Die ersten Trailer heizten die Fan-Erwartungen an, die ersten Kritiken korrigierten diese dann wieder nach unten, was das Versagen von „Battle: Los Angeles“ dann etwas weniger schmerzhaft macht.
„Battle: Los Angeles“ steigt unvermittelt ins Geschehen ein, um dann doch wieder zurückblenden um die Charaktere vorzustellen, womit man sich den Einstieg auch schenken könnte. Näher charakterisiert wird Sergeant Michael Naantz (Aaron Eckhart), der bei seinem letzten Einsatz einige Männer verlor. Nun ist der Ruf im Arsch und auch er selbst hat daran zu knabbern, hat den Rücktritt nach 20 Jahren Armee eingereicht. Der Rest wird grob umrissen, da gibt den 17jährigen Jungspund, den Sanitäter, den baldigen Bräutigam usw. – allerdings braucht man eine Weile bis man die Jungs wirklich auseinanderhalten kann, da es eben nur grobe Charakterisierungen sind.
Als vor diversen Metropole Meteoriten niedergehen aus denen angriffslustige Aliens entsteigen, sind die Marines gefragt. Da auch Los Angeles zu den angegriffenen Städten gehört, sollen Naantz und die Jungs unter der Führung eines jungen Offiziers bei der Verteidigung der Stadt helfen…
Vom Konzept her darf man „Black Hawk Down“ in den Raum werfen, denn auch „Battle: Los Angeles“ folgt den Soldaten mit Handkamera-Inszenierung mit dokumentarischem Touch, aber danach hören die Gemeinsamkeiten dann auch auf, denn Jonathan Liebesmans Inszenierung hat wenig Gefühl für Raum und bei ihm sorgt die Shaky-Cam nicht für Authentizität (so wie bei dem Vorbild oder der Bourne-Trilogie), sondern für Übersichtsverlust... ist ja gerade in, aber leider versteht nur ein Teil der Regisseure wie man mit der Technik umgeht. Einige der Gefechte können dann doch mitreißen, denn gelegentlich scheint Liebesman verstanden zu haben wie so ein Film eigentlich aussehen sollte.
Über lange Zeit muss man sich jedoch mit der mäßig gescripteten Geschichte rumschlagen, welche die Helden erst im Kleinen agieren lässt (Rettung von fünf popeligen Zivilisten, während die Invasoren schon hundert davon platt gemacht haben), ehe sie dann im Finale mit ihren paar Männekes die die Wende herbeiführen, die ganze Bataillone nicht hinbekommen haben. Realismus ade, und auch das Konzept bleibt so uneins: Entweder man erzählt eine überzogene Heldengeschichte oder man verfolgt den realistischen Ansatz Marke „Black Hawk Down“, doch der ist bald dahin: Soldaten sterben hier nicht einfach nebenher im Kreuzfeuer, nein, jeder geht als Held drauf und darf vorher noch wen retten oder sich heroisch opfern.
Hinzu kommt jede Menge Pathos („Du bist jetzt ein kleiner Marine“ sagt Naantz zu einem Jungen, der gerade seinen Papa verloren hat) und kein cooler Pathos, sondern nerviger Pathos. Gerade wenn die Soldaten Naantz aufgrund seines früheren Fiaskos misstrauen und sogar auf ihn schieben, dass die Aliens ihren Stützpunkt plattgemacht haben (da kann der Sergeant auch viel für), der aber mit einer einzigen pathetischen Rede, die uns alle Stolz macht Amerikaner zu sein (oder so), dann die ganze Meute so auf sich einschwört, dass sie für ihn durchs Feuer geht, dann ist echt der Ofen aus.
Über die bemühten Ansätze von Irakkrieg-Kritik („Wir werden von einer besser ausgerüsteten Macht kolonialisiert.“) breiten wir mal besser den Mantel des Schweigens. Es ist schade, denn an vielen Stellen ist handwerkliche Kompetenz zu sehen, die Effekte sind durchaus gelungen, die Bilder des umkämpften Los Angeles verbreiten apokalyptische Stimmung und der Score kann anfangs mitreißen, ehe er sich in den immergleichen Melodien erschöpft.
Ein Pluspunkt des Geschehens ist Aaron Eckhart, der das nötige Gesicht hat, damit man ihm den abgehärteten Soldaten abkauft, und der den tugendhaften Soldaten selbst im Angesicht triefigster Kitsch-Dialoge noch überzeugend zu verkörpern weiß. Hollywood-Beauty Bridget Moynahan, mit deren Starstatus es trotz „I, Robot“ und „Lord of War“ nichts wurde, ist als Zivilistin noch eine der besten Nebendarstellerinnen, während Michelle Rodriguez routiniert, aber irgendwie auch gelangweilt ihre übliche Nummer als Tough Girl abzieht. Der Rest schlägt sich durchaus achtbar, aber kann keine Akzente setzen, weshalb der Cast ohne den charismatischen Eckhart wohl verloren gewesen wäre.
„Battle: Los Angeles“ beweist wie man eine interessante Prämisse durch schwache Umsetzung vermasseln kann: Der abrupte Wechsel vom realistischem Einsatzporträt des Normalsoldaten zum Überheldenepos macht viel kaputt, der uninspirierte Einsatz der Wackelkamera zerstört einige der Actionszenen und Pathos kann man durchaus cool an den Mann bringen, hier ist es bloß kitschig. Aaron Eckhart und diverse Gefechtsszenen können da noch etwas retten, aber hier wäre viel, viel mehr drin gewesen.