Review

Ihr Lieblingsvideospiel "Soldaten gegen Aliens" jetzt auch mal als Film, das müssen sie sehen.
Oder eben doch nicht, aber das ist dann doch eher eine Sache der Zielgruppe, die hier bedient werden soll - und die schert sich in Jeff Liebesmans neuestem Film eigentlich wenig um so etwas wie Plotentwicklung oder Sinn und Verstand, sondern darf in "World Invasion - Battles Los Angeles" die filmische Umsetzung ihres liebsten Spielelevels miterleben, womit die elementarsten Wünsche eben schon erfüllt wären.

Invasionsfilme gabs ja schon zuhauf und in Gottes weitem Rund gibt es ja kaum ein Monument oder Bauwerk mehr, das noch nicht spektakulär in Großaufnahme und hochauflösenden Bildern zerschmettert worden wäre, warum also nicht zurück zu den Basics und diese einfach mal hautnah und mittendrin mittels unruhiger Handkamera dem Publikum nahebringen.
L.A. ist ohnehin pottenhäßlich, deswegen darf es auch in Schutt und Asche zerfallen (was die extrem harte Tagline "Wir dürfen Los Angeles nicht verlieren?" ein bißchen fragwürdig macht, wenns wenigstens Washington oder New York gewesen wäre...).
Also rein in die beschränkte Weltsicht einer Gruppe von Marines, die sich in dem Bißchen an Exposition, was man zur Charakterformung übrig gelassen hat, mit den üblichen Problemen aus Verlust, Schuld, Altersmüdigkeit und Unreife rumzuschlagen hat, bis die neuesten CNN-Bilder, die stets im Hintergrund laufen, von einer neuen Alieninvasion künden.
Die Fremden kommen per Meteorit, plumpsen ins Meer und werden dadurch enorm mobil (weil Wasser ihr Treibstoff ist und diese natürliche Resource natürlich nur auf unserem Planeten in Hülle und Fülle vorkommt und von Galaxisreisenden natürlich nicht einfacher künstlich hergestellt...aaargh...lassen wir das...) und machen den Planeten platt.
Keine Hinhaltechose, keine Besetzung, kein Countdown - wir kommen und machen euch platt, einer wird gewinnen.

Und so geht der Film dann mit der Frische des Dabei-sein-ist-alles-Gefühls dahin, zunächst noch geordnet mit einer Rettungsmission, später dann western-like verloren im Feindesland und gegen übermächtige Gegner kämpfend und als dann endlich der Arsch gerettet ist, kehrt man nach einer plötzlichen Eingebung natürlich noch als knallhartes Eliteteam in die Höhle des Löwen und zeigt den biomechanischen Usurpatoren, was ein Verteidiger der Erde so in der Hose und im Magazin hat.
Eingefangen in realitynahe Bilder, ist man als Beobachter praktisch mitten im Geschehen, vorne läuft einer, seitlich laufen zwei und drumrum kracht und zischt es, schlägt es ein, das ist wirklich eine reine Freude für Gamerfans.
Und so simpel die Prämisse ist, so gut funktioniert sie auch (anders als in dem noch wirreren, noch hektischeren "Gamer"), wenn man komplett ausblenden kann, das die Sülze natürlich ein wunderbarer Werbefeldzug für US-Marines (die ja nie aufgeben), das Verteidigungsministerium, die Waffenindustrie und den "great american spirit" ist, der gegen Ende dann doch noch ein wenig die bis dato recht gut verschlossene Pathostube aufmacht.
"World Invasion" sorgt nicht eben für Magengeschwüre, wenn es um die Plattheitsquote geht, ist sich jedoch stets selbst genug in seiner Ballade aus dem entbehrungsreichen Soldatenleben, das hier mal wieder ausgelebt wird. Ergänzend sind die Tricks recht gut, das Setting ist aufwändig und die Gefechtsszenen sind zwar von der Anlage her meistens etwas desorientierend, aber intensiv umgesetzt.

Kurz gefaßt: so doof "World Invasion" in seiner Soldatensimplizität auch ist, immerhin sorgt Liebesman mit kompetentem Team für einen brauchbaren Spannungsbogen ohne größere Löcher, weil der Restplot ähnlich wie im normalen Kampfeinsatz darauf fokussiert, einen steten Adrenalinstrom am Laufen zu halten, da eigentlich fast alle Beteiligten recht sympathisch gezeichnet sind.
Aaron Eckharts eckiges Gesicht (hihi) bettet sich als kantiger grauer Wolf ausgesprochen gut in die Ruinenlandschaft Kaliforniens ein und wenn es um Dialoge geht, beschränkt man sich auf das Nötigste und kriegt so auch noch einen ungefähren Eindruck davon, wie es wohl in Afghanistan oder Irak wirklich manchmal zur Sache ging. (Und jetzt bitte noch alle die Hand heben, die überrascht davon sind, daß Michelle Rodriguez in diesem Film auftaucht....wie, keiner?)
Wer also seine sieben Sinne halbwegs beisammen hat, wird wissen, daß er es mit einem enorm gut gemacht Propagandaprodukt zu tun hat, daß für ADS-Zielgruppen und Joystickfans gemacht wurde und dort auch recht gut funktioniert hat, weil man danach sofort eine Runde "Crysis" spielen will, bevor man sich für zwölf Jahre verpflichtet. In diesem Fall macht diese kurzweilige Hatz sogar einigermaßen Spaß und ist auf seine banale und unkritische Art Soldaten zu zeigen, fast schon realistisch. Was der eigentliche Witz an der Sache wäre.
Bis zur Fortsetzung sicherlich ein Event - nächstes Jahr müssen wir dann Rothenburg ob der Tauber und die historische Altstadt retten, weil die Russen einmarschieren. Oder die Rheinländer. Auf jeden Fall stehen die dann auch auf Flüssiges. (5/10)

Details
Ähnliche Filme