"Lauft um euer Leben, Marines!"
An mehreren Orten der Welt schlagen Meteoriten in der Nähe von Großstädten in die Meere. Auch Los Angeles ist davon betroffen. Das erst spät erkannte Phänomen erweist sich als Invasion aus dem All. Die aus dem Meer auftauchenden Außerirdischen feuern direkt auf Zivilpersonen, noch bevor das US-Militär überhaupt reagieren kann.
Der stellvertretende Gruppenführer einer US-Marines-Einheit Michael Nantz (Aaron Eckhart) erhält trotz seiner vortägig quittierten Dienstzeit den Auftrag Zivilisten aus Los Angeles zu evakuieren, bevor diese einem in wenigen Stunden geplanten massiven Luftschlag der Air-Force zum Opfer fallen. Unter der Führung des Neulings Lt. Martinez (Ramon Rodriguez) nimmt die handvoll an Marines Zivilisten und verstreute Soldaten auf. Die massiven Gefechte in den Straßen und die übermächtige Luftwaffe der Invasoren verhindert allerdings die Evakuierung.
In letzter Zeit haben es die Außerirdischen wieder öfters auf unsere Erde abgesehen. Nach "Skyline" thematisiert nun auch "World Invasion: Battle Los Angeles" die Invasion einer bösen Alien-Spezies. Der von Jonathan Liebesman ("Texas Chainsaw Massacre: The Beginning") präsentierte Science-Fiction Kriegsfilm erinnert an einen Weltuntergangsfilm aus den 50er Jahren. Die Einteilung in Gut und Böse ist strikt, der Film selbst gradlinig und kompromisslos. Viele Kritiker sehen dies und den natürlich erheblich enthaltenen pathetischen Anteil als Grundlage für vernichtende Rezensionen. Genau genommen ist "Battle Los Angeles" allerdings nur gute alte Kinogeschichte mit schnörkelloser Action und gegenwärtiger Technik.
Mit einer Länge von fast zwei Stunden ist "Battle Los Angeles" zweifellos ein richtiger Brocken, denn Liebesman hält das Tempo fast durchgehend in hohen Bereichen. Bereits im Intro folgt die Kamera einer Gruppe Marines im Inneren eines fliegenden Kampfhubschraubers. Plötzlich erleidet dieser einen Treffer und gerät ins Schlingern. Die Kamera folgt den hinaus sehenden Marines. Zu sehen ist ein völlig zerstörtes Los Angeles. Ein ernüchterndes Szenario mit epischen Bildern.
Zunächst wechselt die Handlung jedoch einige Stunden vor diese Ereignisse und befasst sich mit der Einführung eindimensionaler Charaktere. Während “Skyline” zuletzt eine Gruppe von Party-Gängern in den Mittelpunkt stellte, setzt “World Invasion: Battle Los Angeles” auf eine Truppe durchtrainierter Marines. Die Hintergrundinformationen zu ihnen werden jedoch nur rundimentär geformt und bleiben belanglos. So kann man von Glück reden, dass sich der Film nur kurz seinen Charakteren widmet. Nach kaum mehr als 15 Minuten ist das Anfangsszenario gestellt und der moderne Krieg der Welten im Gange.
“World Invasion: Battle Los Angeles” beschränkt sich daraufhin auf die Aktionen der kleinen Gruppe von Marines und setzt auf pausenlose Straßenkämpfe. Klischees und moralische Parolen stehen dabei an der Tagesordnung, ohne diese würde solch ein Kriegsfilm aber auch nicht funktionieren. Erfrischend jedoch ist die nicht vorhandene übertriebende Überlegenheit einer Partei. Das große Zerstörungspotential der Außerirdischen ist nur vorläufig durch den initiativen Angriff und die Unwissenheit ihrer Bekämpfung. Mit zunehmender Laufzeit regulieren sich die Verhältnisse. Das Spannungspotential ist durch die ähnlich starken Kontrahenten daher enorm.
In aufwühlenden Bildern springt der Film von einer Actionsequenz zur nächsten und präsentiert ein enorm realistisches Endzeitsetting. Wohin man blickt, Zerstörung, Flammen, Rauch und Leichen nehmen den größten Raum ein. Dieses Dauerfauer nutzt sich allerdings mit der Zeit ab und hält nicht ganz die anfangs hervorragende klaustrophobische Stimmung.
Das exzellente Sounddesign macht die Actionszenen zu einem wahren Fest für die Ohren. Ebenfalls stimmungsvoll ist der orchestrale Soundtrack. Ein wenig nervig sind aber der hektische Schnitt und die teils übermäßige Einbindung verwackelter Bilder.
Ein Film der soviel Wert auf Action, Spannung und Visualisierung legt, vernachlässigt für gewöhnlich den Rest. So findet sich in “World Invasion: Battle Los Angeles” kein Platz für eine ausgefeilte Handlung und Charaktere. Logischerweise ist dadurch der Anspruch an die Darsteller gering. Besonders ernüchternd ist dies für Aaron Eckhart ("Thank You for Smoking", "The Dark Knight"), dessen kantiges Aussehen und letzte schauspielerische Leistungen hier nicht zur Geltung kommen. Auch die weiteren bekannten Gesichter von Michelle Rodriguez ("Machete", "Resident Evil") und Bridget Moynahan ("Lord of War - Händler des Todes") fügen dem Film nichts weiter zu.
“World Invasion: Battle Los Angeles” kann der Alien-Invasion keine wirklich neuen Aspekte abringen und bleibt in seinen Charakterisierungen und dem vorhersehbaren Storyverlauf den klassischen Klischees treu. Trotzdem ist der Science-Fiction Kriegsfilm durch bombastische Action und gigantische Bilder ungemein fesselnd. Dank ungebrochener Ernsthaftigkeit und stimmungsvoller Atmosphäre unterhält der Film lange Zeit, ermüdet nur gegen Ende in Form gleichartiger Bilder und uninspirierter Ballereien. Warum sich die seit "Independence Day" durchgesetzten pathetischen Stimmungen bei Filmen mit Kriegsszenarien heute heftigster Kritik beugen müssen, ist wohl einzig durch politische Einstellung zu beantworten.
8 / 10