin vordringen sollen, um Überlebende zu retten, bevor das Bombardement auf diesen Bereich in drei Stunden beginnen soll.
Während der Film dieses Anfangsszenario recht schnell abhandelt, legt er sein Schwergewicht auf die Aktion der kleinen Gruppe von Marines bei ihrem Himmelfahrtskommando. Wer die Verwendung einer Handkamera und wenig differenzierte Bilder nicht mag, wird kaum auf seine Kosten kommen, denn "Battle: Los Angeles" benutzt zwar keine subjektive Kamera im Stil von "Cloverfield", aber die Handkamera bleibt immer so nah an den Männern, dass nur deren unmittelbares Umfeld eingefangen wird. Zu Beginn ist der Durchblick noch sehr gering, aber zunehmend entwickelt der Film eine erhebliche Spannung, bedingt durch das Zusammentreffen mit Soldaten einer anderen Einheit (darunter Michelle Rodriguez), das Auffinden weniger Zivilisten und dem wachsenden Zeitdruck, wieder rechtzeitig aus der Zone heraus kommen zu müssen.
In dieser Phase kann der Film in seiner klaustrophobischen Stimmung noch überzeugen, auch weil die einzelnen Kämpfe mit den Aliens differenzierter sind und sich zumindest die Alien-Soldaten nicht als so übertrieben überlegen wie in den meisten Genre-Filmen herausstellen, sondern normal bekämpft werden können. Doch mit zunehmender Laufzeit verfällt "Battle: Los Angeles" immer mehr in die typischen zwischenmenschlichen Klischees mit mutigen Zivilisten-Vätern, kleinen Jungen, die jetzt ganz stark sein müssen, und besonders viel Soldaten-Pathos beim Sterben und diversen Heldentaten, begleitet von einer gleichförmig heroischen Musik. Beim Kampf gegen einen Feind, der die gesamte Menschheit ausrotten will, hilft eben nur die ganz große Keule, um die fiesen, gefühllosen Aliens wenigstens moralisch in die Schranken zu weisen.
Auch "Battle: Los Angeles" kann der Alien-Invasion keine wirklich neuen Aspekte abringen und bleibt in seinen Charakterisierungen und dem vorhersehbaren Storyverlauf den klassischen Klischees treu. Die Handkamera, die unscharfen, oft wenig differenzierten Bilder, und die einzigen übergeordneten Informationen aus dem TV, können eine realistische Anmutung vermitteln, die zeitweise eine bedrohliche Stimmung annimmt. Dank seiner ungebrochenen Ernsthaftigkeit, die zunehmend in Pathos verfällt, fehlt dem Film eine Differenzierung, die der Kriegs-Story auch einmal ein Gegengewicht gegeben hätte, weshalb sowohl die immer gleichartigen Bilder, als auch die ständigen Ballereien zunehmend ermüden (4/10).