Nein, Independence Day 2 ist es nicht geworden, sorry. Auch Fans von Spielbergs düsterem Apocalypse-Thriller Krieg der Welten dürften eher enttäuscht sein. World Invasion: Battle Los Angeles bringt genau das auf die Leinwand, was der Titel verspricht: Einen zweistündigen Kampf um Los Angeles, das von Außerirdischen angegriffen wird. Das ist in erster Linie laut, brachial und bis zum Anschlag humorlos. Eine ironische Brechung wie in Emmerichs Megahit, oder philosophische und gesellschaftspolitische Zwischentöne wie in der jüngsten H.G. Wells-Adaption sucht man weit und breit vergeblich. Aber ist das wirklich ein Problem?
Battle Los Angeles wird aus der Perspektive einer kleinen Einheit von Marines erzählt, die inmitten des Invasionschaos auf ein Himmelfahrtskommando geschickt werden. Das erinnert in Erzählduktus wie auch in visueller Ausrichtung stark an Ridey Scotts Black Hawk Down. Mit dem einzigen Unterschied, dass es diesmal gegen Aliens und nicht gegen Somalis geht.
Die beinahe permanent eingesetzte Handkamera ist auch hier ganz nah bei den Protagonisten und soll den Zuschauer möglichst unmittelbar das Schlachtengetümmel erleben lassen. Wenn dieses Stilmittel inzwischen auch schon reichlich strapaziert wurde und beinahe in jedem modernen Actionfilm seinen (häufig enervierenden) Auftritt hat, so passt es in diesem Fall mal wieder ganz gut.
Zwar hat Regisseur Jonathan Liebesman nicht einmal ansatzweise Scotts Gespür für atemberaubende Bilder, spektakuläre Kamerafahrten oder räumliche Tiefe, allerdings spielt dieser auch in seiner ganz eigenen Optik-Liga. In Liebesmans Kriegs-Szenario ist zweifellos alles eine Nummer konventioneller geraten. Trotzdem gibt es eine Reihe beindruckender audio-visueller Sequenzen (u.a. ein Helikopterflug über das unter massivem Beschuss liegende Los Angeles oder der erste Feindkontakt zwischen Marines und Invasoren) zu bewundern. Und auch die (zu Recht) viel gescholtene Wackelkamera erfüllt diesmal ihren Zweck, ohne Dauerkopfschmerz oder völlige Orientierungslosigkeit zu verursachen.
Charakterzeichnung, Handlung und Dialoge sind im Gegensatz zur optischen Ausrichtung dafür gnadenlos simpel gehalten. Der Marine-Trupp setzt sich aus dem Standartbaukasten für Kriegsfilme zusammen. Da gibt es beispielsweise den desillusionierten, hoch dekorierten Kriegshelden, der kurz vor seinem Abschied doch noch einmal ran muss, und sich im feindlichen Feuer zu neuem Optimismus und Heroismus aufschwingt. Aaron Eckhart macht das beste aus dieser Schablonen-Rolle und gibt Staff-Sergeant Nantz die nötige Ernsthaftigkeit und Würde, um diese Figur gerade noch mal so aus der Karikatur-Falle zu retten. Michelle Rodriguez ist da weniger begabt und gibt zum gefühlt hundertsten Mal recht gelangweilt die toughe Kampfamazone. Der Rest ist bloße Staffage und dank gleicher Uniform unter Dauerfeuer kaum voneinander zu unterscheiden. Vom Typus her sind darunter die üblichen Verdächtige wie der junge, unerfahrenen Vorgesetzte, oder der tollkühne Draufgänger.
Mit zunehmender Dauer und fortschreitender Dezimierung werden die Dialoge innerhalb des Platoons pathetischer, patriotischer und heroischer. Diese starken Gefühle werden in eher schlichte Worte gekleidet, wobei man sich bei aller Kritik schon fragen muss, ob dies bei der porträtierten Klientel in einer vergleichbaren Situation wirklich so abwegig und unrealistisch ist. Schließlich handelt es sich hier nicht um einen Trupp promovierter Schöngeister, die auf einer launigen Bildungsreise unterwegs sind. Auch die völlige Abwesenheit von Humor ist, sofern man den realistischen Anspruch des Films ernst nimmt, in einem solchen Szenario absolut glaubwürdig.
Bleibt noch die Handlung. Staff-Sergeant Nantz und seine Männer haben die undankbare Aufgabe, versprengte Zivilisten aus einer Polizeistation in Santa Monica zu evakuieren, bevor der gesamte Küstenstreifen von Los Angeles von der eigenen Air Force mit einem Bombenteppich belegt wird. Natürlich läuft diese Mission alles andere als geplant und erfordert neben Improvisationstalent auch ein gehöriges Maß an Heldenmut ...
Für ein zweistündiges Effektspektakel ist das natürlich etwas dünn, darüber können auch das tolle Set Design und das durchgängig hohe Tempo nicht gänzlich hinwegtäuschen. Sowohl die ständigen Feuergefechte wie auch der an 9/11 erinnernde Staub-Look des verwüsteten Los Angeles nutzen sich mit der Zeit ab und legen die Ideenarmut des Drehbuchs recht schonungslos offen.
Positiv fällt dagegen das Creature-Design auf. Endlich bekommt man mal etwas anders als die üblichen an Alien und/oder diversen Insekten angelehnten Außerirdischen geboten. Auch die Mischung aus Computer-Effekten, Modellen und Matte-Paintings ist durchaus stimmig und rundet das zumindest in visueller Hinsicht gelungene Gesamtpaket ab.
Trotz der erwähnten Mängel wäre es schlussendlich aber unfair, Battle Los Angeles als Independence Day für Arme abzukanzeln. Liebesmans Film hat eine andere Intention und Ausrichtung. Die Idee eine Alien-Invasion einmal lediglich aus Sicht des Militärs zu betrachten und den Zuschauer dabei möglichst mitten ins Kampfgetümmel zu werfen, ist zumindest nicht unoriginell. Ob man daran letztlich Gefallen findet, oder das Ganze reflexartig als dämliche Militärpropaganda verteufelt, liegt in erster Linie daran, wie relevant und interessant einem die gewählte Perspektive erscheint.
(6,5/10 Punkten)